Investmentweek

Larry Finks 50/30/20-Formel und ihre Folgen für Privatanleger

24. Dezember 2025, 12:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Larry Finks 50/30/20-Formel und ihre Folgen für Privatanleger
Foto: InvestmentWeek
BlackRock-Chef Larry Fink fordert 20 Prozent Private Markets im Portfolio. Warum die klassische Diversifikation nicht mehr reicht.
Larry Fink von BlackRock empfiehlt ein neues Portfolio mit Private Markets, um Investoren vor den Risiken traditioneller Anlagen zu schützen.

Die Idee wirkt heute selbstverständlich, war aber vor 15 Jahren erklärungsbedürftig. 2009 sitzt Aileen Haller in Frankfurt und wirbt bei deutschen Mittelständlern um etwas, das es im hiesigen Finanzsystem praktisch nicht gibt: Unternehmenskredite außerhalb von Banken. Direct Lending, finanziert von Fonds, ohne Filialnetz, ohne Sparkassenlogo. Skepsis ist die Regel, Vertrauen die Ausnahme.

Heute stammen rund 60 Prozent der Finanzierungen von Private-Equity-geführten Mittelständlern in Deutschland von genau solchen Direktkreditgebern. Banken sind noch da – aber nicht mehr allein. Hallers Karriere bei Ares Management steht exemplarisch für eine Entwicklung, die inzwischen weit über institutionelle Investoren hinausreicht.

Private Markets sind dabei, vom Spezialthema zur neuen Normalität zu werden.

Larry Fink erklärt das alte Portfolio für tot

Den lautesten Impuls setzt Larry Fink. Der Chef von BlackRock verabschiedet sich öffentlich vom klassischen 60/40-Portfolio. Seine neue Formel: 50 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen, 20 Prozent Private Markets.

Die Begründung ist nüchtern. Aktien und Anleihen diversifizieren nicht mehr zuverlässig. Spätestens 2022 wurde deutlich, dass beide Anlageklassen gleichzeitig verlieren können. Wirtschaftswachstum auf der einen Seite, Zinsniveau auf der anderen – mehr Faktoren steuern ein klassisches Depot oft nicht mehr.

Private Assets sollen genau hier ansetzen. Sie folgen nicht Börsentakten, sondern Projekten, Unternehmen, Verträgen. Risiken sind individueller, Erträge weniger synchron mit den Kapitalmärkten.

Die Wirtschaft findet längst jenseits der Börse statt

Benjamin Fischer, Deutschlandchef für Banken und Vermögensverwalter bei BlackRock, verweist auf eine einfache Kennzahl: Nur rund 12 Prozent der Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz sind börsennotiert. Der Rest – 88 Prozent – operiert im Privatmarkt.

Wer ausschließlich in öffentliche Märkte investiert, blendet einen Großteil der realen Wirtschaft aus. Genau diese Lücke will BlackRock schließen. Und untermauert den Anspruch mit Geld: In weniger als zwei Jahren investierte der Konzern fast 30 Milliarden Dollar in Zukäufe wie Global Infrastructure Partners, den Datenanbieter Preqin und HPS Investment Partners im Bereich Private Credit.

Zum Vergleich: Der ETF-Pionier iShares kostete 2009 rund 13,5 Milliarden Dollar.

Regulierung und Nullzinsen als Brandbeschleuniger

Der Aufstieg der Private Markets ist kein Zufall. Er ist das Resultat zweier politischer Entscheidungen. Erstens: strengere Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Basel-III-Regeln machten langfristige, kapitalintensive Kredite für Banken unattraktiv. Zweitens: eine jahrelange Nullzinsphase, die Investoren zwang, Rendite jenseits klassischer Anleihen zu suchen.

In diese Lücke stießen Private-Equity-Häuser, Infrastrukturinvestoren und Kreditfonds. Sie boten Kapital, wo Banken sich zurückzogen – flexibler, schneller, oft zu höheren Zinsen. Für Investoren kam ein zusätzlicher Anreiz hinzu: die Illiquiditätsprämie. Wer Kapital langfristig bindet, erhält einen Mehrertrag.

Warum Private Credit als stabil gilt

Innerhalb der Private Markets nimmt Private Credit eine Sonderrolle ein. Variable Verzinsung, oft an Leitzinsen gekoppelt, bietet Schutz vor Inflation. Historische Daten zeigen Renditen von rund neun Prozent über 20 Jahre bei Ausfallraten um ein Prozent. Der fehlende tägliche Kurszettel wirkt dabei fast disziplinierend. Keine tägliche Volatilität, kein reflexartiges Verkaufen.

Auch Infrastruktur gilt als defensiver Baustein. Stromnetze, Pipelines, Verkehrswege liefern stabile, häufig inflationsgeschützte Cashflows. Dass Deutschland für Versicherer und Pensionskassen inzwischen eine eigene Infrastrukturquote eingeführt hat, ist ein politisches Signal: Privates Kapital wird gebraucht.

Illiquidität verliert ihren Schrecken

Der klassische Einwand bleibt: fehlende Liquidität. Zehn Jahre Kapitalbindung, kaum Exit-Möglichkeiten. Doch auch dieses Argument verliert an Schärfe. Der Sekundärmarkt für Private Assets wächst rasant. Anteile lassen sich heute handeln, Abschläge sind kalkulierbarer, Transparenz nimmt zu.

