Intel im Strudel: Kurssturz nach Lieferengpässen und ambitionierten Plänen
Intel, der Veteran unter den Chipriesen, erlebt aktuell turbulente Zeiten an der Börse. Obwohl die Aktien des Unternehmens in den letzten Wochen beeindruckend zulegten, sorgten nun Lieferengpässe für einen empfindlichen Rücksetzer. Schon im frühen Handel fiel der Kurs um fast 16 Prozent auf 45,68 US-Dollar, nachdem er seit Anfang des Jahres um stolze 50 Prozent gestiegen war. Der Ausblick für 2026 bleibt mit einem Plus von 24 Prozent dennoch moderat positiv.
Nicht alle Marktbeobachter waren der jüngsten Rally von Intel wohlgesonnen. Analyst Harlan Sur von JPMorgan beispielsweise erhöhte zwar sein Kursziel von 30 auf 35 Dollar, blieb jedoch bei seiner skeptischen Einschätzung. Seiner Meinung nach waren die jüngsten Unternehmensergebnisse erfreulich, nicht jedoch die Zukunftsprognose.
Intels Zielvorgaben für den Umsatz des laufenden Quartals, die zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden US-Dollar liegen, enttäuschten die Analysten an der Wall Street. Finanzchef David Zinsner teilte mit, dass die Produktionskapazitäten der neuen Chipgeneration noch nicht voll ausgeschöpft sind. Die Firma plant, vorerst die Nachfrage nach Rechenzentrums-Technik zu priorisieren, da hier der Bedarf unterschätzt wurde.
Die Analysten sind zweigeteilt: Während Stacy Rasgon von Bernstein Research Intel ermutigt, sich nach der Rally zu beweisen, verweist Jay Goldberg von Seaport Research auf Engpässe bei Speicherchips für KI-Rechenzentren. Diese Engpässe betreffen auch die Verfügbarkeit von PCs mit Intel-Chips.
Intel übertraf im letzten Quartal noch die Erwartungen, trotz eines Rückgangs im Umsatz und Verlusten. Unter der Führung von CEO Lip-Bu Tan versucht der Konzern durch Kosteneinsparungen aus der Krise zu kommen, auch wenn dies den Verzicht auf ein Werk in Magdeburg bedeutete. Nach politischen Wirren erhielt der US-Staat einen zehnprozentigen Anteil an Intel – ein Ergebnis von Druck und Subventionen, der Aktienkurs verdoppelte sich seither.
Einst beherrschte Intel den Halbleitermarkt, kämpft nun jedoch gegen die Konkurrenz von Nvidia im Bereich der Künstlichen Intelligenz und fühlt Druck im traditionellen PC-Prozessoren- und Rechenzentrums-Geschäft.

