Im Test: Rayman Legends
So aufregend eine neue Konsolengeneration alle Jubeljahre auch sein kann, es hat auch immer einen faden Beigeschmack — die Spielauswahl lässt meist auf lange Sicht zu wünschen übrig. Wie man dem als Publisher Abhilfe schaffen kann? Selbstredend mit Portierungen bereits erschienener Software, so geschehen bereits mit Injustice – Gods Among Us und Tomb Raider. Auch Ubisoft schmeißt den gliederlosen Hüpfexperten Rayman mit in die Runde und bietet somit, zumindest vorerst, die einzig wahre Jump’n Run-Instanz auf der neuen Konsolengeneration. Ob die Formel aufgeht, haben wir für euch ausführlich getestet.
Einem alten Hasen wie Rayman kann man fast alles durchgehen lassen, vor allem nachdem das Reboot der Serie mit Rayman Origins und zuletzt mit Rayman Legends auf Wii U, PS3 und Xbox 360 mehr als geglückt ist. Die Portierung für PS4 und One ist aus dem selben Holz geschnitzt, baut also ebenfalls auf die hauseigene UbiArt-Engine und verspricht sprunghafte 2D-Action in Reinkultur. Somit dürfte Legends uns auf dem Papier eigentlich keine außerordentlichen Überraschungen bieten, und das tut es auch nicht. Es liefert das ab, was jeder Fan der Serie erwarten durfte: ein abgedrehtes, kompromissloses, schmerzhafte buntes und unglaublich befriedigendes Jump’n Run.
Sinneserweiterndes Spielerlebnis
Habt ihr jemals Ecstasy und LSD mit Alkohol zusammen eingenommen? Wir auch nicht, es gibt schließlich Dinge, die man nicht mischen sollte, zumindest nicht absichtlich. Die Auswirkungen dieser Mischung könnten aber beim besten Willen kaum abgedrehter sein als ein Level aus Rayman Legends. Alleine die Optik ist so detailliert und bunt, dass es sich stellenweise anfühlt als würde einem ein ganzer Süßwarenladen aufeinmal in die Augäpfel injiziert werden. Und das ist absolut positiv gemeint, denn selten hatten wir bei einem Spiel das Gefühl gar nicht in der Lage zu sein alle Details aufzunehmen, weil einem davon einfach zu vieles gleichzeitig vor die Füße geworfen wird. Eine Reizüberflutung jedweder Sinne, die uns jedes Level gerne zigmal durchspielen lässt, um den perfekten Highscore zu erreichen. Und dabei stört uns nicht einmal, dass ein hoher Highscore die einzige Motivation in Rayman ist, denn eine handfeste Story ist hier nicht auffindbar.
Die Helden aus Legends, allen voran Rayman, sind in einen langen Schlaf gefallen. In der Zwischenzeit wuchs das Böse in der Welt heran und nun sind wir erwacht und müssen die Welt befreien. Das tun wir durch das Absolvieren der Levels und Einsammeln von Lumes. Lumes sind kleine gelbe Glühwürmchen, die zu hunderten über ein Level verteilt sind und den Highscore am Ende des Levels ausmachen. Ebenfalls nicht unerheblich sind kleine blaue Wesen namens Teensies, die von den bösen Mächten gefangen worden sind und nun von befreit werden wollen. Zwischen drei und elf tummeln sich in jedem Level und während die Lumes meistens sehr einfach auffindbar sind, offenbaren sich die Teensies nur durch ausführliches Durchsuchen des Levels. So einfach sich das Spielprinzip anhört, desto umfangreicher ist es jedoch in der Praxis, denn stupides Hüpfen bringt uns hier selten ans Ziel.
Spieldesign par Excellence
Die Level sind bunt und detailliert, die Teensies erfordern genaues Suchen und die Lumes ermöglichen uns um den Highscore zu kämpfen — eigentlich bräuchte es nun nicht mehr viel um ein solides Jump’n Run-Spiel zu erstellen. Doch Rayman Legends ist kein grundsolides Spiel, Rayman Legends ist ein Spiel, das so ambitioniert ist wie kaum ein zweites. Es ist vor allem die kontinuierliche Erweiterung der Spielmechanik gepaart mit unglaublich intelligentem Gamedesign, die hier einen glatten Homerun schlagen.
Zu Beginn des Spieles wird sich noch auf klassische Spielmechaniken berufen: Laufen, Springen, Boxen. Mehr braucht es soweit nicht um Hindernisse und Gegner zu überstehen und sehr viel mehr kommt auch nicht hinzu. Es sind primär die einzelnen Level, die diese Mechaniken ordentlich aufmischen. Aufsteigende Winde lassen uns schweben und verwandeln unter Umständen ganze Level zu Sidescroller-Missionen. Eine Flammenwand setzt uns unter massiven Zeitdruck, wir schlagen Box-Geschosse aus oder ein komplettes Level versinkt im Treibsand. Einige Level bestreitet unser Held sogar unverhofft in Form eines Hühnchens. Immer wieder gibt es auch musikalische Level, die bekannte Titel synchron zum Levelgeschehen abspielen. Es ist stellenweise wirklich unglaublich, mit welch einer Kreativität die Entwickler und Designer diesem Spiel begegnet sind und egal welche Drogen hier (wortwörtlich) im Spiel waren, wir hoffen der Vorrat dieser kreativen Köpfe reicht noch lange aus.
