Künstliche Intelligenz und der Einzelhandel: Ein ambivalentes Verhältnis
Künstliche Intelligenz (KI) wird oft als verheißungsvolle Zukunftstechnologie für den Einzelhandel angepriesen. Tatsächlich könnte agentenbasierte KI in den USA Kostenersparnisse von rund sechs Milliarden US-Dollar ermöglichen und die Gewinne bis 2026 um bis zu 20 Prozent steigern, wie Morgan Stanley-Analyst Alex Straton berichtet. Laut Stratons Analyse gehören insbesondere die Einzelhandelskonzerne Gap, Macy's und Victoria's Secret zu den aussichtsreichsten Kandidaten, die vom Einsatz von KI profitieren könnten. Die Nachfrage an der Wall Street nach KI-getriebenen Margensteigerungen bleibt groß, da die Branche seit Langem unter niedrigen Gewinnen und hohen Lagerbeständen leidet. Mit der Einführung solcher Technologien, die von der Automatisierung der Lieferkette bis hin zur Kundenbetreuung reichen, könnten Unternehmen ihre Betriebskosten erheblich senken.
Allerdings bleiben auch Skeptiker wie der Morningstar-Analyst David Swartz. Er bezweifelt, dass die von den Unternehmen genannten KI-Vorteile in der Praxis so einfach in Zahlen gefasst werden können. Swartz weist darauf hin, dass der Einzelhandel nach präziseren Kundenzielen, effizienteren Werbeaktionen und besseren Bestellstrategien strebt, um operative Abläufe zu optimieren. Doch trotz der potenziellen Einsparungen warnt Swartz davor, KI als Wundermittel für alle Probleme des Einzelhandels zu sehen. Der Wettbewerb bleibt extrem hoch und der Zugang zu ähnlichen Technologien ist weit verbreitet, was es schwer macht, sich einen entscheidenden Vorteil zu verschaffen.

