Merz fordert Mentalitätswandel – und klingt plötzlich wie Scholz
Miese Stimmung, Miniwachstum und ein Land im Selbstzweifel: Fünf Monate nach seinem Amtsantritt versucht Kanzler Friedrich Merz (CDU), die wirtschaftliche Lethargie mit einem Appell zur Zuversicht zu durchbrechen. Vor dem Wirtschaftsflügel der Union rief er in Köln dazu auf, „larmoyantes und wehleidiges“ Gejammer zu beenden und stattdessen eine „grundsätzlich positive Lebenseinstellung“ zu entwickeln – ganz nach amerikanischem Vorbild. Das Glas sei nicht halb leer, sondern „halb voll“, so Merz.
Der Kanzler, der einst einen klaren Politikwechsel versprochen hatte, reagiert damit auf die anhaltende Stagnation der deutschen Wirtschaft und wachsende Ungeduld in der Wirtschaftselite. Mit Blick auf die steigenden Umfragewerte der AfD warnte Merz vor überzogener Kritik und stellte klar: „Glaubt irgendjemand, dass das mit der AfD besser wird?“
In der kommenden Woche will Merz auf einer Kabinettsklausur konkrete Reformpläne für mehr Wachstum vorlegen. Kurz darauf steht ein EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit Europas an. Doch bisher bleibt der erhoffte Aufbruch aus – Deutschland dürfte laut führender Wirtschaftsinstitute 2025 lediglich um 0,2 Prozent wachsen.

