Konflikte um neue Führungsspitze und Strategie bei der Deutschen Bahn
Die Besetzung des Chefpostens der Deutschen Bahn entfaltet sich als kontroverses Drama zwischen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Schnieder stellte kürzlich Evelyn Palla als neue Bahnchefin und Dirk Rompf als zukünftigen Chef der DB InfraGo vor. Doch die Personalien stoßen auf Widerstand seitens der Gewerkschaft, die diese Nominierungen in den Aufsichtsräten verhindern will.
Die Kritik der EVG zielt speziell auf Dirk Rompf, den ehemaligen Chef von DB Netz. Er wird von vielen im Konzern für die aktuelle Infrastrukturmisere verantwortlich gemacht. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Martin Burkert, äußerte seine Bedenken deutlich: "Die Vergangenheit darf nicht zur Zukunft werden." Rompfs frühere Amtszeit unter der Leitung von Ronald Pofalla sei von Sparmaßnahmen geprägt gewesen, deren negative Folgen heute noch spürbar sind.
Ungeachtet der Auseinandersetzungen präsentiert der Minister eine neue Bahn-Strategie, die angesichts der internen Spannungen kaum Beachtung findet. Schnieders Plan umfasst drei Sofortprogramme zur Steigerung der Kundenzufriedenheit, während Palla eine neue Ära einläuten möchte, die sich auf den Kernbereich des Zugverkehrs konzentrieren soll. Die Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag wird nun mit Spannung erwartet, da Pallas Berufung von dessen Zustimmung abhängig ist. Bei einer Ablehnung wäre erstmals der Vermittlungsausschuss der Deutschen Bahn gefragt.
Dirk Flege, von der Allianz pro Schiene, bemängelte die fehlende Einbindung der Arbeitnehmer in die Entscheidungsprozesse - ein Kommunikationsdefizit, das offenbar für die derzeitige Pattsituation verantwortlich ist.
In einer Zeit, in der die Deutsche Bahn mit infrastrukturellen und pünktlichen Herausforderungen kämpft, wirft Schnieder neue Ziele in den Raum: Bis 2029 sollen mindestens 70 Prozent der Fernzüge pünktlich sein, ein Ziel, das er weniger ambitioniert, aber realistischer als die bisherigen Vorgaben sieht. Dies flankiert er mit Maßnahmen für mehr Sicherheit und Sauberkeit sowie Verbesserungen bei der Fahrgastkommunikation.
Die DB InfraGo soll künftig autarker vom Gesamtkonzern agieren können, um effizienter auf die überlastete Schieneninfrastruktur zu reagieren. Ob der bisherige Beherrschungsvertrag weitergeführt wird, soll bis 2026 entschieden werden. Diese Selbstständigkeit soll gewährleisten, dass Gewinne dem Gemeinwohl dienen und die Infrastruktur verlässlich bleibt.
Schließlich soll das Konzept der Generalsanierungen den Modernisierungsbedarf der Infrastruktur adressieren. Bis 2036 sind großflächige Sanierungen für über 40 der bedeutendsten Strecken geplant. Diese Maßnahmen sollen die Zahl der Baustellen reduzieren und den Zugverkehr stabilisieren.

