Kabinett billigt überarbeiteten Abtreibungs-Paragrafen 219a

06. Februar 2019, 15:05 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Für die große Koalition war es eine echte Belastungsprobe: der umstrittene Paragraf 219a zum sogenannten Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche. Jetzt ist klar: Schwangere sollen sich künftig einfacher über Möglichkeiten zur Abtreibung informieren können.

Am Mittwoch brachte das Kabinett die mühsam erstrittene Gesetzesänderung offiziell auf den Weg - doch so richtig zufrieden scheint niemand. Vor allem Ärzte, Oppositionsparteien und viele Frauen laufen weiter Sturm. Sie kritisieren einen «faulen Kompromiss», der Schwangere stigmatisiere und schikaniere.

Justizministerin Katarina Barley (SPD) verteidigte die Einigung am Mittwoch: «Wir stellen sicher, dass betroffene Frauen in einer persönlichen Notsituation an die Informationen gelangen, die sie benötigen», betonte sie. Auch Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, entscheidend seien Informationen für die Frauen und Rechtsklarheit für die Ärzte. «Das ist ein spürbarer Fortschritt.»

DAS GESETZ

Es geht um Paragraf 219a des Strafgesetzbuches. Dieser regelt bisher, dass man - «seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise» - öffentlich keine Abtreibungen anbieten darf. Ärzte und Krankenhäuser konnten auf dieser Grundlage verurteilt werden, wenn sie auf ihrer Internetseite Schwangerschaftsabbrüche als Leistung nannten. Auch weitere Informationen etwa zu Methoden, Nachsorge oder Risiken durften sie nicht geben.

DIE ÄNDERUNG

Die SPD wollte den Paragrafen abschaffen, wie auch Grüne, Linke und die FDP - die Union wollte das nicht. Der über Monate mühsam ausgehandelte Kompromiss besagt: Das Werbeverbot bleibt, wird aber ergänzt. Ärzte und Kliniken dürfen demnach künftig darüber informieren, dass sie Abtreibungen anbieten. Für weitergehende Informationen müssen sie allerdings auf Behörden und Beratungsstellen verweisen. Dort sollen zentrale Listen mit Ärzten und Krankenhäusern geführt werden, an die sich die Schwangeren wenden können. Außerdem sollen die Krankenkassen die Pille zwei Jahre länger bezahlen - bis zum 22. Geburtstag.

DER KONFLIKT

Betroffenen Ärzten, vielen Frauen und Oppositionsparteien geht diese Änderung nicht weit genug. «Die Entmündigung von Frauen geht weiter», kritisierte die Linken-Abgeordnete Cornelia Möhring. Der stellvertretende FDP-Fraktionschef Stephan Thomae monierte: «Die, die Eingriffe selbst vornehmen und wissen was die Patienten bewegt, die Ärztinnen und Ärzte, sollen weiterhin nicht informieren dürfen.»

Die Grünen nannten es «absurd», dass Ärzten zwar das Wort Schwangerschaftsabbruch erlaubt werde, jede weitere Silbe aber strafbar bleiben solle. Damit trage Paragraf 219a zur Stigmatisierung von Abbrüchen bei. Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband wertete die Gesetzesänderung als «Misstrauensvotum gegenüber Frauen als auch gegenüber Ärztinnen und Ärzten». Die stellvertretene DGB-Vorsitzende Elke Hannack sprach von «Kriminalisierung und Tabuisierung sachlicher Informationen».

Kritisiert wird zudem ein Gutachten, das im Gesundheitsministerium entstehen soll. Minister Jens Spahn (CDU) will untersuchen lassen, welche psychischen Folgen Abtreibungen für die Frauen haben können - obwohl das sogenannte Post-Abortion-Syndrom dem wissenschaftlichen Konsens zufolge nicht existiert. «Das zeugt nicht von Vertrauen in Frauen und Ärztinnen und Ärzte, was sehr bedauerlich und bitter ist», erklärten die Grünen. Auch aus der SPD gibt es scharfe Kritik an der Studie.

Die Unionsfraktion dagegen betonte, der Entwurf der Bundesregierung sei «ein klassischer Kompromiss», der die zentralen Forderungen aufgreife: den Schutz des ungeborenen Kindes und einen einfacheren Zugang zu Informationen.

WIE ES WEITERGEHT

Als nächstes wird der Gesetzentwurf im Bundestag beraten. Grüne, FDP, Linke und auch der DGB forderten die SPD auf, im Parlament gegen den Kompromiss zu stimmen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse den Koalitionszwang für diese Abstimmung aufheben. Die SPD-Linke Hilde Mattheis kündigte bereits ihr Nein an: «Ich habe mich in dieser Frage immer klar positioniert: Politik sollte sich an der Mehrheit ausrichten. Und die Mehrheit sind nun mal Frauen», sagte sie der «Passauer Neuen Presse». Auch die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Maria Noichl, rechnet mit Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion - «da bin ich mir sicher». Grüne, FDP und Linke fordern nach wie vor die Streichung des gesamten Paragrafen 219a.

