Iran: Zehn Tage ohne globales Internet – Ein Volk unter digitaler Kontrolle
Der Iran erlebt derzeit eine beispiellose Phase der Isolation von der weltweiten Datenautobahn. Bereits seit zehn Tagen ist der Zugang zum globalen Internet drastisch eingeschränkt. Dennoch gibt es einen kleinen Lichtblick: Die Bevölkerung in der Hauptstadt Teheran berichtet, dass das Versenden von SMS-Textnachrichten per Mobilfunk nun wieder möglich ist. Allerdings bleibt der Empfang solcher Nachrichten aus dem Ausland weiterhin blockiert.
Mit großem Einfluss auf den Alltag konnten die Iranerinnen und Iraner bisher auf keine Messenger-Dienste zugreifen. Als positive Folge der neuen Regelung ist nun jedoch die Nutzung von Online-Banking-Diensten wieder möglich, vorausgesetzt, man nutzt die benötigte Zwei-Faktor-Autorisierung per SMS.
Die iranische Regierung setzt verstärkt auf ein staatlich kontrolliertes Intranet, welches nur den Zugang zu zensierten, nationalen Webseiten erlaubt. Plattformen und Dienste aus dem Ausland bleiben strikt gesperrt, während staatlich überwachte iranische Apps die gängigen internationalen Applikationen ersetzen sollen. Diese Tatsache führt dazu, dass die digitale Anonymität im Land praktisch nicht existent ist.
Die Organisation Netblocks, spezialisiert auf die Überwachung von Netzsperren, berichtet von einer fast vollständigen Unterbrechung des Internets seit dem 8. Januar. Obwohl messbare Daten einen leichten Anstieg auf zwei Prozent des normalen Internetniveaus zeigen, gibt es bislang keine Anzeichen für eine substantielle Besserung.
Zunehmend wächst die Sorge, dass die Repression des globalen Internets weiter anhalten könnte. Das Exilportal 'Iranwire' zog am Freitag Schlüsse aus Äußerungen der Regierung, die eine Fortdauer der Sperren bis Ende März – also bis zum persischen Neujahrsfest – für möglich halten. Dabei berichten informierte Kreise aus Teheran von einer mindestens zweiwöchigen Verlängerung der Beschränkungen. Ausgangspunkt der Internetblockade waren Massenproteste gegen das autoritäre Regime der Islamischen Republik, bei denen iranische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgingen und nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen über 3.400 Todesopfer verzeichnet wurden. Die genauen Opferzahlen bleiben aufgrund der anhaltenden Informationssperre unbestätigt.

