Krankheitsausfälle belasten deutsche Wirtschaft erheblich
Die deutsche Wirtschaft sieht sich zunehmend mit den finanziellen Belastungen konfrontiert, die durch krankheitsbedingte Ausfälle von Beschäftigten entstehen. Laut einer aktuellen Studie des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA) liegt der Krankenstand in Deutschland seit vier Jahren auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Dies hat signifikante wirtschaftliche Auswirkungen, wie der Chefvolkswirt des VFA, Claus Michelsen, betont. Deutsche Arbeitnehmer sind häufiger krank als ihre internationalen Kollegen.
Im Jahr 2022 verzeichnete der Krankenstand einen bemerkenswerten Wert von 5,7 Prozent und lag damit deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019. Bereits eine konservative Schätzung zeigt, dass die Wertschöpfungsverluste durch diesen hohen Krankenstand auf etwa ein Drittel Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung beziffert werden können. Im schlimmsten Fall könnte sich dieser Wert sogar auf fast ein Prozent pro Jahr belaufen. Über eine Dauer von vier Jahren summieren sich die Ausfallkosten auf bis zu 160 Milliarden Euro, ohne dabei die Belastungen für die Krankenversicherungen zu berücksichtigen. Angesichts eines sinkenden Erwerbstätigenpotenzials sei es langfristig unverzichtbar, auf umgerechnet 300.000 Arbeitskräfte nicht zu verzichten.
Um der konjunkturellen Erholung unter die Arme zu greifen, plädiert der VFA für eine verstärkte Vorsorge und Präventionsmaßnahmen, insbesondere durch umfassende Grippe-Impfungen. Michelsen betont, dass in Zeiten schwachen Wirtschaftswachstums krankheitsbedingte Produktionsausfälle besonders ins Gewicht fallen. Dabei sei ein signifikanter Anstieg der Krankenstände zwischen 2021 und 2022 vornehmlich Atemwegserkrankungen wie Grippe, RSV und Covid-Infektionen zuzuschreiben. Trotz einer leichten Senkung bleibt der Krankenstand auf hohem Niveau.
Interessanterweise hätte die umstrittene Erlaubnis zur telefonischen Krankschreibung wohl keinen merklichen Einfluss auf die hohen Krankenstände, da diese Möglichkeit bereits vor dem Anstieg im Jahr 2022 etabliert wurde. Dennoch hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Debatte über die Arbeitsmoral befeuert. Mit durchschnittlich 14,5 Krankheitstagen pro Jahr je Beschäftigten wirft er einen kritischen Blick auf die aktuelle Regelung, während Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eine Überprüfung ankündigt. Die SPD hält hingegen an der Option zur telefonischen Krankschreibung fest.

