Bund und Länder: Bürger sollen über Ostern Zuhause bleiben

01. April 2020, 18:54 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die Menschen in Deutschland dürfen wegen der Corona-Krise Freunde und Angehörige auch über Ostern nicht besuchen. Bund und Länder verlängerten die bestehenden scharfen Kontaktbeschränkungen bei einer Schaltkonferenz mindestens bis zum Ende der Osterferien.

Am 14. April - Dienstag nach Ostern - wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten die Lage neu bewerten. Merkel betonte, nach jetzigem Stand könne nicht gesagt werden, wie lange die Beschränkungen aufrecht erhalten werden müssten.

In einem Bund-Länder-Beschluss heißt es, die Bürger «bleiben angehalten, auch während der Osterfeiertage Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes gemäß den geltenden Regeln auf ein absolutes Minimum zu reduzieren». Merkel sagte nach den Beratungen, die Menschen sollten generell auf private Reisen und Besuche - auch von Verwandten - verzichten. «Eine Pandemie kennt keine Feiertage», betonte die Kanzlerin.

Bund und Länder hatten vor eineinhalb Wochen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ein umfassendes Kontaktverbot beschlossen. Danach sind unter anderem Ansammlungen von mehr als zwei Personen grundsätzlich zu unterlassen. Ausgenommen wurden Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen.

Im Beschluss heißt es: «Die Dynamik der Verbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) in Deutschland ist noch immer zu hoch. Wir müssen daher weiterhin alles dafür tun, die Geschwindigkeit des Infektionsgeschehens zu vermindern und unser Gesundheitssystem leistungsfähig zu halten.» Eine entscheidende Rolle komme dabei weiterhin der Reduzierung von Kontakten zu.

Mit Blick auf die mögliche Dauer der Beschränkungen sagte Merkel, die Behandlung schwerer Covid-19-Fälle auf der Intensivstation liege im Durchschnitt bei deutlich über zwei Wochen und dauere damit länger als erwartet. Deshalb müsse es dazu kommen, dass sich die Zahl der Erkrankten erst alle «12, 13, 14 Tage» verdopple. «Wir wollen eine Überforderung vermeiden», sagte die Kanzlerin mit Blick auf das Gesundheitssystem.

«Ich glaube, die Menschen im Lande - darauf hoffe ich, und darauf stütze ich auch meine Erwartungen - verstehen das und wollen nicht, dass wir da in eine schwierige Lage kommen», sagte Merkel. Dies gelte «gerade für die Gruppen, die wir besonders beschützen müssen - nämlich die Älteren, die Behinderten, die Vorerkrankten». Die Kanzlerin ergänzte: «Und dieses Verständnis, dafür danke ich. Das zeichnet unsere Gesellschaft aus. Der Artikel 1 unseres Grundgesetzes heißt «Die Würde des Menschen ist unantastbar», und das wird gelebt im Augenblick, und dafür bin ich sehr dankbar, und so müssen wir uns auch weiter verhalten.»

Bund und Länder unterstrichen die Notwendigkeit von Schutzvorkehrungen für Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen. «Hier leben Menschen, die besonders anfällig für Infektionen sind, die müssen wir besonders schützen», sagte Merkel. Alle Länder wollten Maßnahmen treffen, durch die sichergestellt werde, dass durch neue Personen im Pflegeheim nicht die Gefahr steige, dass jemand sich mit dem Virus infiziere. In mehreren Heimen ist er bereits zu zahlreichen Todesfällen gekommen. Hamburgs Regierungschef Peter Tschentscher (SPD) sagte, in den Ländern müsse von Fall zu Fall entschieden werden, wie sichergestellt werden könne, dass es durch Neuaufnahmen nicht zu Infektionsgefahren komme. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: «Neuaufnahmen sollen in den entsprechenden Einrichtungen reduziert oder ausgeschlossen werden.»

Merkel begrüßte nach früherer Uneinigkeit unter den Ländern über die Maßnahmen, dass sich alle Ministerpräsidenten nun einig seien, «dass wir hier keinen Flickenteppich wachsen lassen». Sie ergänzte, man wolle nach einem Abklingen der Epidemie auch «als Bundesrepublik Deutschland gemeinsam herausgehen» aus den Beschränkungen.

