Japan im Zinsfindungsdilemma: Handelsstreits belasten die Wirtschaft
Die jüngsten Handelsmaßnahmen der USA unter Führung von Präsident Donald Trump könnten zur Folge haben, dass die Bank of Japan (BOJ) ihre Zinserhöhungspolitik vorerst auf Eis legen muss. Dies signalisiert die ehemalige BOJ-Entscheidungsträgerin Takako Masai, die den Ausblick auf einen baldigen Zinsanstieg als unwahrscheinlich einstuft – nicht zuletzt aufgrund der negativen Auswirkungen auf Japans Exporte.
Die Unsicherheit in Bezug auf die US-Handelspolitik sorgt weltweit für Störungen, die sich insbesondere auf Japans Exportsektor und damit auch auf Produktion, Lohnentwicklung und Konsum auswirken. Besonders die US-Autotarife treffen Japan hart, da die Automobilindustrie eine Schlüsselrolle in Japans Wirtschaft einnimmt.
Masai warnt, dass das Hauptproblem für die japanische Wirtschaft im Jahr 2026 auftreten könnte, da sich die Auswirkungen der US-Zölle sechs bis zwölf Monate nach deren Einführung zeigen dürften. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Spannungen könnte die BOJ gezwungen sein, ihre Zinsen über einen längeren Zeitraum niedrig zu halten.
Der derzeitige BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda hat im vergangenen Jahr das umfangreiche Konjunkturprogramm der BOJ beendet und im Januar die Zinsen erhöht. Masai unterstützt diesen Schritt, rät jedoch zur Vorsicht bei weiteren Erhöhungen angesichts der handelspolitischen Risiken.
Um Japans Wirtschaft zu stützen, könnte die BOJ gezwungen sein, echte Zinssätze niedrig zu halten, um strukturelle Reformen anzukurbeln und die Exportarten zu diversifizieren. Sollte die Wirtschaft ernsthaft ins Straucheln geraten, könnte die BOJ erneut alle verfügbaren Mittel mobilisieren müssen, auch wenn dies eine Ausweitung ihrer Bilanz bedeutet.
Japans laufende Tarifverhandlungen mit Washington gestalten sich schwierig und beeinflussen das Wachstum negativ. Angesichts weltweit steigender Inflation und der verteuerten Rohstoff- und Energiekosten bleibt die Unsicherheit groß, wie die BOJ die Zinsen zukünftig gestalten wird.

