Zäher Verhandlungstag

Juristischer Streit bringt Block-Prozess ins Stocken

26. August 2025, 17:02 Uhr · Quelle: dpa
Christina Block lehnt weitere Fragen im Entführungsprozess ab. Der israelische Angeklagte schildert nun seine Rolle bei der Aktion. (28 Wörter)

Hamburg (dpa) - Vor dem Hamburger Landgericht ist ein direkter Schlagaustausch zwischen Christina Block und dem Anwalt ihres Ex-Manns ausgeblieben. Im Prozess um die Entführung ihrer Kinder aus der Obhut des Vaters in Dänemark lehnte Block am sechsten Verhandlungstag eine weitere Befragung durch Anwalt Philip von der Meden ab. 

Der Verteidiger der Hamburger Unternehmerin, Ingo Bott, erklärte, seine Mandantin werde keine Fragen des Anwalts von Stephan Hensel, dem Ex-Mann von Block, mehr beantworten. Sie mache von ihrem Schweigerecht Gebrauch. 

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt ordnete an, dass Hensels Anwalt Philip von der Meden seine Fragen trotzdem stellen dürfe. Die Angeklagte könne entscheiden, ob sie antworte oder nicht. Das wollte Bott nicht akzeptieren und beantragte einen Gerichtsbeschluss.

Vorwurf der Manipulation gegen Blocks Ex-Mann

Am vorherigen Verhandlungstag hatte Hensels Anwalt Meden erstmals das Wort bekommen. Er stellte Fragen zu dem Sorgerechtsstreit um die beiden jüngeren Kinder der geschiedenen Eltern. Blocks Anwalt warf dem Vater vor, er habe die Antworten verwendet, um die zweitälteste Tochter, die als einziges Kind bei der Mutter lebt, zu manipulieren. Die Fragen von Anwalt Meden dienten nur dazu, das von Hensel seit Jahren betriebene Diffamieren der Mutter fortzusetzen. Diesen Vorwurf bestritt die Nebenklage.

Nebenklage fordert Ende von «Kindergartenspiel»

Die Kammer bestätigte die Anordnung der Vorsitzenden und erlaubte Meden, weitere Fragen an die Angeklagte richten. Doch schon dessen nächste Frage beanstandete Bott erneut. Angesichts der wiederholten Interventionen der Verteidigung sagte Meden, es müsse eine Lösung gefunden werden, «wie wir aus diesem Kindergartenspiel rauskommen».

Die Kammer beendete das zweieinhalbstündige Hin und Her und entschied, dass der Anwalt des Vaters seine Fragen zunächst gebündelt vortragen könne. Danach soll Bott Gelegenheit haben, die Fragen gesammelt zu beanstanden. Meden trug mehr als 100 Fragen vor.

Sie bezogen sich fast alle auf die Darstellung von Block, sie habe die Entführung nicht in Auftrag gegeben und von der Rückholaktion auch nicht gewusst. Auf Antrag von Bott bestätigte das Gericht anschließend in einem dritten Beschluss, dass die Fragen des Nebenklagevertreters - aber auch weitere rund 20 von zwei Verteidigern - zulässig seien. 

Alle Angeklagten bestreiten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft wirft der Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, vor, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben zu haben. Mehrere Mitarbeiter eines israelischen Sicherheitsunternehmens sollen den damals zehn Jahre alten Sohn und die 13-jährige Tochter nach Deutschland entführt haben. Vier Tage nach der Rückholaktion wurden die Kinder auf Anordnung des Hanseatischen Oberlandesgerichts wieder zu ihrem Vater nach Dänemark gebracht. 

Stephan Hensel (51) war bei der Entführung niedergeschlagen worden. Im Prozess sitzt er nun seiner Ex-Frau als Nebenkläger gegenüber.

Am dritten Verhandlungstag hatte Block in einer mehrstündigen Erklärung die Anklagepunkte zurückgewiesen. Auch die Anwälte der übrigen sechs Angeklagten, darunter Blocks Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (66), hatten der Anklage zum Auftakt des Prozesses widersprochen.

Israelischer Angeklagter äußert sich erstmals

Zu den drei Hauptangeklagten gehört neben Block und einem Anwalt der Block-Gruppe auch ein Israeli, der direkt an der Entführung beteiligt gewesen sein soll. Der 36-Jährige war Ende September vergangenen Jahres auf Zypern verhaftet worden und sitzt derzeit in Hamburg in Untersuchungshaft. Gegen Ende des sechsten Verhandlungstags äußerte er sich erstmals in dem Prozess.

Der Angeklagte schilderte sein bisheriges Leben in Israel. Er habe nach dem Abitur seinen Pflichtdienst bei der Armee absolviert. Danach habe er unter anderem Betriebswirtschaft studiert und sein Leben lang Kampfsport betrieben. Der 36-Jährige berichtete außerdem, wie er Kontakt zu dem Chef der Sicherheitsfirma bekam, die die Block-Kinder entführt haben soll. 

Etwa zwei Wochen vor Silvester 2023/24 sei er über einen Freund zu einer Besprechung in Israel gebeten worden. Dort habe der Chef der Sicherheitsfirma von der Familie Block und dem Sorgerechtsstreit berichtet und gefragt, ob er bereit sei, bei einer Aktion zur Rettung der Kinder zu helfen. «Ich war sofort einverstanden», sagte der Israeli nach den Worten eines Dolmetschers. Geld sei auch in Aussicht gestellt worden, das habe für ihn aber keine entscheidende Rolle gespielt. Die Aussage soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Prozess (Gericht) / Leute / Kriminalität / Gesellschaft / Hamburg / Deutschland
26.08.2025 · 17:02 Uhr
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