Internationales Engagement in Afrika: Kamerun auf Abstellgleis der Aufmerksamkeitsskala
Die humanitäre Lage in Afrika wirft erneut ein Schlaglicht auf globale Versäumnisse und die oft unzureichende internationale Reaktion auf Krisen. Der aktuelle Bericht des Norsk Flüchtlingsrats (NRC) zeigt auf, dass Kamerun die Liste der weltweit am stärksten vernachlässigten Krisenländer anführt. Unter 34 Krisen, die jährlich Millionen von Menschen zur Flucht zwingen, wurde bei der Bewertung explizit hervorgehoben, dass die afrikanischen Länder bei der medialen Berichterstattung, bei finanziellen Hilfen und im politischen Engagement weit zurückliegen.
Von den Top Ten der 2024 gerankten Krisenländer befinden sich, bis auf zwei Ausnahmen, alle in Afrika. Mosambik zählt als Neuzugang zu den prominenten Krisenländern, während der Kongo bereits seit mehreren Jahren mit besorgniserregender Beständigkeit gelistet wird. Diese Länder verbleiben auf der Liste, weil ein signifikantes, internationales Engagement zur Konfliktlösung und humanitären Unterstützung bislang fehlt.
In Kamerun selbst, einem Land mit rund 29 Millionen Einwohnern, müssen über 1,1 Millionen Menschen innerhalb der Grenzen Schutz suchen, während zusätzlich eine halbe Million Menschen aus benachbarten Ländern ankommen. Die mediale Resonanz ist im Vergleich zu anderen Konflikten, wie dem Krieg in der Ukraine, verschwindend gering. Lediglich 28.800 Artikel thematisierten die Vertreibungskrise in Kamerun, während der Ukraine-Konflikt in über 451.000 Veröffentlichungen Erwähnung fand.
NRC äußert deutliche Kritik am fehlenden politischen Interesse und der mangelhaften finanziellen Unterstützung, die 2024 für die humanitäre Hilfe zur Verfügung stand. Trotz der enormen Not wurden nur 45 Prozent der benötigten Gelder aufgebracht. Es zeigt sich, dass das Bewusstsein für diese Krisen in ehemals großzügigen Geberländern von nach innen gerichteter Politik überschattet wird. Der NRC appelliert daher an die neue deutsche Bundesregierung, als verlässlicher Partner in der humanitären Hilfe und Entwicklungspolitik zu agieren und seine globale Verantwortlichkeit wahrzunehmen.

