Last of Us Online Entwickler gründen neues Studio für Cinematic-Multiplayer Spiel
Es ist eine Geschichte, wie sie nur die unberechenbare Videospielbranche schreiben kann. Ein Phantomschmerz, der seit der offiziellen Einstellung von The Last of Us Online in der Community nachhallt. Doch wo ein Traum zerbricht, keimt oft eine neue, kühne Vision auf. Die kreative Glut, die einst das ambitionierteste Multiplayer-Projekt von Naughty Dog befeuern sollte, ist nicht erloschen. Stattdessen haben zwei zentrale Köpfe hinter dem Projekt, Game Director Vinit Agarwal und Creative Director Joe Pettinati, die Asche abgeschüttelt, ihre eigene Flagge gehisst und ein neues Studio gegründet. Ihr Ziel: ein Neuanfang, fernab von gewohnten Pfaden, im fernen Japan, um genau das zu erschaffen, was ihnen verwehrt blieb.
Vom Süchtigen zum Visionär
Der Werdegang von Vinit Agarwal liest sich wie eine Blaupause für Leidenschaft, die zur Profession wird. In einem Interview mit GameSpark offenbarte er seine tiefe Verbundenheit mit dem Universum, das er nun in gewisser Weise weiterführt. „Ich bin seit etwa 15 Jahren in der Spielebranche und habe 10 davon bei Naughty Dog gearbeitet“, so Agarwal. Sein Weg zu einem der renommiertesten Studios der Welt war gepflastert mit einer fast schon obsessiven Liebe zum Detail: „Ich stieß auf den Multiplayer-Modus [Factions], der im ersten [The Last of Us] enthalten war, und verfiel ihm rettungslos.“ Dieser Funke führte ihn direkt ins Herz der Entwicklung, wo er sich vom Junior Game Designer bis zum Game Director hocharbeitete. Anfang 2025 folgte dann der mutige Schritt in die Unabhängigkeit – ein Schritt, der nun die Hoffnung tausender Fans auf seinen Schultern trägt.
Das Versprechen des „Triple-Indie“
Doch was genau schmieden die beiden Veteranen in ihrem neuen Studio, das sich auf zwei Kontinente erstreckt, mit einem Büro in Japan und einer Basis in den USA? Agarwal hüllt sich noch in geheimnisvolles Schweigen, doch die wenigen Fragmente, die er preisgibt, zeichnen ein faszinierendes Bild. Ihr neues Projekt, das sich bereits seit mehreren Monaten in Entwicklung befindet und schon spielbar ist, wird als Multiplayer-Titel mit filmreifer Action beschrieben. Die wahre Magie liegt jedoch in der Philosophie dahinter. Anstatt einen aufgeblähten AAA-Giganten zu erschaffen, verfolgen sie den Ansatz des „Triple-Indie“. Ein Begriff, der die agile Wucht und den kreativen Freigeist der Indie-Szene mit dem Qualitätsanspruch eines Hochkaräter-Titels verbinden soll. Es geht um „Indie-ähnliche Geschwindigkeit“, ohne den Ballast gigantischer Budgets, aber mit der ganzen Erfahrung, die man bei Naughty Dog gesammelt hat.
Die Handschrift der Meister
Dass dieses Versprechen keine leere Hülle ist, beweist ein Blick auf die bisherigen Arbeiten der beiden Gründer. Agarwals Fingerabdrücke finden sich auf einigen der ikonischsten Momente der jüngeren Spielegeschichte. Er war maßgeblich an der Entwicklung von Uncharted 4: A Thief’s End, Uncharted: Lost Legacy und The Last of Us Part 2 beteiligt. Sein Spezialgebiet? Die ganz großen Konfrontationen. Sowohl die finalen Bosskämpfe in beiden Uncharted-Titeln als auch der unvergesslich brutale und emotionale Showdown zwischen Ellie und Abby tragen seine Handschrift.
Es ist genau diese DNA – die Fähigkeit, spielerische Mechanik und kinoreife Inszenierung zu einer untrennbaren, adrenalingeladenen Einheit zu verschmelzen –, die nun in ihr neues Multiplayer-Projekt einfließen soll. Das Studio ist mit aktuell zehn Mitarbeitern bewusst klein gehalten, um diese Flexibilität und Geschwindigkeit zu wahren, soll aber in Zukunft auf maximal 30 Köpfe anwachsen. Es ist der Beginn von etwas Neuem, etwas Intimem, das aber das Potenzial hat, gewaltige Wellen zu schlagen.


