MySpace-Chef: "Wir haben StudiVZ gerade überholt"
07. Juli 2010, 08:31 Uhr · Quelle: toptechnews.de
Galt einst noch MySpace als innovative und frische Plattform im Netz, ist der Lack seit langem ab. Zwar verfügt das Portal auch heute noch über mehrere Millionen, meist musikaffine, Nutzer. Jedoch scheint ein klares Konzept im Wettbewerb mit dem Überkonkurrenten Facebook zu fehlen, die Verluste sind hoch und auch die rege Personalfluktuation zeugt bislang nicht gerade von stabilen Verhältnissen. Gerade erst hat Co-Chef Jason Hirschhorn das Unternehmen nach nur 5 Monaten verlassen. Der nun allein agierende MySpace-Chef Mike Jones gibt sich dennoch betont optimistisch. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) erklärt er, warum MySpace anders als Facebook ist und erfolgreicher als StudiVZ. Trotz aller Lässigkeits-Rhetorik vermitteln viele Aussagen aber vor allem eines: die Hoffnung auf bessere Zeiten.
"Unsere Hoffnung ist, dass vor allem die jungen Menschen sagen: Ich gehe zu MySpace, weil ich dort schnell neue Musik finden und hören kann, Leute kennenlernen, vielleicht ein spannendes Video schauen oder ein Spiel spielen kann", sagt Jones. Vor Jahren hatte so noch die Karriere der "Arctic Monkeys" begonnen. Seitdem gab es nur noch wenig spektakuläres über MySpace zu berichten - zumindest im Positiven.
Dort gehe es vielmehr um kreative Arten, sich auszudrücken; um Entdeckungen und entdeckt zu werden. "Wir sind für das Wilde, Verrückte und den Spaß da. Ich will die rebellische Jugend der ganzen Welt zu uns holen", lautet sein erklärtes Ziel. "Bands haben wegen unserer Internetseite schon ihren Tourplan geändert, weil sie gesehen haben, wo viele ihrer Fans sind. Das wollen wir auch für andere Künstler und die Industrie leisten."
Weiter auf Seite 2: MySpace ist ein "Irrgarten", der von 120 Millionen Menschen genutzt wird
Als eines der Hindernisse zu neuen Erfolgen gilt allerdings die umständliche und unzeitgemäße Bedienung der Plattform. MySpace sei ein "Irrgarten", sagt selbst Jones. Im Moment funktioniere alle Kommunikation nur zwischen dem eigenen Profil und Millionen von anderen - nach dem Prinzip "Hin und her, vor und zurück". "Aber überlegen Sie mal: Rund 120 Millionen Menschen nutzen das Produkt jetzt, obwohl es so kompliziert ist. Wie viele werden es wohl nutzen, wenn es viel einfacher ist", fragt der ehemalige AOL-Vize fordernd.
Zu Facebook ist der Abstand zwar noch weit. Dafür sieht sich Jones in Sachen Datenschutz weit im Vorteil. "Wir haben Regeln, die wir mit dem Generalbundesanwalt der Vereinigten Staaten ausgearbeitet haben." Bei MySpace sei die Privatsphäre bereits sehr früh ernst genommen worden. Auch gebe die Möglichkeit, eine Online-Identität anzulegen. Erst kürzlich wurden zudem weitere Verbesserungen implementiert.
In Planung seien etwa sechs weitere Apps für die Nutzung mit Smartphone und iPad. "Auch hier wird sich viel um das Konzept drehen, wie sich Inhalt durch die Nutzer im Netz ausbreitet, also um die sogenannten viralen Phänomene", kündigt Jones an. Er hofft, dass MySpace auf diese Weise auch in 4 bis 5 Jahren noch begeistern kann. Das Konzept der Plattform könne für viele Nutzer sehr lange wichtig bleiben, sagt er. Dann folgen erneut zwei "Wir werden"-Sätze: "Wir werden darin deutlich besser werden. Und die Leute werden uns dafür lieben."
Wir werden, was wir nicht sind - aber waren
"Wir werden" sind zwei der Lieblingswörter von Jones, wenn er über die Zukunft von MySpace spricht. Anstatt der Ankündigung neuer Projekte folgen dann aber oft lediglich Prognosen über den baldigen Zustand des Netzwerks, die ein wenig nach dem berühmten Pfeifen im Walde klingen. "Das ist nicht neu, aber darin werden wir bald sehr gut sein", ist einer dieser Sätze. Jones spricht ihn aus, als er die Perspektiven von MySpace als Musik-Portal umschreibt. Er hofft sichtlich, dass die Jugend seine Plattform wieder als erste Anlaufstelle bei der Suche nach neuen interessanten Bands begreift - als Fundgrube für neue Trends."Unsere Hoffnung ist, dass vor allem die jungen Menschen sagen: Ich gehe zu MySpace, weil ich dort schnell neue Musik finden und hören kann, Leute kennenlernen, vielleicht ein spannendes Video schauen oder ein Spiel spielen kann", sagt Jones. Vor Jahren hatte so noch die Karriere der "Arctic Monkeys" begonnen. Seitdem gab es nur noch wenig spektakuläres über MySpace zu berichten - zumindest im Positiven.