Private Markets bleiben langfristig – aber nicht mehr starr.

Chance, Hype oder Pflicht?

Die Antwort lautet: alles drei – je nach Perspektive. Für institutionelle Investoren sind Private Markets längst Pflicht. Für Privatanleger werden sie zur Chance, wenn Zugang, Kosten und Struktur stimmen. Als Hype taugen sie nur dann, wenn Risiken ausgeblendet werden: Komplexität, lange Bindung, geringere Transparenz.

Finks 50/30/20 ist keine Einladung zum blinden Nachahmen. Es ist eine Diagnose: Die alte Ordnung funktioniert nicht mehr allein. Wer Vermögen langfristig strukturieren will, kommt an privaten Märkten kaum vorbei.

Nicht aus Modegründen. Sondern weil ein Großteil der Wertschöpfung längst dort stattfindet.

Finanzen / Education / Private Markets / BlackRock / Larry Fink / Investitionsstrategie / Diversifikation
[InvestmentWeek] · 24.12.2025 · 12:00 Uhr
[0 Kommentare]
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums hat Sanktionen gegen Personen und Organisationen verhängt, die mit einem mexikanischen Kartell in Verbindung stehen, das illegale Drogen handelt und die Erlöse über Kryptowährungsnetzwerke wäscht. Laut einer Pressemitteilung des Finanzministeriums leiten diese Personen und […] (00)
vor 4 Stunden
Russische Kampfdrohne
Kiew (dpa) - Russland greift die ukrainische Hauptstadt Kiew massiv mit Drohnen und ballistischen Raketen an. Das ging aus Warnungen der ukrainischen Luftwaffe auf der Plattform Telegram hervor. Das Militär warnte auch ausdrücklich vor einem möglichen russischen Angriff mit der besonders gefürchteten neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik.  Das […] (00)
vor 1 Stunde
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (00)
vor 16 Stunden
2CV-Comeback: Legendäre Ente kehrt als Stromer für unter 15.000 Euro zurück
Sie soll, wie früher, ein echtes »Volksauto sein, »gemacht für den Alltag« – und nun die Elektromobilität demokratisieren: Citroën-Chef Xavier Chardo hegt mit dem Comeback der Ente große Pläne. Der legendäre, kurvige Kleinwagen habe, so Chardo, 1948 »Millionen Menschen die Freiheit der Mobilität geschenkt«. Zeit also, den Gedanken auf moderne Art neu zu […] (01)
vor 11 Stunden
Crazy Taxi kehrt zurück? SEGA macht Fans mit Mini-Teaser nervös
SEGA hat die Crazy Taxi -Fans mit nur fünf Sekunden komplett elektrisiert. Auf den offiziellen Social-Media-Kanälen der Reihe erschien ein kurzes Video, das ein blinkendes Taxi-Schild zeigt. Mehr nicht. Kein Datum, kein Gameplay, kein Logo-Reveal. Und trotzdem reicht dieser Clip, um die Spekulationen um die Rückkehr des Arcade-Klassikers neu […] (00)
vor 6 Stunden
Lifetime setzt neuen True-Crime-Thriller mit Tia Mowry an
Mit «Single Black Tenant» kehrt Tia Mowry Ende Juni für eine weitere Produktion zum US-Sender Lifetime zurück. Der amerikanische Fernsehsender Lifetime baut seine Reihe „Ripped from the Headlines“ weiter aus und setzt dabei erneut auf Tia Mowry. Die Schauspielerin übernimmt in dem neuen Thriller Single Black Tenant nicht nur die Hauptrolle, sondern fungiert auch als ausführende Produzentin. […] (00)
vor 15 Stunden
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Bayern Münchens Sportvorstand Max Eberl hat irritiert, aber auch mit deutlichen Worten auf die Äußerungen von Ehrenpräsident Uli Hoeneß an seinem Wirken beim deutschen Fußball-Meister und DFB-Pokalsieger reagiert. «Ich bin bereit, weiterzumachen - wenn man das möchte», sagte der 52 Jahre alte Eberl, dessen Vertrag Mitte 2027 ausläuft. […] (00)
vor 4 Stunden
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 19 Stunden
 
Ein widerstandsfähiger Exportsektor Die deutsche Wirtschaft zeigte zu Beginn des […] (00)
Eine neue Ära für den indonesischen Handel Seit Jahrzehnten werden Indonesiens […] (00)
Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten Die steigenden Benzinpreise zwingen […] (00)
Torsten Albig
Osnabrück/Kiel (dpa) - Wie umgehen mit der erstarkten AfD? Der frühere […] (24)
Alexander Zverev
Paris (dpa) - Bei seinem nächsten Anlauf auf den ersehnten ersten Grand-Slam- […] (02)
Credit: The Ivors with Amazon Music 2026, Dave Benett Agency
(BANG) - Harry Styles gestand, dass er seine "Jungfräulichkeit verloren" habe, […] (02)
Smart Glasses – Die smarte Brille von Samsung und Google
Samsung und Google haben heute eine neue intelligente Brille gezeigt. Auf der Google […] (00)
Forza Horizon 6 rast richtig los: 6 Millionen Spieler feiern Xbox-Erfolg
Forza Horizon 6 ist für Xbox bereits jetzt ein großer Erfolg. Playground Games und […] (00)
 
 
Suchbegriff