Hintergrund: «Dschihad-Touristen» aus Deutschland und Europa

16. Januar 2015, 16:50 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Islamisten aus aller Welt zieht es nach Syrien und in den Irak in den Kampf. Dort kämpfen auch viele Extremisten aus Europa auf der Seite der Dschihadisten. Als besonders gefährlich gelten die Rückkehrer. Ein Überblick:

DEUTSCHLAND: Mindestens 600 radikale Islamisten sind in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist - Tendenz steigend. Etwa 200 sind wieder zurück in Deutschland. Insgesamt rechnet der Verfassungsschutz mehr als 43 000 Menschen zur islamistischen Szene. Dem «islamistisch-terroristischen» Spektrum werden etwa 1000 zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen zugetraut wird, einen Terrorakt zu begehen.

BELGIEN: Aus keinem EU-Land sind hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung so viele Kämpfer in den syrischen Bürgerkrieg gezogen wie aus Belgien - nach einer Auflistung des Thinktanks Brookings bislang bis zu 650 Kämpfer. Allein in Verviers, wo jetzt zwei mutmaßliche Dschihadisten getötet wurden, war nach Angaben von RTL-Info von bis zu 10 Syrien-Rückkehrern die Rede.

FRANKREICH: Nach Angaben von Premierminister Manuel Valls sind derzeit rund 1400 Islamisten aus Frankreich in den Dschihad in Syrien und im Irak involviert. Im Herbst 2014 war erst von gut 500 die Rede, die in Syrien seien oder aber auf dem Weg dorthin. Ausreisepläne wurden bei 232 weiteren angenommen. Die Zahl der auf dem Rückweg befindlichen oder zurückgekehrten Islamisten wurde mit 189 angegeben. Rund 5000 Fundamentalisten stellen nach Angaben aus Sicherheitskreisen eine Gefahr für die Staatssicherheit dar.

GROSSBRITANNIEN: Das Innenministeriums geht von knapp 600 Briten aus, die zum Kämpfen nach Syrien und in den Irak gereist sind. Etwa die Hälfte sei wieder zurück. Die britische Regierung sieht in den Heimkehrern generell eine große Gefahr, ohne genaue Angaben zur Zahl der potenziellen Terroristen zu machen. Die Polizei nimmt häufig Verdächtige fest, die aber oft ohne Anklage wieder freikommen.

NIEDERLANDE: Die Anti-Terrorismusbehörde schätzt die Zahl der gewaltbereiten Islamisten auf rund 300. Etwa 150 Personen sind demnach nach Syrien und in den Irak gereist. 18 sollen getötet worden sein, etwa 30 kehrten zurück, rund 100 sollen noch im Kampfgebiet sein, darunter etwa 30 Frauen. Gegen etwa 60 Personen wurden strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Reisepässe von etwa 50 Personen wurden für ungültig erklärt.

SCHWEDEN: Laut einer Schätzung der Sicherheitspolizei sind zwischen 250 und 300 Dschihadisten nach Syrien oder in den Irak gereist. Es gibt aber nur 110 bestätigte Fälle. Davon seien zwischen 25 und 30 getötet worden, etwa 40 seien nach Schweden zurückgekehrt.

DÄNEMARK: Nach Angaben des dänischen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes PET sind mindestens 110 Kämpfer aus Dänemark ausgereist. Die meisten hätten sich dem Islamischen Staat in Syrien angeschlossen. Mindestens 15 von ihnen sind nach Einschätzung des Sicherheitsdienstes getötet worden. Heimkehrer sollen in einem Resozialisierungsprojekt in Aarhus psychologisch betreut werden, ihre Zahl ist aber nicht bekannt.

ITALIEN: Nach Angaben des Innenministeriums sind 53 Menschen nach Syrien und in den Irak gereist - darunter nur vier mit italienischem Pass. Es wird geschätzt, dass ein gutes Dutzend im Kampf ums Leben gekommen ist, weniger als 10 sollen nach Italien zurückgekehrt sein. Berichten zufolge leben in Italien insgesamt etwa 800 Islamisten mit Sympathien für den Dschihad.

SPANIEN: Die Sicherheitskräfte schätzen, dass etwa 70 Islamisten in den Kampf gezogen sind. Davon sollen 12 im vorigen Jahr zurückgekehrt sein. Bis auf einen seien alle unter dem Verdacht der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung festgenommen worden. In Spanien gab es 2014 zwölf Polizeiaktionen gegen islamistische Kreise. Dabei wurden 47 Verdächtige festgenommen.

ÖSTERREICH: Nach Angaben des Innenministeriums sind mehr als 170 «Dschihad-Touristen» nach Syrien und in den Irak ausgereist. Etwa 30 sollen dort ums Leben gekommen, 60 wieder zurückgekehrt sein. Derzeit laufen etwa 100 Ermittlungsverfahren. Größere Polizeieinsätze gegen radikale Islamisten gab es seit Jahresbeginn keine.

SCHWEIZ: Laut Verteidigungsministerium sind 37 nach Syrien und in den Irak gereist. 19 «Dschihad-Touristen» seien wieder zurückgekehrt.

POLEN: Die Sicherheitsbehörden gehen von sechs bis acht Polen aus, die in Syrien oder im Irak kämpfen. Bisher sei keiner zurückgekehrt.

BALTIKUM: Nach Angaben der Sicherheitsbehörden in Estland und Lettland gibt es derzeit jeweils einen Kämpfer für die IS-Terrormiliz aus den beiden Staaten. Lettlands Innenminister Rihards Kozlovskis schließt nicht aus, dass es mehr werden könnten.

Nichts bekannt über «Dschihad-Touristen» ist in GRIECHENLAND, LITAUEN, RUMÄNIEN, der SLOWAKEI, TSCHECHIEN und UNGARN.

Terrorismus / Extremismus / EU
16.01.2015 · 16:50 Uhr
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