Investmentweek

Intel in der Warteschleife: US-Werk verzögert sich erneut – und das ist erst der Anfang

03. März 2025, 10:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Chipriese verschiebt Großprojekt in Ohio auf 2030 – Investoren bleiben trotzdem optimistisch.

Intel galt einst als unangefochtener Halbleiter-Gigant, doch die jüngste Geschichte des US-Konzerns liest sich zunehmend wie eine Sammlung verpasster Gelegenheiten und verschleppter Projekte.

Der Bau des Megawerks in Ohio, das ursprünglich bereits in diesem Jahr die Produktion aufnehmen sollte, wird nun um bis zu sieben Jahre nach hinten verschoben. Während die Aktie nach der Ankündigung überraschend im Plus notierte, bleiben die strukturellen Probleme des Unternehmens bestehen.

Vom Marktführer zum Getriebenen

Lange Zeit war Intel das Synonym für Hochleistungschips, doch mit dem Siegeszug von Smartphones und Künstlicher Intelligenz (KI) hat sich das Kräfteverhältnis in der Halbleiterbranche verschoben.

Während Konkurrenten wie NVIDIA und AMD mit innovativen Produkten den Markt dominieren, kämpft Intel damit, seine Fertigungsstrategie umzustellen und aufzuholen.

Die aktuelle Verzögerung der Ohio-Fabrik – nach der schon bekannten Verschiebung des Magdeburger Werks in Deutschland – unterstreicht ein grundlegendes Problem: Intel hat Schwierigkeiten, seine ambitionierten Expansionspläne umzusetzen. Dabei spielt nicht nur die Konkurrenz eine Rolle, sondern auch wirtschaftliche und geopolitische Faktoren.

Wirtschaftliche Unsicherheiten und hohe Kosten

Die geplante Megafabrik in Ohio war ein Prestigeprojekt, mit dem Intel seine Fertigungskapazitäten in den USA ausbauen wollte. Ursprünglich für einen Produktionsstart im Jahr 2025 geplant, wurde die Eröffnung bereits auf frühestens 2028 verschoben. Nun soll der erste Abschnitt erst 2030 fertiggestellt werden, der zweite bis 2032.

Die geplante Mega-Fabrik in Ohio wird frühestens 2030 in Betrieb gehen – eine weitere Verzögerung, die Fragen über Intels Zukunftsfähigkeit aufwirft.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen haben sich die Produktionskosten enorm erhöht. Während der Halbleitermarkt insgesamt boomt, kämpft Intel mit schrumpfenden Margen und einer nachlassenden Nachfrage in seinen Kernsegmenten – vor allem bei klassischen PC-Prozessoren. Zudem gestaltet sich die Beschaffung von Rohstoffen und Maschinen aufgrund globaler Lieferkettenprobleme schwieriger als erwartet.

Ein weiteres Problem ist die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen. Der „Chips and Science Act“, mit dem die US-Regierung den Aufbau von Halbleiterfabriken in den Vereinigten Staaten fördern will, hat die Investitionen von Intel ursprünglich erst ermöglicht. Doch die Auszahlung der Subventionen läuft schleppend, und ohne klare Finanzierungsperspektive verschiebt das Unternehmen lieber teure Projekte.

Deutschland als weiteres Sorgenkind

Nicht nur das US-Werk ist betroffen: Auch das Milliardenprojekt in Magdeburg wird nicht wie geplant starten. Ursprünglich sollte hier ab 2028 produziert werden, doch der Konzern hat den Baubeginn bereits um zwei Jahre nach hinten geschoben.

Intel hatte sich von der Bundesregierung milliardenschwere Subventionen gesichert, doch auch hier zeigt sich ein ähnliches Muster wie in den USA: Die Kosten sind höher als erwartet, und der Konzern zögert mit der Umsetzung.

Zudem steht Intel in Deutschland vor dem Problem, Fachkräfte zu finden. Der Halbleitermarkt ist stark umkämpft, und der Konzern muss sich gegen andere Tech-Giganten behaupten, die ebenfalls nach hochqualifiziertem Personal suchen.

Warum steigt die Aktie trotzdem?

Trotz der negativen Nachrichten konnte die Intel-Aktie an der NASDAQ um 2,79 Prozent zulegen. Ein Widerspruch? Nicht unbedingt.

Quelle: Eulerpool

Anleger sehen die Verzögerungen offenbar nicht nur als Rückschlag, sondern als strategische Entscheidung, um Kosten zu senken. Statt sich durch hohe Investitionen kurzfristig zu übernehmen, setzt Intel auf eine langfristige Konsolidierung.

Hinzu kommt, dass Intel nach wie vor eine entscheidende Rolle in der Halbleiterindustrie spielt. Trotz aller Herausforderungen bleibt der Konzern einer der wichtigsten Zulieferer für PC- und Serverchips. Zudem investiert Intel massiv in die Entwicklung eigener KI-Prozessoren, um gegenüber NVIDIA und AMD wieder an Boden zu gewinnen.