"Facebook ist ein anderes System"
Schuld daran sind auch globale Senkrechtstarter wie Youtube oder Facebook. Letzteres sei aber eigentlich ein völlig anderes System als MySpace, so Jones. Dies habe man in der Vergangenheit zu wenig betont. "Wir wollen relevante Inhalte bieten. Das können Personen sein, etwa wenn ein Nutzer in eine neue Stadt zieht und Kontakt sucht. Das kann Musik sein. Oder aber der Kontakt zu Prominenten", sagt der MySpace-Chef. Es gehe weniger um das echte Leben. MySpace sei nicht der Ort, an dem jemand Babyfotos mit seiner Mutter teile.Dort gehe es vielmehr um kreative Arten, sich auszudrücken; um Entdeckungen und entdeckt zu werden. "Wir sind für das Wilde, Verrückte und den Spaß da. Ich will die rebellische Jugend der ganzen Welt zu uns holen", lautet sein erklärtes Ziel. "Bands haben wegen unserer Internetseite schon ihren Tourplan geändert, weil sie gesehen haben, wo viele ihrer Fans sind. Das wollen wir auch für andere Künstler und die Industrie leisten."
Als eines der Hindernisse zu neuen Erfolgen gilt allerdings die umständliche und unzeitgemäße Bedienung der Plattform. MySpace sei ein "Irrgarten", sagt selbst Jones. Im Moment funktioniere alle Kommunikation nur zwischen dem eigenen Profil und Millionen von anderen - nach dem Prinzip "Hin und her, vor und zurück". "Aber überlegen Sie mal: Rund 120 Millionen Menschen nutzen das Produkt jetzt, obwohl es so kompliziert ist. Wie viele werden es wohl nutzen, wenn es viel einfacher ist", fragt der ehemalige AOL-Vize fordernd.
"Wir haben den Fokus verloren"
Zudem habe man die ursprünglich erfolgreiche Strategie von MySpace zugunsten planlos zugefügter Features aufgegeben und die Konkurrenz einfach kopiert. "Da ging der Fokus verloren für das, was schon früh großartig war. Dahin wollen wir zurück", so Jones. In Deutschland sei auch bereits wieder ein Wachstum zu verzeichnen. "Hier haben wir fünf Millionen monatliche Nutzer und gerade StudiVZ überholt. Deutschland ist nach Amerika unser zweitgrößter Markt", ergänzt der 34-Jährige.Zu Facebook ist der Abstand zwar noch weit. Dafür sieht sich Jones in Sachen Datenschutz weit im Vorteil. "Wir haben Regeln, die wir mit dem Generalbundesanwalt der Vereinigten Staaten ausgearbeitet haben." Bei MySpace sei die Privatsphäre bereits sehr früh ernst genommen worden. Auch gebe die Möglichkeit, eine Online-Identität anzulegen. Erst kürzlich wurden zudem weitere Verbesserungen implementiert.
Werbung bleibt Haupteinnahmequelle
Für die Zukunft sieht sich der Jones auch finanziell gut gerüstet. Haupteinnahmequelle bleibe weiterhin Werbung sowie der gezielte Einsatz von Marken und Kampagnen. Kostenpflichtige Inhalte werde es nicht geben. "Ich mache mir keine Sorgen über die Finanzen. Eher darüber, ob das Produkt MySpace am Ende wirklich mit unseren Visionen mithalten kann", so der CEO.In Planung seien etwa sechs weitere Apps für die Nutzung mit Smartphone und iPad. "Auch hier wird sich viel um das Konzept drehen, wie sich Inhalt durch die Nutzer im Netz ausbreitet, also um die sogenannten viralen Phänomene", kündigt Jones an. Er hofft, dass MySpace auf diese Weise auch in 4 bis 5 Jahren noch begeistern kann. Das Konzept der Plattform könne für viele Nutzer sehr lange wichtig bleiben, sagt er. Dann folgen erneut zwei "Wir werden"-Sätze: "Wir werden darin deutlich besser werden. Und die Leute werden uns dafür lieben."

