Lufthansa-Aktien im Sinkflug: Turbulenzen durch Streikdrohung
Die Aktie der Lufthansa erlebte am Dienstag einen unerwartet starken Kursrückgang und fiel im MDax mit einem Verlust von 5,6 Prozent auf 7,32 Euro auf den letzten Platz. Diese Entwicklung machte die Kursgewinne der Vorwoche zunichte und drückte den Preis auf ein Niveau, das zuletzt im August verzeichnet wurde. Die Aktien durchbrachen dabei auch mehrere charttechnische Unterstützungen, was auf Herausforderungen im kurz- bis mittelfristigen Trendverlauf hindeutet.
Bereits zu Beginn der Woche konnten die Investoren durch Lufthansas ambitionierte Zielvorstellungen kaum positiv gestimmt werden. Trotz eines Anstiegs von 18,6 Prozent im aktuellen Jahr entwickelte sich die Aktie nur marginal besser als der MDax. Die Unsicherheiten wurden zusätzlich geschürt, als eine deutliche Mehrheit der Vereinigung Cockpit in einer Urabstimmung für Streikmaßnahmen stimmte. Ein konkreter Termin für die Arbeitsniederlegung wurde jedoch nicht festgelegt. Die Tarifkommission der Gewerkschaft wird über das weitere Vorgehen entscheiden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass frühere Pilotenstreiks bei Lufthansa oft zu nahezu vollständigen Flugausfällen führten, zuletzt im Jahr 2022.
Der Kern des aktuellen Tarifkonfliktes ist die Diskussion um Betriebsrenten. Der Lufthansa-Vorstand stellte Investoren am Montag seine Strategie vor, leistungsbezogene Aufwendungen zu senken, indem kleinere Flugzeuge und damit verbundene Stellen in Flugbetriebe mit geringerem Lohnniveau verlagert werden. Diese Pläne stoßen auf Widerstand sowohl seitens der Vereinigung Cockpit als auch der Flugbegleiter-Vertretung Ufo, die ihre Tarifgespräche ebenfalls als gescheitert erklärt hat.
Analysten bleiben skeptisch: Harry Gowers von JPMorgan prognostiziert geringere Barmittelzuflüsse in einer ein- bis zweijährigen Übergangszeit, während Jaime Rowbotham von Deutsche Bank Research ähnliche Befürchtungen äußert. Ruairi Cullinane von RBC beschrieb die Situation als "show me story", bei der Lufthansa ihren Plänen zunächst Taten folgen lassen müsse, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Diese Pläne könnten jedoch durch neue Herausforderungen beeinträchtigt werden.

