„Mario auf PlayStation wäre die Apokalypse“: Ex-Sony-Chef fürchtet den Untergang der Gaming-Kultur
Stell dir eine Welt vor, in der Super Mario über den Bildschirm einer Sony-Konsole hüpft oder der Master Chief Seite an Seite mit Kratos marschiert. Was für manche wie eine utopische Verbrüderung der Gaming-Giganten klingt, ist für Shawn Layden, den ehemaligen Boss der PlayStation-Studios, ein Szenario direkt aus dem Horror-Kabinett. In einer Ära, in der Schlagworte wie „Ökumenisierung der Spielwelten“ die Runde machen, bricht Layden eine Lanze für die alten Mauern. Seine These ist so scharf wie ein Katana: Wenn alles überall spielbar ist, verliert das Medium seine Seele. Für ihn wäre Mario auf der PlayStation nicht weniger als die „Apokalypse“ – ein Zustand, in dem Hunde und Katzen friedlich zusammenleben und das Chaos regiert.
Die Magie der Identität
Es geht Layden nicht bloß um elitäres Gehabe oder künstliche Verknappung. Er argumentiert, dass Exklusivtitel wie Uncharted oder God of War mehr sind als nur Software; sie sind das pulsierende Herz, das einer Konsole ihre Identität verleiht. Nathan Drake und Mario sind keine austauschbaren Avatare, sondern kulturelle Ankerpunkte, die das Image ihrer Plattformen definieren und sie „zum Singen bringen“. In einer Zeit, in der Microsoft mit Gears of War Reloaded auf der PS5 fremdelt und Sony mit LEGO Horizon vorsichtig Nintendo-Luft schnuppert, wirkt Laydens Haltung fast wie ein nostalgisches Bollwerk gegen die drohende Uniformität des Marktes. Er fürchtet, dass ohne diese Leuchttürme die Hardware zu gesichtslosen Abspielstationen verkommt.
Der Fluch des kleinsten gemeinsamen Nenners
Doch abseits der Romantik führt Layden ein knallhartes technisches Argument ins Feld. Wer für alle entwickelt, entwickelt oft für niemanden richtig. Multiplattform-Entwicklung bedeutet oft, sich am schwächsten Glied der Hardware-Kette zu orientieren – man „codiert für den kleinsten gemeinsamen Nenner“. Exklusivität hingegen erlaubt es den Studios, „jeden Regler auf Elf zu drehen“.
Ein Paradebeispiel hierfür ist das kommende Ghost of Yotei. Das Entwicklerteam von Sucker Punch muss keine Kompromisse für leistungsschwächere Konsolen eingehen und kann die haptischen Feinheiten des DualSense-Controllers bis zum Exzess ausreizen. Diese Symbiose aus Software und Hardware, die ein unvergleichliches Spielgefühl erzeugt, wäre in einem „One-Size-Fits-All“-Universum schlichtweg unmöglich.
Der Clash der Philosophien
Laydens Ansichten stehen in krassem Kontrast zur Philosophie von Sarah Bond, der Präsidentin von Xbox, die das Konzept der Exklusivität unlängst als „antiquiert“ bezeichnete. Während Xbox, getrieben vom Erfolg ubiquitärer Phänomene wie Fortnite oder Minecraft, die Mauern einreißen will, warnt Layden vor dem Verlust der Qualität zugunsten der Quantität. Es ist ein Kampf zweier Weltanschauungen: Hier die kuratierte, maßgeschneiderte Erfahrung, dort die totale Verfügbarkeit. Ironischerweise sind es gerade die großen Plattformhalter selbst, die diese Prinzipien derzeit aufweichen, was die Debatte umso hitziger macht.


