Kanadas Premierminister mahnt zum Wandel: Mark Carney beeindruckt auf dem Weltwirtschaftsforum
Mit eloquenter Finesse hat der kanadische Regierungschef Mark Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für nachhaltigen Eindruck gesorgt. Unter den aufmerksamen Zuhörern befand sich der finnische Präsident Alexander Stubb, der Carneys Rede als die herausragendste des Forums lobte. Carney verstand es meisterhaft, kanadische Werte zu betonen und dabei zugleich die komplexen globalen Transformationen zu analysieren.
In seinem Vortrag schilderte Carney die gegenwärtigen Herausforderungen des US-dominierten globalen Regimes. Nach seinen Worten erlebe dieses System derzeit eine tiefe Zerrüttung, geprägt von der Konkurrenz der Großmächte und einer erodierenden regelbasierten Ordnung. Dabei schien sein Augenmerk besonders auf dem bevorstehenden Auftritt von US-Präsident Donald Trump zu liegen, ohne diesen namentlich zu erwähnen, was von Beobachtern jedoch als subtiler Verweis verstanden wurde. Trumps wiederholte Andeutungen, Kanada an die Vereinigten Staaten anzugliedern, bleiben unvergessen.
Carney erinnerte daran, wie sehr Kanada von der nun ins Wanken geratenen regelbasierten internationalen Ordnung profitiert hatte, die unter der sogenannten "amerikanischen Hegemonie" freie Seewege und Stabilität im Finanz- sowie im Sicherheitsbereich gewährte. Er hob hervor, dass sich diese Ordnung nun radikal verändert habe, da die Mächtigen wirtschaftliche Integration als Druckmittel einsetzten.
Der Premierminister rief dazu auf, sich nicht in die Illusion beschwichtigender Anpassungen zu flüchten. Für Kanada und Länder ähnlicher Größe stünde nicht die Frage im Raum, ob man sich der neuen Realität fügt, sondern wie dies geschehen sollte: durch den Bau neuer Schutzmauern oder durch ambitioniertere, visionäre Handlungen.

