Mit Hurra in den Abgrund
Karls Kraus' »Die letzten Tage der Menschheit« kommt auf die Bühne des Großen Hauses

14. Januar 2026, 12:32 Uhr · Quelle: LifePR
Mit Hurra in den Abgrund
Foto: LifePR
»Die letzten Tage der Menschheit«

Heilbronn, 14.01.2026 (lifePR) - »Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate …«

Das schreibt Karl Kraus, einer der größten Publizisten und Schriftsteller Österreichs, gleich im Vorwort zu seinem Dramenmonument »Die letzten Tage der Menschheit«, in dem er sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt. Das Besondere:  Kraus widmet sich darin nicht der Hölle an der Front. Der Fokus liegt vielmehr auf jenen, die aus sicherer Entfernung im Hinterland den Ersten Weltkrieg erleben, verfolgen, bejubeln und davon profitieren. Tragisches und absurd Komisches gehen dabei Hand in Hand.

Würde man dieses Werk in Gänze aufführen, dauerte es zehn Tage lang. Regisseur Georg Schmiedleitner hat gemeinsam mit Dramaturgin Sophie Püschel eine konzentrierte Fassung erarbeitet, die es gestattet, den Kern dieses Textes an einem »normalen« Theaterabend zu zeigen. Die Premiere findet am 24. Januar um 19 Uhr im Großen Haus des Theaters Heilbronn statt. Wie schon in seinen erfolgreichen Inszenierungen »Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« nach Thomas Mann und »Fabian« nach Erich Kästner sind wieder Stefan Brandtmayr (Bühne) und Cornelia Kraske (Kostüme) seine künstlerischen Partner für die Ausstattung. Der Musiker Johannes Mittl wird live auf der Bühne den atmosphärischen Soundtrack zwischen Operettenseligkeit und Weltuntergang für die Inszenierung gestalten. Das 11-köpfige Ensemble schlüpft in viele verschiedene Rollen.

Großteil des Textes besteht aus Originaldokumenten

Über ein Drittel des eigentlichen Textes sind Originalmaterial aus Zeitungen, militärischen Tagesbefehlen, Gerichtsverfahren, Briefen, Predigten und Gesprächen seiner Zeitgenossen. Es handelt sich dabei um keine stringente Handlungsabfolge, sondern um eine Vielzahl längerer und kürzerer Szenen mit realen und fiktiven Figuren. Mit dabei sind unter anderem die Kaiser Franz Joseph und Wilhelm II, Soldaten, Pastoren, Journalisten, Ärzte, Zeitungsabonnenten und viele mehr. Die Zitate offenbaren gedankenlose Rücksichtslosigkeit, Dummheit, Verlogenheit und die Verrohung der Sprache, die das Leid an der Front banalisiert. Mit gnadenlosem Wortwitz und bitterer Satire entlarvt Karl Kraus die Unmenschlichkeit und Absurdität des Krieges über das Reden, Denken und Handeln der Menschen.

Das erste Wort hat ein Zeitungsausrufer auf der Ringstraße in Wien: »Extraausgabee –! Ermordung des Thronfolgers! Da Täta verhaftet!«

Wir lernen Kriegsberichterstatter kennen, die die Auflagen ihrer Medien durch möglichst aufsehenerregende Schilderungen steigern wollen und den Wahnsinn anheizen. Darunter Alice Schalek, eine der ersten weiblichen Kriegsreporterinnen, die mit ihren verherrlichenden Berichten von der Front die Kriegslust der Österreicher sehr angefacht haben soll. Kraus sah in ihr die Verkörperung der Sensationsgier, die das Leid des Krieges in romantisierende, heldische Geschichten verwandelte. »Die Schalek« ist die einzige durchgehende Figur in diesem Stück.

Wir erleben Händler, die Angst vor Frieden haben, weil sie durch den Krieg große Profite einfahren, Weltkrieg spielende Kinder und Frauen, die den Krieg für Wohltätigkeitsveranstaltungen zur eigenen Profilierung nutzen. Juristen rühmen sich der Vielzahl der von ihnen unterzeichneten Todesurteile. Offiziere werden vorgeführt, die sich in Sicherheit wiegen, und ihre Soldaten verhungern und erfrieren lassen oder sie in den sicheren Tod schicken: »Zum Erschießen sind sie da«.

Kraus‘ szenische Miniaturen sind pointiert und mit spitzer Feder geschrieben. Spannungsreich und entlarvend stellt er verklärende Propaganda neben die Realität des Kriegsalltags und zeichnet das wahnwitzige Kaleidoskop einer kriegstaumelnden Gesellschaft.
Die Botschaft dieses monumentalen Werkes ist klar: Krieg ist die Pest und Friede das Erfordernis allen politischen Handelns. »Die letzten Tage der Menschheit«, entstanden zwischen 1915 und 1922, gilt heute als einer der bedeutendsten pazifistischen Texte der jüngeren Literaturgeschichte. Er lässt jene Mechanismen erkennen, die Kriege entstehen lassen und am Laufen halten und macht deutlich, wie sich alle zivilisatorischen Gewissheiten unter dem Einfluss der Propaganda auflösen.

Warnung vor Geschichtsvergessenheit

»Die Welt geht unter und man wird es nicht wissen. Alles, was gestern war, wird man vergessen haben, daß man den Krieg verloren, vergessen haben, daß man ihn begonnen, vergessen, daß man ihn geführt hat. Darum wird er nicht aufhören.«  (Karl Kraus)

Wie recht er hatte, bewies der Zweite Weltkrieg, der drei Jahre nach dem Tod von Karls Kraus begann. Heute ist die Kriegsgefahr realer denn je. Die Krisen und Spannungen nehmen durch die Verschiebung von geopolitischen Machtinteressen zu und eskalieren gegenwärtig im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, im Gaza Krieg und einer starken militärischen Bedrohung Taiwans durch China. 

Darum dieses Werk hier und heute! Weil dieser Text nachvollziehbar macht, wie (Kriegs-) Propaganda und rhetorische Aufrüstung funktionieren und eine Gesellschaft in den Wahnwitz eines Krieges, bei dem alle nur verlieren können, taumeln lassen.  Der Schriftsteller Jonathan Franzen konstatiert: »Vieles von dem, was Kraus schrieb, trifft unsere Zeit noch genauer als seine eigene.« Und Daniel Kehlmann schätzt ein: »Kraus zu ignorieren, das war schon 1914 ein Fehler; heute aber, in einer Zeit erneuten Medienwandels, da gewaltige Konzerne über elektronische Kanäle Desinformation in die Welt schleudern, sind seine Einsichten möglicherweise wertvoller denn je.« Daniel Kehlmann, DIE ZEIT, 12.03.20

Premiere am 24. Januar 2026, 19 Uhr, Großes Haus des Theaters Heilbronn
Die letzten Tage der Menschheit
Karl Kraus
In einer Fassung von Sophie Püschel und Georg Schmiedleitner

Regie: Georg Schmiedleitner
Bühne: Stefan Brandtmayr
Kostüme: Cornelia Kraske
Musik: Johannes Mittl
Licht: Harald Emrich
Dramaturgie: Sophie Püschel

Mit: Nils Brück, Richard Feist, Oliver Firit, Pablo Guaneme Pinilla, Tobias Loth, Judith Lilly Raab, Michaela Schausberger, Sophie Maria Scherrieble, Juliane Schwabe, Tobias D. Weber, Sebastian Weiss und dem Musiker Johannes Mittl

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[lifepr.de] · 14.01.2026 · 12:32 Uhr
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