Hintergrund: Fast vier Wochen Unruhen

10. Februar 2011, 21:34 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Seit Mitte Januar hat sich die Lage in Ägypten immer weiter zugespitzt. Ein Rückblick:

17./18. Januar: Vor dem Parlament in Kairo versucht ein Ägypter, sich selbst zu verbrennen und wird schwer verletzt. In Alexandria verbrennt sich ein Arbeitsloser.

25. Januar: Landesweit demonstrieren Zehntausende. Mindestens vier Menschen werden getötet, Hunderte verletzt.

26. Januar: Wieder versammeln sich hunderte Oppositionelle. Die Staatsmacht geht hart gegen sie vor, mindestens zwei weitere Menschen sterben. Die Regierungen in Washington und Berlin mahnen Mubarak zu Besonnenheit. Ägyptens Behörden blockieren den Zugang zu Twitter und Facebook. Inzwischen wurden rund 500 Demonstranten festgenommen.

27. Januar: Die Proteste lassen die Kurse an der Börse in Kairo abstürzen, der Handel wird vorübergehend ausgesetzt. Friedensnobelpreisträger El Baradei trifft in Kairo ein, um sich an die Spitze der Demonstranten zu stellen.

28. Januar: Die Regierung kappt das Internet und die meisten Mobiltelefon-Verbindungen. Mehr als 100 000 Demonstranten fordern nun die Staatsmacht heraus. El Baradei wird unter Hausarrest gestellt. Am Abend rückt das Militär in die Städte ein, Mubarak verhängt eine nächtliche Ausgangssperre. In einer Fernsehansprache kündigt er die Bildung einer neuen Regierung an.

29. Januar: Zehntausende gehen auf die Straße. Mubarak bildet eine neue Führungsriege, in der Geheimdienst und Militär dominieren. Geheimdienstchef Omar Suleiman wird Mubaraks Stellvertreter.

30. Januar: Bei den Unruhen sind inzwischen mindestens 150 Menschen gestorben, Plünderer, Brandstifter und Räuber terrorisieren die Bevölkerung. Die ägyptischen Muslimbrüder fordern Mubaraks Rücktritt und rufen die Opposition zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit auf. El Baradei schließt sich trotz Hausarrests den Demonstranten an.

31. Januar: Mubarak fordert den neu ernannten Ministerpräsidenten Ahmad Schafik auf, Reformen einzuleiten. Die Bundesregierung verschärft die Reisehinweise, Sonderflugzeuge bringen hunderte Deutsche nach Frankfurt zurück. US-Präsident Barack Obama ruft zu einem friedlichen Wandel in Ägypten auf.

01. Februar: Mit einem Aufruf zum «Marsch der Millionen» steuert der Machtkampf auf einen neuen Höhepunkt zu. Am Abend kündigt Mubarak den Verzicht auf eine weitere Amtszeit und damit seinen Abgang für September an. Gegen Mitternacht kommt es zu Straßenschlachten. Die UN gehen inzwischen von 300 Toten und 3000 Verletzten aus.

02. Februar: US-Präsident Obama fordert Mubarak in einem Telefonat auf, den geordneten Übergang seines Landes zur Demokratie nicht zu verzögern. Auf Kamelen und Pferden reiten Anhänger Mubaraks ein und schlagen auf Demonstranten ein. Auch ausländische Journalisten werden attackiert. El Baradei fordert die Armee auf einzugreifen.

03. Februar: In den frühen Morgenstunden spitzt sich die Lage auf dem Tahrir-Platz dramatisch zu. Demonstranten werfen Molotow-Cocktails und Steine, es sind Maschinengewehr-Salven zu hören, Autos brennen. Weitere Menschen sterben.

04. Februar: Nach einem Bericht der «New York Times diskutiert die US-Regierung mit ägyptischen Regierungsbeamten über einen sofortigen Rücktritt Mubaraks. In Brüssel fordern die EU-Staats- und Regierungschefs einen umgehenden Regierungswechsel.

05. Februar: Die «New York Times» berichtet, Mubarak könnte zur medizinischen Untersuchung nach Deutschland ausgeflogen werden, um ihm einen würdigen Weg aus der Krise zu ermöglichen. Berlin dementiert die angeblichen Pläne wenige Tage später. Hohe Funktionäre der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) geben ihre Ämter auf. Machthaber und Opposition suchen den Dialog.

08. Februar: Die USA verstärken den Druck: Gemeinsam mit der Opposition müsse Ägyptens Regierung eine Strategie für einen geordneten demokratischen Wandel entwickeln. Der Wandel müsse kommen, «je früher, desto besser», sagt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

10. Februar: In Ägypten verdichten sich Hinweise auf einen baldigen Rücktritt Mubaraks. Für den Abend kündigte der Präsident eine Erklärung an.

Unruhen / Regierung / Ägypten
10.02.2011 · 21:34 Uhr
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