Kanada und China rücken näher zusammen – Neues Handelsabkommen soll Zölle senken
Zollsenkungen und Marktzugang
Kanada und China haben sich auf den Abbau von Handelshemmnissen und auf konkrete Zollsenkungen verständigt. Das erklärte Kanadas Premierminister Mark Carney bei einem Besuch in Peking. Künftig dürfen bis zu 49.000 chinesische Elektrofahrzeuge in den kanadischen Markt eingeführt werden, die lediglich mit dem Meistbegünstigungszoll von 6,1 Prozent belegt werden.
Im Gegenzug will China die Einfuhrzölle auf kanadisches Raps-Saatgut senken. Bis zum 1. März soll der Gesamtsatz auf rund 15 Prozent reduziert werden. Für kanadische Landwirte, die in den vergangenen Jahren unter Handelsbeschränkungen litten, wäre das eine spürbare Entlastung.
Politisches Signal in Richtung USA
Carney stellte den Schritt auch in einen geopolitischen Kontext. Die Beziehungen zu China seien derzeit „berechenbarer“ als jene zu den USA, sagte er mit Blick auf die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und dessen wiederholte Drohungen gegenüber dem nördlichen Nachbarn. Zwar blieben die wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen mit den Vereinigten Staaten deutlich enger, doch setze Kanada verstärkt auf eine breitere internationale Vernetzung.
Chinas Staatspräsident Xi Jinping betonte seinerseits den Willen, die Beziehungen zu Kanada nachhaltig zu verbessern und den bilateralen Dialog zu vertiefen.
Neue strategische Partnerschaft
Beide Regierungschefs kündigten zudem eine neue strategische Partnerschaft an. Diese solle vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Energie, Finanzwirtschaft sowie Agrar- und Ernährungsindustrie rasch vorangebracht werden. Carney sprach von „historischen Chancen“ in einer Phase globaler Spannannungen und wirtschaftlicher Neuordnung.
Der Besuch ist politisch bedeutsam: Carney ist der erste kanadische Premierminister seit 2017, der China offiziell besucht. Ziel ist es, das Verhältnis zu Kanadas zweitgrößtem Handelspartner nach den USA zu stabilisieren und auszubauen.
Finanzielle Kooperation wird vertieft
Parallel zum Handelsabkommen verlängerten die Zentralbanken beider Länder ein bilaterales Währungsswap-Abkommen um weitere fünf Jahre. Das Volumen beläuft sich auf 200 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 24,7 Milliarden Euro. Die Vereinbarung soll den Handel in lokalen Währungen erleichtern, die Finanzkooperation stärken und Investitionen absichern.
Einordnung
Das Abkommen fügt sich in eine breitere Bewegung ein: Viele Staaten suchen angesichts der protektionistischen Tendenzen in den USA neue wirtschaftliche Allianzen. Kanada intensiviert neben China auch die Beziehungen zu Europa, während die EU zuletzt Abkommen mit den Mercosur-Staaten geschlossen hat und mit Indien verhandelt. Der Schulterschluss zwischen Ottawa und Peking ist damit nicht nur ein Handelsdeal, sondern auch ein geopolitisches Signal in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft.