Ein weiteres Argument für die Kursstabilität ist die geopolitische Lage. Die US-Regierung ist entschlossen, die Halbleiterproduktion von Asien nach Amerika zu verlagern, und Intel wird dabei eine Schlüsselrolle spielen. Selbst wenn es derzeit Rückschläge gibt, dürfte der Konzern langfristig von staatlichen Investitionen profitieren.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 03.03.2025 · 10:00 Uhr
[0 Kommentare]
Chipdesigner ARM veröffentlicht Quartalszahlen: Starkes Wachstum treibt Aktienkurs nach oben
ARM Holdings meldet überraschend starke Quartalsergebnisse Der britische Chipdesigner ARM Holdings hat seine neuesten Quartalszahlen veröffentlicht und damit die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Das Unternehmen profitiert von der weiterhin robusten Nachfrage nach innovativen Halbleiter-Designs, die in Smartphones, Tablets, Servern und […] (00)
vor 1 Stunde
Autoproduktion (Archiv)
München - Das Geschäftsklima in der deutschen Automobilindustrie hat sich im März etwas eingetrübt. Der vom Münchener Ifo-Institut gemessene Indikator fiel auf -18,7 Punkte, von -15,7 Punkten im Februar. "Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage deutlich schlechter als im Vormonat. Die Geschäftserwartungen stiegen dagegen", sagte ifo- […] (00)
vor 32 Minuten
Quantenphysik schlägt künstliche Intelligenz — mit nur neun Atomen
Wer mehr Rechenleistung braucht, baut größere Systeme — so lautet die Grundannahme, auf der ein großer Teil der modernen Computerentwicklung beruht. Mehr Schichten, mehr Verbindungen, mehr Energie. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Physical Review Letters, stellt diese Logik grundsätzlich infrage. Ein Forschungsteam hat […] (01)
vor 15 Stunden
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 8 Stunden
Good Luck – Coop Survival in der Großstadt
Am 8. April erscheint „Good Luck“, ein physikbasiertes Urban-Survival-Spiel, für den PC. In diesem verrückten Plattformspiel ist es dein Ziel, zu einem Treffen zu gelangen, doch die Stadt ist an jeder Ecke voller absurder Fallen und ungewöhnlicher Gefahren. „Good Luck“ bietet einen Einzelspieler-Modus sowie einen Online-Koop-Modus für bis zu 5 Spieler. […] (00)
vor 1 Stunde
Nach Colbert übernimmt Byron Allen den Sendeplatz
Mit dem Ende der «Late Show» stellt der US-Sender sein Nachtprogramm grundlegend um – und setzt auf ein ungewöhnliches Modell. Der US-Network CBS zieht einen klaren Schlussstrich unter seine Late-Night-Ära: Nach dem Finale von The Late Show with Stephen Colbert am 21. Mai wird der traditionsreiche 23: 35-Uhr-Slot nicht neu besetzt, sondern verkauft. Käufer ist Medienunternehmer Byron Allen, […] (00)
vor 1 Stunde
Alexander Zverev
Monte-Carlo (dpa) - Auf dem Motorroller düste Alexander Zverev zum Mini-Tennis-Showmatch gegen Angstgegner Jannik Sinner am Hafen von Monte-Carlo. Zverev lebt genau wie der Italiener in Monaco, er genießt hier die kurzen Wege, das malerische Ambiente und das schöne Wetter. Doch das Heimturnier ist für den deutschen Tennisstar noch aus einem anderen […] (00)
vor 7 Minuten
ChatGPT gelöscht. Claude installiert. Und dann?
Hamburg, 07.04.2026 (PresseBox) -   Der große Abgang hat begonnen Es kursiert gerade auf LinkedIn wie eine Erkältung im Großraumbüro: "Ich habe ChatGPT gelöscht." Mal mit Erklärung, mal ohne, manchmal mit dem etwas selbstgefälligen Unterton eines Menschen, der gerade auf Zucker verzichtet hat. Und ja - viele meinen es ernst. Die Stimmung gegenüber […] (00)
vor 1 Stunde
 
Nvidia dominiert KI-Markt: Warum Investoren jetzt genauer hinschauen sollten
Nvidias ungebrochene Marktdominanz Nvidia hat sich als unangefochtener Leader im […] (00)
Fesselnde Gespräche über Wachstum und Politik In einer Welt, in der sich die […] (00)
Opec+ zeigt sich besorgt Die acht Kernstaaten des Öl-Kartells Opec+ haben sich in […] (00)
Unfallstelle eines mutmaßlichen Autorennens mit Todesopfern
Stuttgart (dpa) - Etwas über ein Jahr ist vergangen seit dem Tod der beiden jungen […] (01)
Pernille Harder
München (dpa) - Die Fußballerinnen des FC Bayern München sind wie in den beiden Vorjahren ins […] (03)
Dan Levy
(BANG) - Dan Levy hatte vor dem Tod von Catherine O’Hara über eine Fortsetzung von […] (00)
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren […] (01)
Europas Chip-Industrie im Aufwind: Wie der Halbleitersektor Milliarden in Innovation investiert
Die europäische Halbleiter-Renaissance beginnt Nach Jahrzehnten der Abhängigkeit von […] (00)
 
 
Suchbegriff