Investitionsfieber bei Künstlicher Intelligenz: Amazons mutige Schritte verschrecken Anleger
Die jüngste Begeisterung für Künstliche Intelligenz hat bei Investoren eine skeptische Wendung genommen, wie Amazon nun eindrucksvoll demonstriert. Hohe Investitionen in den Megatrend führten zu einem deutlichen Rückgang der Amazon-Aktien um bis zu zehn Prozent im frühen US-Handel. Der drohende Abrutsch unter die 200-Dollar-Marke konnte gerade noch abgewendet werden; zuletzt notierten die Papiere bei 205 Dollar und damit immer noch acht Prozent im Minus.
Diese Entwicklung spiegelt eine wachsende Tendenz wider, potenzielle Gewinner und Verlierer des KI-Booms differenzierter zu betrachten. Anleger hinterfragen vermehrt, ob astronomische Investitionssummen jemals refinanziert werden können. Amazon folgt Alphabet und Meta, deren Kursverluste am Freitag ebenfalls spürbar waren: Alphabet und Meta sehen in der KI eine kapitalintensive Aussicht, die mit Investitionen von bis zu 185 bzw. 135 Milliarden Dollar einhergeht. Doch bezogen auf die Investitionsfreude setzt Amazon in diesem Jahr neue Maßstäbe.
Das Unternehmen hat angekündigt, rund 200 Milliarden Dollar in KI, Chips, Robotik und Satelliten zu investieren. Diese enormen Summen wecken Hoffnung bei Infrastruktur-Ausrüstern wie Broadcom und Nvidia, deren Aktien im Zuge der Ankündigung um etwa fünf Prozent zulegten. Amazon-Chef Andy Jassy sieht trotz kurzfristiger Marktsorgen das Potenzial einer profitablen Investition auf lange Sicht.
Doch die Geduld der Investoren scheint dünn, wie Branchenexperte Brent Thill von Jefferies bemerkte. Der Markt verlangt dringend sichtbare Erfolge. Analysten wie Stephen Innes von SPI Asset Management zeichnen ein Bild von Marktstimmung, das fast das Gegenteil des Booms von 2021 darstellt. Die drängende Frage lautet, ob die hohen Investitionen in KI zukünftig einen messbaren Erfolg bringen werden.
Analyst Srini Pajjuri von RBC erwartet in diesem Jahr einen signifikanten Anstieg der Investitionen durch Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft um etwa 60 Prozent. Doch äußert er Zweifel, ob die geplanten Zahlen tatsächlich realisierbar sind, angesichts von Teilemangel und Energieengpässen. Diese Unsicherheiten spiegeln sich in den jüngsten Verlusten der Amazon-Aktien wider, die im laufenden Jahr bereits ein Minus von mehr als zehn Prozent erwarten lassen.
Obwohl Amazons Quartalszahlen, veröffentlicht am Donnerstag, im Hinblick auf die geplanten Investitionen in den Hintergrund traten, zeigten sich Analysten von den Wachstumszahlen der Cloud-Sparte AWS und der operativen Marge positiv überrascht. Trotz der Herausforderungen im Marktumfeld bleiben die Nachfrage im Onlinehandel und Werbegeschäft erfreulich stabil.

