Merz gibt deutsche Waffenpolitik frei – Uneinigkeit in der Koalition
Die jüngst durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verkündete Aufhebung der Beschränkungen für den Einsatz deutscher Waffen gegen russisches Territorium sorgt in der deutschen Politiklandschaft für reichlich Stirnrunzeln und gespaltene Reaktionen. Ralf Stegner, ein führender Außenpolitiker der SPD, kritisierte diese Entscheidung scharf als "nicht hilfreich" und betonte die Notwendigkeit verstärkter diplomatischer Initiativen, die einem weiteren Ausweiten des Konflikts in der Ukraine entgegenwirken sollen.
Auf der anderen Seite begrüßte Agnieszka Brugger, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, das entschlossene Vorgehen des Kanzlers. Sie argumentierte, dass angesichts von Wladimir Putins fortlaufender Härte und der Ablehnung friedlicher Gespräche eine entschlossenere Haltung gefragt sei.
Merz stellte während des WDR-Europaforums in Berlin klar, dass für die von Deutschland an die Ukraine gelieferten Waffen keine Reichweitenbeschränkungen mehr bestünden. Er distanzierte sich somit ausdrücklich von der Politik seines Vorgängers Olaf Scholz (SPD), der Einschränkungen bezüglich des Einsatzes solcher Waffen beibehalten hatte, obwohl es zeitweilig Ausnahmen gab. Abgesehen von kleinen Modifikationen bleibt die allgemeine Haltung der verbündeten Länder wie Großbritannien und Frankreich unberührt, die eine weiterreichende Unterstützung der Ukraine anbieten.
Unterdessen reagierte die SPD eher zurückhaltend auf diese Ankündigung. Vizekanzler Lars Klingbeil machte klar, dass es "keine neue Verabredung" jenseits der bisherigen Regierungslinie gebe. Seine Worte spiegeln eine deutliche Diskrepanz innerhalb der Regierungskoalition wider.
Russlands Reaktion ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte Bedenken über die "ziemlich gefährlichen Entscheidungen". Doch Johann Wadephul (CDU), seines Zeichens deutscher Außenminister, verteidigte die Entscheidungen vehement und betonte, dass Russlands Ablehnung von Verhandlungsangeboten nicht ohne Konsequenzen bleiben werde.
Praktisch hat die Ankündigung von Merz jedoch zunächst begrenzte Auswirkungen, da bisher keine deutschen Waffen bereitgestellt wurden, die weit hinter der Front agieren könnten. Raketenwerfer Mars II sowie Panzerhaubitzen 2000, mit maximalen Reichweiten von 85 bzw. 35 Kilometern, bestehen als aktuelle Optionen. Im Gegensatz dazu haben die USA, Frankreich und Großbritannien bereits erweiterte Angebote gemacht, während Deutschland bisher den Marschflugkörper Taurus mit seiner Reichweite von 500 Kilometern zurückgehalten hat.