Auch Tschentscher betonte, das Virus kenne keine Ländergrenzen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Epidemie in ganz Deutschland verlangsamt werde. Man dürfe einen Erfolg im Kampf gegen die Pandemie nicht durch eine zu frühe Lockerung der Beschränkungen gefährden. «Geduld und Vorsicht sind das Gebot der Stunde.»

Söder betonte, die Einschränkungen könnten auch im Falle einer Verbesserung nach dem 19. April nicht komplett wegfallen. Es sei nicht zu erwarten, dass ab dem 20. April, einem politisch festgelegten Termin, «alles wird wie vorher», sagte der CSU-Chef in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Merkel und Tschentscher. Es brauche jetzt keine Verschärfung, aber auch keine Exit-Strategien zu den Ausgangsbeschränkungen in ganz Deutschland.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte im Landtag in Düsseldorf an, ein «Expertenrat Corona» solle in Nordrhein-Westfalen bei der Bewältigung der Corona-Krise helfen. Jetzt müssten Maßstäbe erarbeitet werden, wie und wann es nach der Krise weitergehe, sagte Laschet. Dazu brauche es nicht nur Virologen, sondern auch Soziologen, Ethiker, Juristen und andere Experten.

Bund und Länder waren sich laut Söder zudem einig, dass es eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken derzeit nicht geben soll. Wichtig sei es, Schutzmasken mit höchster Qualität zu entwickeln und den Bedarf von Krankenhäusern, Ärzten und bei Pflegern sicherzustellen. Das Gesundheits- und das Arbeitsministerium teilten nach einer Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung mit, dass angesichts des riesigen Bedarfs Schutzmasken für das medizinische Personal unter bestimmten Voraussetzungen ausnahmsweise wiederverwendet werden können. Dazu seien besondere Sicherheitsauflagen einzuhalten.

Merkel sprach sich für den Einsatz sogenannter Tracking-Apps aus, wenn diese in Tests erfolgversprechende Ergebnisse liefern. «Klar ist jetzt schon, dass wir das auf freiwilliger Basis machen würden.» Wenn sich damit Kontaktfälle nachverfolgbar machen ließen, wäre sie «dann natürlich auch bereit für mich selber das anzuwenden und damit vielleicht anderen Menschen zu helfen», sagte Merkel.

