Marktberuhigung nach Anleiheflaute: Staatsanleihen im Aufschwung
Die vergangene Woche am Anleihemarkt gleicht einem dramatischen Kapitel aus der Finanzwelt: Die Renditen für langlaufende Staatsanleihen erreichten nahezu historische Höchststände, bevor eine spürbare Entspannung einsetzte, wenn auch mit einem noch immer bestehenden Nervenflattern unter den Anlegern. Besonders im Fokus standen die dreißigjährigen Bundesanleihen, deren Renditen neue Höhen erklommen. Ähnliches zeichnete sich auch auf den Märkten in Großbritannien, den USA, Japan, Australien sowie weiteren europäischen Ländern ab. Der Auslöser für diese Bewegung ist die wachsende Besorgnis um die immensen Staatsschulden.
Die Dramatik der Woche ließ schnell nach, nicht zuletzt durch die erfolgreiche Neuemission japanischer Staatsanleihen, die bei Investoren auf positive Resonanz stieß. Spanische und italienische Anleihen erfuhren vergleichbare Nachfrage. Zum Wochenschluss pendelte sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen bei 2,71 Prozent ein, während die für dreißigjährige bei 3,36 Prozent lag. Dennoch signalisiert der neue Rekord beim Goldpreis die anhaltende Unsicherheit auf den Märkten.
Ein bemerkenswertes Phänomen spielt sich in Frankreich ab, wo die Anleihenrenditen massiv gestiegen sind. Die aktuell höheren Renditen im Vergleich zu Griechenland lassen aufhorchen, insbesondere bei der bevorstehenden Vertrauensabstimmung über die Sparpläne der Regierung unter Premierminister Bayrou, deren Scheitern erwartet wird. Eine Konsolidierung der französischen Staatsfinanzen scheint ohne politische Mehrheiten jedoch in weiter Ferne. Die Spannung auf den Auktionen französischer Staatsanleihen am Donnerstag entlud sich ohne größere Zwischenfälle, was die Märkte beruhigte.
Im Hinblick auf die geldpolitischen Weichenstellungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die kommenden Sitzungen der Europäischen Zentralbank und die Entwicklungen bei den US-Leitzinsen. Während die EZB eine Zinssenkung nicht in Erwägung zieht, wird für die amerikanische Zentralbank eine solche Maßnahme im Septembermarkikumfeld offenbar als fast sicher erachtet. Im Zuge dessen wurden in den USA langlaufende Treasuries, die Schwächetendenzen gezeigt hatten, von Käufern als Einstiegschance genutzt. Auch Anleihen der European Bank for Reconstruction and Development in türkischer Lira sind derzeit gefragt.
Die Marktschwankungen am Staatsanleihenmarkt haben Privatanleger der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank nicht abgeschreckt. Diese nutzten die günstigeren Kurse zum Einstieg, insbesondere bei langlaufenden Papieren von E.ON, Lufthansa und der Deutschen Post. Auch im High Yield-Sektor hielten sich die Bewegungen in Grenzen, obwohl vereinzelt kleinere Verluste zu beobachten waren.
Der Neuzugang am Markt, eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank, erfreut sich mit einem Kupon von 3,25 Prozent großer Beliebtheit. Eine zusätzliche Angebotsgattung bildet eine Anleihe der Deutsche Rohstoff AG, die kleinere Rückgänge verzeichnete, jedoch noch immer über dem Nennwert gehandelt wird.

