Lebensmittelpakete und Trinkwasser treffen auf Philippinen ein

15. November 2013, 17:33 Uhr · Quelle: dpa

Tacloban (dpa) - Wasser, Decken, Medikamente: Eine Woche nach dem Taifun mit tausenden Toten auf den Philippinen läuft die Arbeit der internationalen Helfer auf vollen Touren. Zehntausende Überlebende der Katastrophe bekamen am Freitag erstmals Lebensmittelpakete.

Die Luftbrücke mit US-Hubschraubern hat die Not der erschöpften Menschen etwas gelindert. Die Helikopter fliegen pausenlos Hilfsgüter in entlegene Regionen des Katastrophengebietes. Auch die ärztliche Versorgung der Verletzten läuft an: Unter anderem hat ein deutsches Feldlazarett auf der verwüsteten Insel Leyte die Arbeit genommen.

Die Zahl der Toten gaben die Katastrophenbehörden am Freitag mit 3631 an, 1179 Menschen galten als vermisst. Immer mehr Hilfsorganisationen erreichen jetzt auch die anderen Teile des Katastrophengebiets. «Ärzte ohne Grenzen» sei mit 91 Mitarbeitern auch auf den Inseln Cebu, Samar, Panay und Bantayan im Einsatz, teilte die Organisation in Berlin mit.

Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) verstärkte seine Nothilfemaßnahmen. Bislang gelang es den Mitarbeitern gemeinsam mit Helfern der lokalen Behörden, ungefähr 7000 Menschen mit Hilfsgütern versorgen, die mit Containerfahrzeugen ins Katastrophengebiet transportiert wurden, darunter waren Kanister, Plastikplanen, Decken und Schlafmatten. «Die Bedingungen vor Ort bleiben extrem schwierig», erläuterte ein UNHCR-Sprecher. «Wegen massivem Treibstoffmangel können Lastwagen mit Hilfsgütern nicht oder nur sehr eingeschränkt Notstandsregionen außerhalb von Tacloban erreichen.»

Die philippinischen Partner spielten eine herausragende Rolle, erklärte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller: «Sie waren sofort vor Ort, kennen die geographischen Gegebenheiten und haben den kurzen Draht zu den Behörden.» Das Caritas-Netzwerk habe bislang Hilfe für 68 000 Familien auf den Weg gebracht.

«Aktion Deutschland Hilft» hat wie viele Organisationen in Cebu einen Stützpunkt für die Verteilung der Ressourcen aufgebaut. Von dort hat Mitarbeiter Moritz Wohlrab aus Nürnberg bei der Verteilung von Hilfsgütern geholfen. Er kritisiert die Organisation der Philippiner: «Es fehlt leider der Gesamtüberblick», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Es ist offensichtlich, dass die Regierung mit dieser Katastrophe doch ein gutes Stück weit überfordert ist.»

Innenminister Mar Roxas räumte ein, dass vieles zu langsam passiere. «Jeden Tag läuft es besser als am Vortag. Es kann nie schnell genug gehen in einer Situation wie dieser, wo so viele Menschen betroffen sind und so viel Infrastruktur beschädigt ist», sagte er in Tacloban. Die Regierung rechnet damit, dass das Desaster das Wachstum der Wirtschaft von erwarteten sieben auf 6,5 Prozent drosselt.

Dort, wo die Hubschrauber am Freitag riesige Care-Pakete absetzten, liefern innerhalb von Minuten riesige Menschentrauben zusammen. Im völlig zerstörten Tacloban mit einer Bevölkerung von mehr als 200 000 Einwohnern standen die Menschen stundenlang Schlange, um ein paar Flaschen Trinkwasser zu ergattern. «Den Taifun haben wir überlebt, aber am Hunger sterben wir vielleicht», meinte die fünffache Mutter Lolita Kimanliman, die bei dem Taifun im Sportstadion Astrodome Zuflucht gesucht hatte. Ihr Mann ertrank.

Noch immer werden weitere Leichen aus den Trümmern geborgen. Es sei ein Irrglaube, dass von den ungeborgenen Leichen eine unmittelbare Gesundheitsgefahr ausgehe, sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Nyka Alexander, in Manila.

Die Mikroorganismen, die für die Verwesung der Leichen verantwortlich seien, könnten bei Lebenden keine Krankheit auslösen, heißt es in einem Leitfaden der WHO. Die meisten ansteckenden Organismen könnten in einem leblosen Körper keine 48 Stunden überleben, sagt das Rote Kreuz. Bestimmte Infektionen, wie HIV oder Hepatitis, stellten nur für Menschen, die mit den Leichen hantieren, ein Risiko dar. Das Rote Kreuz rät auch davon ab, Opfer ohne Identifizierung in Massengräbern zu beerdigen. Dies könne zu großem Leid bei den Hinterbliebenen führen.

Im Notstandsgebiet hat das Feldlazarett der Duisburger Hilfsorganisation I.S.A.R Germany geöffnet. Innerhalb weniger Stunden kamen Dutzende Verletzte, die mit komplizierten Brüchen und tiefen Schnittwunden seit einer Woche keine Versorgung hatten, wie Pressesprecher Mark Rösen aus Palo bei Tacloban berichtete. Manche Wunden seien so entzündet, dass die Menschen wahrscheinlich nur noch mit Amputationen gerettet werden könnten. «Viele spüren den Schmerz gar nicht mehr, weil die Nerven schon zerstört sind», sagte Rosen. In manchen Wunden hätten sich Maden breitgemacht.

Nach dem amerikanische Flugzeugträger «USS George Washington» soll demnächst auch ein britischer Flugzeugträger zum Einsatz kommen, wie Premierminister David Cameron ankündigte. Die «HMS Illustrious» soll am 24. November vor den Philippinen eintreffen.

«Haiyan» war am vergangenen Freitag über die Zentralphilippinen hereingebrochen und hatte mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern riesige Landstriche verwüstet. Es war der gewaltigste Taifun, der je an Land kam. Er löste eine gewaltige Sturmflut aus, die den Küstenstreifen auf einer Breite von mehreren hundert Metern wie bei einem Tsunami unter Wasser setzte. Das Wasser riss Hütten, Container, Autos und Hausdächer mit und spülte riesige Frachtschiffe Hunderte Meter ins Land. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos.

Wetter / Unwetter / Philippinen
15.11.2013 · 17:33 Uhr
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