Gesundheit / Krankheiten / Bundesregierung / Corona / Covid-19 / Deutschland
01.04.2020 · 18:54 Uhr
[40 Kommentare] · [zum Forum]
Selenskyj in London
London (dpa) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fürchtet um die Konsequenzen des Iran-Kriegs für die Situation seines Landes. «Ich habe ein sehr ungutes Gefühl, was die Auswirkungen dieses Krieges auf die Lage in der Ukraine angeht und was den Fokus der USA betrifft – der liegt leider mehr auf dem Nahen Osten als auf der Ukraine», sagte […] (00)
vor 8 Minuten
Laura Maria Rypa und Pietro Lombardi
(BANG) - Laura Maria Rypa scheint um einen geliebten Menschen zu trauern. Der Influencerin folgen rund 943.000 Nutzer auf Instagram. Erst kürzlich zeigte Laura Einblicke in ihren Urlaub auf Mauritius. Dass sie diesen mit ihrem Ex-Verlobten Pietro Lombardi und ihrem ältesten Sohn verbrachte, sorgte für viel Aufsehen. Nun meldete sich die 30-Jährige mit […] (05)
Gestern um 10:00
Pornografie im Internet
Berlin (dpa) - Bei der Demonstration «Gegen sexualisierte digitale Gewalt - Solidarität mit allen Opfern» am Nachmittag in Berlin sollen auch prominente Frauen sprechen. Aktuell angekündigt wurden - als «Betroffene», wie es hieß - die Klimaschutzaktivistinnen Luisa Neubauer und Theresia Crone. Auftreten sollen am Nachmittag am Brandenburger Tor auch […] (00)
vor 2 Stunden
Nintendo sagt nichts über die Zukunft von Animal Crossing, und die Community will ein neues Spiel
Animal Crossing: New Horizons hat Anfang 2026 ein großes Update bekommen. Version 3.0 brachte das Resort Hotel, die Rückkehr von Resetti, Slumber Island und lizenzierte Kooperationen. Gleichzeitig erschien eine Nintendo-Switch-2 -Edition des Spiels. Damit ist New Horizons nach sechs Jahren das erste Nintendo-Switch-Spiel, das offiziell auf die […] (00)
vor 13 Minuten
Arte zeigt Thriller-Serie «Reykjavík Fusion» als Eventprogramm
Die isländische Produktion läuft Ende April in einem Rutsch – alle sechs Folgen in einer Nacht. arte setzt am Donnerstag, den 23. April 2026, auf ein besonderes Serien-Event: Die neue Thriller-Serie Reykjavík Fusion wird ab 21: 45 Uhr in direkter Folge ausgestrahlt. Insgesamt sechs Episoden laufen bis tief in die Nacht, parallel steht die Serie bereits seit Mitte April im Streaming-Angebot zur […] (00)
vor 1 Stunde
Ski alpin: Weltcup in Kvitfjell
Kvitfjell (dpa) - Emma Aicher packte ihre Siebensachen zusammen, nach Feiern war ihr nicht zumute. Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden hat die beste deutsche Skirennfahrerin einen Podestrang im Weltcup und damit eine mögliche große Aufholjagd im Kampf um die Gesamtwertung verpasst. Beim Super-G von Kvitfjell wurde sie Vierte, tags zuvor hatte es in […] (00)
vor 54 Minuten
kostenloses stock foto zu 4k wallpaper, anlagekonzept, bitcoin
Der Bitcoin-Kurs bewegt sich weiterhin um die Marke von $70.000 und zeigt eine unruhige Struktur oberhalb dieser psychologischen Grenze. Aktuelle On-Chain-Daten deuten darauf hin, dass ein signifikanter Kaufsignal für Bitcoin ausgelöst wurde, was auf den möglichen Beginn eines Bullenmarktes hinweist. Hat der Bitcoin-Kurs seinen Zyklustiefpunkt […] (02)
vor 1 Stunde
Vollgas für Team Austria: emmi-PET unterstützt die WAO 2026!
Mörfelden-Walldorf, 22.03.2026 (lifePR) - Wir sind stolz, Team Austria auch dieses Jahr  bei den World Agility Open (WAO)  als Sponsor begleiten zu dürfen! 15 Hundeführer: innen mit insgesamt 24 sportlichen Hunden – von flinken Shelties über elegante Pudel bis hin zu energiegeladenen Border Collies und Australian Shepherds – zeigen, was Teamgeist, […] (00)
vor 5 Stunden
 
Fluggasttreppen am Flughafen München
München - Die Lufthansa plant offenbar eine massive Investition am Münchner […] (00)
Kindesmissbrauch im Netz
Berlin (dpa) - Der Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch wird nach […] (00)
Carsten Träger
Berlin (dpa) - Der Bundestag und die SPD trauern um den Fürther SPD-Abgeordneten und […] (03)
Carsten Träger (Archiv)
Berlin - Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Träger (SPD) ist tot. Der […] (02)
Deutsche Telekom zementiert US-Strategie und forciert Kapitalrendite
Die unangefochtene Dominanz des US-Geschäfts bildet das strategische Fundament des […] (00)
BTS sind offiziell mit 'ARIRANG' zurück.
(BANG) - BTS sind offiziell mit 'ARIRANG' zurück – ihrem lang erwarteten fünften […] (00)
Primetime-Check: Freitag, 20. März 2026
Krimi oder Comedy im Öffentlich-Rechtlichen? The Voice Kids, Let's Dance oder Goodbye […] (00)
Faltbares iPhone soll offenbar im Dezember geliefert werden
Laut einer aktuellen Forschungsnotiz des Apple-Analysten Tim Long für […] (00)
 
 
Suchbegriff