Bundesregierung / Gesellschaft / Abtreibung / Paragraf 219a / SPD / Union / Werbeverbot / Schwangere / Deutschland
06.02.2019 · 15:05 Uhr
[2 Kommentare]
Ford
Dearborn (dpa) - Der amerikanische Autoriese Ford verhandelt mit der US-Regierung über Militäraufträge. Es gebe Gespräche im Anfangsstadium zu einigen Projekten mit Verteidigungsbezug, sagte Konzernchef Jim Farley in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Ford werde aber keine Details dazu nennen. Vor zwei Wochen hatte das «Wall Street Journal» […] (00)
vor 1 Stunde
Sir Ringo Starr weigerte sich, 'eine der traurigsten Zeilen' auf seinem neuen Album zu singen.
(BANG) - Sir Ringo Starr weigerte sich, "eine der traurigsten Zeilen" zu singen, die T-Bone Burnett für 'Long Long Road' geschrieben hat. Die Beatles-Legende hat sich für das neue, hochkarätig besetzte Country-Album wieder mit dem ikonischen Produzenten zusammengetan und gab zu, dass einige Texte zu herzzerreißend waren, um sie zu singen. Rückblickend […] (00)
vor 10 Stunden
Meta
Menlo Park (dpa) - Facebook-Gründer Mark Zuckerberg richtet den Meta-Konzern voll auf Künstliche Intelligenz aus. Sogenannte KI-Agenten, die eigenständig Aufgaben erledigen können, sollen Ziele der Nutzer erkennen und dann «Tag und Nacht» arbeiten, um sie zu erreichen, wie der 41-Jährige erklärte. Auch solle KI direkt auf einzelne Personen […] (00)
vor 31 Minuten
Steam Deck 2 lebt noch! – Valve arbeitet weiter am Nachfolger
Valve hat den Steam Deck 2 nicht auf Eis gelegt. Im Gegenteil: Laut einer neuen Einordnung von PCGamer.com unter Berufung auf ein aktuelles Gespräch mit Pierre-Loup Griffais ist Valve weiter „hart am Arbeiten“ zum Nachfolger des Steam Decks. Eine konkrete Ankündigung oder einen Starttermin gibt es aber weiterhin nicht. Das ist vor allem deshalb […] (01)
vor 7 Stunden
Histoire TV beleuchtet Caligula und Pearl Harbor mit neuen Dokus
Der Sender setzt Ende Mai auf historische Großthemen. Ende Mai zeigt man einen Film über Kaiser Caligula. Am Montag, den 25. Mai ab 20: 50 Uhr, steht der römische Kaiser Caligula im Mittelpunkt einer zweiteiligen Doku von Georges Ozer und Vivien Floris. Unter dem Titel Caligula: Les trésors retrouvés versucht die Reihe, das Bild des oft als wahnsinnig geltenden Herrschers zu korrigieren. […] (00)
vor 4 Stunden
Atlético Madrid - FC Arsenal
Madrid (dpa) - Der FC Arsenal hat sich auch ohne den verletzten Kai Havertz eine gute Ausgangsposition für den Einzug ins Finale der Champions League verschafft. Im Stimmungstempel von Atlético Madrid retteten die weiter ungeschlagenen Londoner ein 1: 1 (1: 0) gegen die Mannschaft von Diego Simeone.  24 Stunden nach dem irren Tor-Spektakel von Paris […] (01)
vor 4 Stunden
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Shiba Inu zeigt derzeit eine enge Kursentwicklung, während die Aktivitäten im Derivatemarkt zunehmen und Wale aggressiver Positionen aufbauen. Der Kurs bleibt jedoch unter einem wichtigen makroökonomischen Widerstand. Die kurzfristigen Indikatoren des Meme-Coins haben sich verbessert, aber der Einfluss von Hebelprodukten nimmt zu. Der SHIB-Kurs liegt […] (00)
vor 1 Stunde
Backup. Firewall. MFA. Und dann? Wenn Recovery scheitert, zählt professionelle Datenrettung
Leipzig, 29.04.2026 (PresseBox) - Backup-Lösungen, Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierung, Endpoint Security und Zero-Trust-Konzepte gehören heute in vielen Unternehmen zur IT-Sicherheitsarchitektur. Sie reduzieren Risiken, schützen Zugänge und schaffen wichtige technische Barrieren. Doch sie beantworten nicht automatisch die entscheidende Frage im […] (00)
vor 10 Stunden
 
Gesteinsbrocken im All
Rom (dpa) - Im Weltall ist jetzt ein Asteroid nach dem früheren Papst Leo XIII. […] (00)
Deutscher Computerspielpreis 2026
München/Berlin (dpa) - Das Detektivspiel «The Darkest Files» ist das beste deutsche […] (00)
atemberaubende kirschblüten in voller blüte im frühling, die einen wunderschönen kontrast zum dunklen hintergrund bilden.
Überwiegend klarer Himmel am Donnerstag und in der Nacht Am Donnerstag herrscht […] (00)
Sahra Wagenknecht (Archiv)
Berlin - BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht kritisiert die Bundesregierung für den […] (04)
Anne Hathaway hat betont, dass keine Models aus 'Der Teufel trägt Prada 2' gefeuert wurden.
(BANG) - Anne Hathaway hat betont, dass keine Models aus 'Der Teufel trägt Prada 2' […] (01)
LinkedIn auf Handy
Düsseldorf/Berlin (dpa/tmn) - Auf der Business-Plattform LinkedIn miteinander […] (00)
Publisher 505 Games schlägt zu: WUCHANG Fallen Feathers wird zur hauseigenen Rollenspiel Marke
Das düstere Reich Shu hat einen neuen Herrscher gefunden, allerdings hinter den […] (00)
Chris Brown ist zum vierten Mal Vater geworden.
(BANG) - Chris Brown ist zum vierten Mal Vater geworden. Der 'Kiss Kiss'-Hitmacher, […] (00)
 
 
Suchbegriff