Antisemitismus

Juden in Deutschland unter Druck: Rias meldet 8.600 Vorfälle

04. Juni 2025, 14:08 Uhr · Quelle: dpa
Für Juden in Deutschland sei Antisemitismus Alltag, berichtet der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen. Die Organisation muss sich allerdings Kritik anhören.

Berlin (dpa) - Juden in Deutschland sehen sich sowohl wegen des Nahost-Konflikts als auch durch Anfeindungen von rechts massiv unter Druck und in Gefahr. «Nie zuvor wurden uns in einem Kalenderjahr mehr gegen Jüdinnen und Juden gerichtete Angriffe bekannt als im vergangenen Jahr», sagte Geschäftsführer Benjamin Steinitz zum Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias). Darin sind 8.627 antisemitische Vorfälle erfasst, 77 Prozent mehr als 2023.

Die Zahlen

Dazu zählen laut Rias acht Fälle extremer Gewalt, 186 Angriffe, 443 gezielte Sachbeschädigungen und 300 Fälle von Bedrohung. Am häufigsten wurde «verletzendes Verhalten» gemeldet: 7.514 Vorfälle fielen laut Rias in diese Kategorie, darunter 1.802 Versammlungen - letztere werden als antisemitischer Vorfall erfasst, wenn etwa im Aufruf oder in Redebeiträgen antisemitische Äußerungen dokumentiert werden. Bei 544 Vorfällen wurde ein rechtsextremer Hintergrund registriert, die höchste Zahl seit Beginn des bundesweiten Vergleichs 2020. 

5.857 Fälle wurden als «israelbezogener Antisemitismus» eingestuft, mehr als doppelt so viele wie 2023. Darunter versteht Rias unter anderem, wenn Juden in Deutschland für Handlungen der israelischen Regierung in Haftung genommen werden, wenn der Staat Israel dämonisiert und sein Existenzrecht bestritten wird. Kritik an der israelischen Regierung bleibe jedoch möglich, sagte Steinitz.

An Hochschulen registrierte Rias im vergangenen Jahr 450 antisemitische Vorfälle. An Schulen waren es 284, darunter 19 Angriffe. Der Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 sei eine Zäsur gewesen, sagte Steinitz. «Die Gefahr, als Jude und Jüdin in Deutschland angefeindet zu werden, hat sich seit dem 7. Oktober objektiv erhöht.» 

Die Beispiele

Als Fälle extremer Gewalt erfasste Rias nicht nur den Angriff eines Berliner Studenten auf einen jüdischen Kommilitonen vor einer Bar Anfang 2024. In die Kategorie fällt für das Netzwerk auch der tödliche Angriff eines mutmaßlichen Anhängers der Terrormiliz IS auf dem Stadtfest in Solingen und die Attacke eines mutmaßlichen Islamisten auf das israelische Generalkonsulat und ein NS-Dokumentationszentrum in München.

Unter den 186 registrierten Angriffen war einer in Oldenburg: Zwei Männer hielten dem Rias-Bericht zufolge eine jüdische Schülerin auf dem Schulweg fest und beschimpften sie als «dreckiger Jude». In einem Leipziger Park griffen 10 bis 15 Rechtsextremisten drei Männer an, die sich über Antisemitismus unterhalten hatten. In der Sächsischen Schweiz habe ein Mann eine Frau als «Nazi» beschimpft und geschubst, die einen Beutel mit der Aufschrift «Feminist Zionist» dabeihatte.

Unter den 443 Sachbeschädigung waren laut Rias 50 Fälle im Wohnumfeld: Im März zum Beispiel schmierten Unbekannte in Hamburg zwei Hakenkreuze neben die Haustür eines jüdischen Ehepaars, im April markierte in Leipzig ein Davidstern das Haus einer jüdischen Person. Dies beinhalte für Betroffene die bedrohliche Botschaft: Man wisse, wo sie wohnten.

Methode und Kritik

Der Anstieg zeigt sich seit dem 7. Oktober 2023 auch in amtlichen Statistiken. Das Besondere an den Rias-Zahlen: Sie erfassen Vorfälle, die Betroffene oder Zeugen selbst bei den Meldestellen des Verbands vorbringen. Einfluss auf die Daten hat also, wie viele Menschen aktiv werden.

Ein gerade veröffentlichter Bericht des deutsch-israelischen Journalisten Itay Mashiach im Namen der «Diaspora Alliance» wirft Rias «undurchsichtige Methoden» vor und kritisiert eine «Überbetonung des "israelbezogenen Antisemitismus"». Steinitz wies dies zurück. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte: «Ich vertraue der Arbeit von Rias sehr».

Was hilft?

Klein sprach von schockierenden Zahlen und betonte, die Bekämpfung von Antisemitismus müsse «noch fokussierter, intensiver und erfolgreicher werden». Nötig sei das Zusammenwirken mit Ländern, Kommunen, Verbänden, Vereinen und Individuen, «damit wir am besten möglichst bald wieder sinkende Zahlen antisemitischer Vorfälle sehen». 

Sollte der Gaza-Krieg irgendwann enden, könnte dies aus Sicht der Jüdischen Studierendenunion auch die Lage in Deutschland und die Konflikte an den Unis etwas beruhigen: «Ja, ich gehe davon aus, dass sich die Lage möglicherweise etwas entspannen könnte», sagte Verbandspräsident Ron Dekel auf eine entsprechende Frage. Doch sei es so, dass «israelbezogener Antisemitismus schon lange das Hauptproblem von Jüdinnen und Juden an Hochschulen ist und aus meiner Sicht leider auch bleiben wird.»

Extremismus / Religion / Kriminalität / Antisemitismus / Deutschland
04.06.2025 · 14:08 Uhr
[1 Kommentar]
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