Kommentar: KI in der Logopädie: Werkzeug ja, Therapie nein / Zum Europäischen Tag der Logopädie (6. März)
Bielefeld, 02.03.2026 (PresseBox) - An diesem Donnerstag ist Europäischer Tag der Logopädie. Das Motto lautet in diesem Jahr frei übersetzt: „KI in der Logopädie – Chancen nutzen, Grenzen kennen“. In Deutschland leben rund 16 Millionen Menschen mit Sprach-, Sprech-, Stimm- oder Schluckstörungen. Logopädinnen und Logopäden begleiten und versorgen sie täglich in Praxen, Kliniken und Schulen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an Fachkräften. Künstliche Intelligenz (KI) wird auch in diesem Kontext immer häufiger als mögliche Entlastung thematisiert.
Kommentar
„Tatsächlich können KI-gestützte Systeme bereits heute sinnvoll eingesetzt werden: bei der automatisierten Auswertung von Sprachproben, bei der Dokumentation, bei der Bereitstellung von Übungsmaterial. Das kann Fachkräfte spürbar entlasten und schafft Raum für das, was in der Therapie wirklich zählt.
Die Grenzen sind klar: Viele KI-Systeme wurden mit Sprachdaten trainiert, die die sprachliche Lebensrealität vieler Patientinnen und Patienten kaum abbilden. Dazu kommen offene Fragen rund um Datenschutz und Haftung. Und nicht zuletzt: Sprachtherapie lebt von Beziehung, Vertrauen und Klientenzentrierung – also davon, die Therapie an die Person und ihre Lebenswelt anzupassen. Dieser menschliche Faktor lässt sich nicht in einen Algorithmus übersetzen.
KI ist ein Werkzeug mit starkem Potenzial. Entscheidungen über Diagnose und Therapie bleiben jedoch weiterhin Aufgabe qualifizierter Fachpersonen.“
Prof. Dr. phil. Marianna Hricová
Studiengangsleiterin B.Sc. Logopädie an der FHM


