Millionenklage gegen Deutsche Bank verzögert sich – Prozessbeginn auf April 2026 verschoben
Prozessbeginn erst im April 2026
Der ursprünglich für den 4. Dezember 2025 geplante Prozessstart vor dem Arbeitsgericht Frankfurt findet nicht statt. Nach Informationen aus dem Umfeld des Verfahrens wurde der Termin auf den 23. April 2026 verschoben. Grund sei die Auslastung des zuständigen Richters.
Die Deutsche Bank sowie der Anwalt des Klägers, Dario Schiraldi, äußerten sich auf Anfrage nicht zur Verschiebung. Schiraldi, ein ehemaliger Investmentbanker, hatte die Klage bereits 2024 eingereicht.
Es geht um viel Geld: Er fordert 152 Millionen Euro Schadensersatz. Sollte das Gericht seinem Anspruch folgen, könnte der Streit für die Bank sogar noch teurer werden.
Vorwürfe wiegen schwer
Schiralidi behauptet, die Deutsche Bank habe falsche Aussagen über ihn verbreitet, um Konflikte mit der Finanzaufsicht Bafin zu vermeiden. Wegen dieser angeblichen Falschinformationen sei er in Italien in ein langes Strafverfahren geraten. Erst wurde er 2019 zu einer Haftstrafe verurteilt, später aber freigesprochen – bis hin zum Obersten Gerichtshof 2023.
Der Vorwurf: Die Bank habe seinen Ruf geopfert, um eigene Interessen zu schützen.
Weitere Klagen ehemaliger Mitarbeiter
Schiraldi ist nicht allein. Fünf weitere Ex-Manager der Deutschen Bank fordern Schadensersatz – allerdings vor einem Londoner Gericht. Darunter auch Michele Faissola, einst Chef der Vermögensverwaltung. Die Ansprüche umfassen entgangene Gehälter, Boni und Karrierechancen. Zusammen könnten die Forderungen theoretisch einen Milliardenbetrag erreichen.
Die Deutsche Bank weist alles zurück. Das Institut halte „alle Klagen für unbegründet“ und werde sich „entschlossen verteidigen“, so ein Sprecher.
Der Santorini-Deal – ein altes Kapitel holt die Bank ein
Die Klagen hängen mit einem der umstrittensten Fälle der europäischen Bankengeschichte zusammen: dem Bilanzskandal um die italienische Monte dei Paschi di Siena (MPS). Die Deutsche Bank soll 2008 über ein komplexes Konstrukt – intern „Santorini-Deal“ genannt – geholfen haben, Verluste zu verschleiern. Der Deal wurde zunächst als Kredit, später als Derivat verbucht, was die Bafin auf den Plan rief.
Eine zentrale Rolle in der Aufarbeitung spielte der heutige Vorstandschef Christian Sewing. Er leitete damals die interne Revision und verantwortete die Analyse der Geschäfte.
Millionenklage trifft auf Transformationsphase
Für die Deutsche Bank kommt das Verfahren zur Unzeit. Das Institut präsentiert sich nach Jahren des Umbaus stabiler und profitabler, zuletzt sogar mit Rekordgewinnen im dritten Quartal. Eine medienwirksame Klage mit potenziellen finanziellen Folgen stört dieses Bild.
Für Anleger stellt sich vor allem eine Frage: Handelt es sich um ein juristisches Nachbeben – oder um ein Risiko mit echtem finanziellen Einschlag?
Fazit
Der Streit hat das Potenzial, die Deutsche Bank über Jahre zu beschäftigen. Der Prozessbeginn im April 2026 markiert den Start einer Auseinandersetzung, in der es nicht nur um Geld geht, sondern auch um Glaubwürdigkeit, Compliance und die Vergangenheit des größten deutschen Geldhauses.
Bis dahin bleibt vor allem eines: Unsicherheit – und ein juristischer Schatten über einem Institut, das eigentlich längst nach vorne blicken wollte.


