Maritimer Handel sieht fragiles Wachstum vor geopolitischen Herausforderungen
Der maritime Handel steht vor einer Phase des fragilen Wachstums, das durch geopolitische Anpassungen und strukturelle Belastungen geprägt ist. Laut einem aktuellen Bericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) sind die Aussichten für den containerbasierten Seetransport in den kommenden Jahren nur verhalten optimistisch.
Obwohl 80 % des Welthandels auf dem Seeweg erfolgen, sieht sich die Branche angesichts steigender Kosten und zunehmender Unsicherheiten unter Druck. Prognosen zufolge wird das Handelsvolumen auf See im Jahr 2025 nur um 0,5 % zunehmen, und der containerisierte Handel lediglich um 1,4 %. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 rechnet UNCTAD mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum des Handelsvolumens von 2 % und des Containerverkehrs von 2,3 %.
Ein wesentlicher Treiber dieses Wachstums sind Seemeilen, die 2025 um 5,9 % zunehmen sollen, insbesondere durch Umleitungen von Schiffen um das Kap der Guten Hoffnung. Der fortdauernde Konflikt im Roten Meer mit Angriffen der Huthi-Rebellen erfordert diese Maßnahme. Langfristig wird jedoch ein marginales Wachstum von 0,3 % erwartet.
Die UNCTAD hebt hervor, dass strukturelle Faktoren wie geopolitische Neuausrichtungen und politische Veränderungen in der Industrie eine bedeutende Rolle spielen. Der Energiewandel und der Übergang zu saubereren Energiequellen hinterlassen ebenfalls Spuren im maritimen Handel mit Öl, Kohle und verflüssigtem Erdgas. Während Kohlelieferungen kurzfristig aufgrund der Nachfrage in Asien anstiegen, blieben die Ölvolumina stabil. Besonders dynamisch erweist sich der Markt für verflüssigtes Erdgas, das zum treibenden Segment des Energiesektors avanciert ist.
Gleichzeitig verschärfen Handelszölle und neue US-Hafenentgelte für China-gebundene Schiffe die politische Spannung und beeinflussen die Routen des internationalen Handels. Gleichzeitig steigen die Kosten, da Umleitungen, ausgelassene Hafenanläufe und längere Transportwege die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen.
In einer Zeit der Transformation zur digitalen Welt und neuartigen Handelsrouten fordert UNCTAD zielgerichtete Maßnahmen zur Eindämmung von Transportkosten, zur Verbesserung der Hafenleistungen und zur Förderung der Vorhersehbarkeit von Handelspolitiken. Es sei essentiell, dass diese Entwicklungen auch kleinen Ländern zugutekommen und nicht zur Verstärkung von Verwundbarkeiten führen, so UNCTAD-Generalsekretärin Rebeca Grynspan.