Ebenfalls immer wieder ein Highlight sind die vereinzelten Boss-Kämpfe am Ende der Welten, die ebenfalls abwechslungsreich gestaltet sind und sogar 3D-Grafiken mit der 2D-Optik vermischen. Auch der Schwierigkeitsgrad der Levels und speziell der Bosskämpfe ist gut ausbalanciert. Ein Level zu spielen und erfolgreich zu beenden ist dank eines fairen Checkpointsystems sehr einfach und ohne großen Frust möglich. Wer aber, so wie wir, darauf zielt Level perfekt abzuschließen und möglichst noch einen Highscore mitzunehmen, der wird das ein oder andere Level sicherlich oftmals angehen müssen. Auch hier fern jeder Frustration, denn unfair ist Rayman Legends auch dank der präzisen Steuerung nie. Vielmehr wurden hier unsere Reflexe und unser Timing ausführlich auf die Probe gestellt. Wer sich zu den Hardcore-Gamern zählt kommt also trotz niedlicher Optik (oder auch gerade deswegen) auf seine/ihre Kosten.
Gliederlos, aber nicht allein
Auch der Umfang von Rayman Legends ist für ein Spiel dieses Formats durchaus angemessen und hat uns sehr positiv überrascht. Neben den “Story”-Level gibt es zudem viele aufbereitete Level aus dem Vorgänger Origins obendrauf. Ebenso wie Gemälde und tägliche Herausforderungen und Kuscheltiere, die durch gewonnene Rubellose freigespielt werden können. Man hat zuweilen wirklich den Luxus, nicht zu wissen, an welcher Stelle man nun denn weitermachen möchte. Und wenn man dann doch einmal durch alles durch ist, dann kann man ein paar Freunde dazu holen und den ganzen Spaß noch einmal erleben, denn Rayman Legends lässt sich auch zu viert erleben.
Dies gilt für jegliche Level als auch für ein Fußball-Minispiel. Einziges Manko ist, dass es bereits ab nur einem Mitspieler sehr verwirrend und unübersichtlich werden kann. Das Spiel verfügt zwar über gefühlt endlos viele Charaktere, diese sehen sich von Statur und Farbgebung allerdings verdammt ähnlich und so kommt es oft vor, dass man seinen Charakter in dem Gewusel komplett aus den Augen verliert. Freitod durch Verwirrung ist da oft die Folge. Doch eigentlich macht das nichts, denn solange auch nur einer von euren Freunden noch lebt, kann dieser euch zurück ins Spiel holen – ein Luxus der euch durchaus einige knifflige Stellen überwinden lässt.
Wir haben das Spiel bis zu diesem Zeitpunkt in höchsten Tönen gelobt, denn es ist ein unglaublich gutes und befriedigendes Jump’n Run. Am Ende des Tages ist es jedoch auch nur ein Port der vorherigen Versionen, die zudem noch nicht lange zurück liegen. Die Unterschiede sind dementsprechend gering. Grafisch lässt sich kaum bis kein Unterschied bemerken, lediglich ein paar wenige Charaktere und Level sind hinzugefügt worden. Ein weiterer Unterschied kann als Vor-und Nachteil ausgelegt werden: In den Versionen der letzten Generation konnten die Ladezeiten dazu genutzt werden zusätzliches Leben zu sammeln – in der Next-Gen-Version gibt es kaum bis keine Ladezeiten und somit auch keine zusätzlichen Leben. Wer das Spiel schon für eine andere Plattform besitzt, wird durch einen Neukauf wohl nicht wirklich glücklich werden und jeder der noch eine alte Konsole im Schrank stehen hat, der kann dort getrost günstiger zuschlagen. Auch wenn das Spiel natürlich mit knapp 40 Euro auch nicht als horrend teuer durchgeht.
Abgesehen davon ist Rayman Legends ein Jump’n Run, das nicht besser hätte werden können. Das beginnt bei der unglaublich schönen und liebevollen Optik, zieht sich über das Gameplay und Spieldesign bis hin zu dem wirklich guten Umfang von guten 12 Stunden. Doch auch danach wird euch der Hang zur Perfektion oder aber die täglichen Herausforderungen und das Koop-Spiel an der Stange halten – gerade weil es auf PS4 und Xbox One aktuell keine wirkliche Konkurrenz gibt.




