MFE rückt Übernahme von ProSiebenSat.1 näher – Diskussionen um Medienvielfalt und europäische Ausrichtung
Die Übernahmepläne des italienischen Berlusconi-Konzerns Media for Europe (MFE) für das deutsche Medienunternehmen ProSiebenSat.1 kommen voran. Der Aufsichtsrat und Vorstand des deutschen Medienriesen unterstützen das nachgebesserte Angebot von MFE, welches sie als 'angemessen' einstufen. Noch im Mai hatte man sich skeptisch gezeigt und das ursprüngliche Angebot als nicht angemessen verworfen.
Im jüngsten Statement begrüßt ProSiebenSat.1 nun MFE's langfristiges Investment, bei dem Wachstumspotenziale und langfristige Wertschöpfung im Fokus stehen sollen. Die italienische Medienholding will offenbar auf Standortschließungen und Arbeitsplatzabbau verzichten, um Synergien zu realisieren. Nach einem schwierigen Jahr, das durch einen schwachen Werbemarkt geprägt war, hat ProSiebenSat.1 bereits viele Stellen abgebaut.
Mit der Anhebung ihres Angebots hat MFE ihre Position im Bieterwettstreit gestärkt. Der tschechische Finanzinvestor PPF, ein Konkurrent im Rennen um ProSiebenSat.1, hat bereits klargestellt, dass er sein Angebot nicht weiter erhöhen wird. MFE, im Besitz der Berlusconi-Familie, verfolgt das Ziel, eine paneuropäische Sendergruppe aufzubauen.
Die Diskussion um den Einfluss des Berlusconi-Erbes ist in Italien weiterhin brisant. Silvio Berlusconi, 2023 verstorben, hatte über Jahre hinweg seinen Medienkonzern für politische Zwecke genutzt. Während seine Kinder bislang der Politik fernblieben, hält sich Sohn Pier Silvio Berlusconi, aktueller Vorstandschef von MFE, politische Ambitionen offen.
Der Medienstaatsminister Wolfram Weimer beobachtet die Entwicklungen kritisch. Er fordert von MFE die Wahrung der journalistischen Unabhängigkeit bei ProSiebenSat.1 und sieht die Möglichkeit einer europäischen Medienplattform mit Hauptsitz in München. Gespräche mit Pier Silvio Berlusconi sind für September geplant.
Der Deutsche Journalisten-Verband äußert Bedenken über den möglichen Einfluss der neuen Eigentümer auf die Medienvielfalt in Deutschland. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster warnt vor einer Anpassung des deutschen Medienhauses an die populistische Linie Berlusconis.

