Krypto-Gigant wagt 700-Millionen-Coup während Branche am Boden liegt
Blockchain Capital setzt ein Zeichen gegen den Trend. Die Venture-Capital-Firma, die zu den schwergewichtigen Investoren im Krypto-Sektor zählt, befindet sich im Prozess, 700 Millionen Dollar für zwei neue Fonds einzusammeln. Eine Person mit Kenntnis der Angelegenheit bestätigte, dass die Firma parallel für ihren siebten Early-Stage-Fonds und ihren zweiten Wachstumsfonds Kapital akquiriert.
Das Bemerkenswerte: Blockchain Capital hat bereits begonnen, Teile des neuen Kapitals zu investieren, obwohl die Fundraising-Runde noch läuft. Der Abschluss wird in fünf bis sechs Monaten erwartet. Diese Geschwindigkeit deutet auf erhebliches Investoreninteresse hin – oder auf eine aggressive Strategie, Marktanteile zu sichern, während Konkurrenten zögern.
Die Firma selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Fundraising-Plänen. Das Schweigen ist kalkuliert: In der Venture-Welt spricht man erst, wenn die Schecks unterschrieben sind.
Ein Kriegsschatz von sechs Milliarden Dollar als Fundament
Blockchain Capital bringt substanzielle Credentials mit an den Tisch. Die Firma hatte zuvor bereits rund eine Milliarde Dollar für Krypto-Investments eingesammelt und in Schwergewichte wie Coinbase Global und die Krypto-Börse Kraken investiert. Das Portfolio liest sich wie ein Who's Who der Branche.
Besonders brisant: Blockchain Capital hält auch Anteile an Tether Holdings, dem Emittenten des gleichnamigen Stablecoins. Tether hatte erst kürzlich eine Fundraising-Runde pausiert, die das Unternehmen zu einem der wertvollsten Privatunternehmen weltweit gemacht hätte. Die Pause erfolgte, weil Tether zunächst eine Prüfung seiner Bücher anstrebt – ein längst überfälliger Schritt, der die Branche aufhorchen ließ.
Aktuell verwaltet Blockchain Capital zwei Milliarden Dollar in gebührenpflichtigen Assets. Das Gesamtportfolio wird auf mehr als sechs Milliarden Dollar taxiert. Diese Bewertung spiegelt allerdings die volatilen Krypto-Märkte wider und dürfte erheblichen Schwankungen unterliegen.
Die Differenz zwischen verwalteten Assets und Portfoliowert ist signifikant. Sie zeigt, wie stark frühe Investments in Firmen wie Coinbase aufgewertet wurden. Gleichzeitig birgt diese Diskrepanz Risiken: Wenn private Bewertungen in öffentlichen Märkten nicht bestätigt werden, können Buchgewinne schnell verpuffen.
Der Fundraise findet im perfekten Sturm statt
Das Timing könnte kontroverser kaum sein. Die Krypto-Industrie durchlebt gerade alles andere als rosige Zeiten. Bitcoin, der Leitindikator der Branche, notiert etwa 40 Prozent unter seinem Allzeithoch vom Oktober. Das klingt nach normalem Korrekturmodus, verschleiert aber die Nervosität im Markt.
Die aggregierten verwalteten Vermögen bei Krypto-Fonds, die von Crypto Fund Research erfasst werden, sind von 101,5 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2025 auf 93,4 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2026 geschrumpft. Ein Rückgang von acht Milliarden Dollar in zwölf Monaten – das ist mehr als nur Marktvolatilität. Das ist Kapitalflucht.
Institutionelle Investoren ziehen sich zurück. Retail-Anleger sind verbrannt von Crashs und gescheiterten Projekten. Die Regulierung verschärft sich global. Europa führt strengere Regeln für Krypto-Assets ein, die USA diskutieren über härtere Compliance-Anforderungen. Der einstige Wilden Westen wird zivilisiert – und viele Cowboys mögen das nicht.
In diesem Umfeld 700 Millionen Dollar einzusammeln, erfordert entweder außergewöhnliches Vertrauen der Investoren in Blockchain Capital – oder die Überzeugung, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, antizyklisch zu investieren. Warren Buffetts Mantra „Be greedy when others are fearful" scheint hier Programm.
Die Strategie hinter dem Timing
Blockchain Capital könnte mehrere Kalkulationen anstellen. Erstens: Bewertungen sind gefallen. Startups, die vor einem Jahr überzogene Summen verlangten, sind jetzt verhandlungsbereit. Wer jetzt investiert, bekommt mehr Anteile für weniger Geld.
Zweitens: Die Konkurrenz zögert. Andere Venture-Fonds halten sich zurück, warten auf Marktstabilisierung. Das schafft Raum für aggressive Player, sich Pole Positions zu sichern. In zwölf Monaten könnten diese Investments als brillante Contrarian-Plays dastehen – oder als kostspielige Fehler.
Drittens: Die technologische Entwicklung schreitet voran, unabhängig von Token-Preisen. Blockchain-Infrastruktur, Decentralized Finance, tokenisierte Real-World-Assets – diese Themen entwickeln sich weiter. Wer früh dabei ist, profitiert vom nächsten Zyklus überproportional.
Die simultane Auflegung eines Early-Stage- und eines Wachstumsfonds ist strategisch klug. Der Early-Stage-Fonds fischt in trüben Gewässern nach den nächsten Coinbase-Erfolgen. Der Wachstumsfonds positioniert sich bei bereits etablierten Firmen, die Skalierung brauchen. Diversifikation entlang der Reifegrade.
Der Elefant im Raum heißt Regulierung
Was Blockchain Capital nicht öffentlich diskutieren wird, aber intern sicher kalkuliert: Die regulatorische Zukunft von Krypto ist ungeklärt. Die SEC in den USA hat ihre Haltung mehrfach geändert. Europa experimentiert mit MiCA, den Markets in Crypto-Assets. China hat Krypto faktisch verboten, zieht aber digitale Zentralbankwährungen hoch.
Für Venture-Investoren bedeutet das: Jedes Investment kann durch Regulierung entwertet werden. Ein Startup, das heute legal operiert, könnte morgen vor geschlossenen Türen stehen. Das Risiko-Rendite-Profil in diesem Sektor ist extrem asymmetrisch – nach oben und nach unten.
Dennoch: Wer glaubt, dass Blockchain-Technologie und digitale Assets langfristig Bestand haben, muss jetzt investieren. Die Infrastruktur wird in diesen Jahren gebaut. Wer später einsteigt, zahlt Premium-Bewertungen für Firmen, deren Risiko bereits abgebaut ist.
Blockchain Capitals Fundraise ist somit mehr als nur Kapitaleinsammlung. Es ist ein Statement: Wir glauben an diesen Sektor, auch wenn andere zweifeln. Die 700 Millionen Dollar sind eine Wette darauf, dass der aktuelle Krypto-Winter endet – und dass die Firmen, die ihn überleben, die dominanten Player der nächsten Dekade werden.


