Herausforderung in Deutschlands Gasspeichern: Kein Grund zur Sorge
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher zu Beginn der Heizperiode sind niedriger als gewöhnlich, doch die Netzagentur und die Bundesregierung sehen keinen Grund zur Beunruhigung. Einer Mitteilung der Initiative Energien Speichern (Ines) zufolge waren die Speicher Anfang November zu lediglich 75 Prozent gefüllt, was erheblich unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegt. Im Vergleich dazu waren sie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr zu 98 Prozent gefüllt.
Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche von der CDU sieht dennoch keinen Anlass zur Besorgnis und kann die Warnungen nicht nachvollziehen. Tatsächlich wurden die aktuellen 75 Prozent bereits im September erreicht, doch der erhoffte Anstieg auf 81 Prozent bis Anfang November blieb aus. Unerwartet hoher Gasverbrauch und geringere Gaszuflüsse aus dem EU-Binnenmarkt trugen zu dieser Entwicklung bei.
Der Verband Ines mit seinen Mitgliedsunternehmen hat ein wirtschaftliches Interesse an vollen Speichern und rechnete verschiedene Szenarien durch. Demnach ist bei normalen bis milden Temperaturen davon auszugehen, dass die Speicher im Februar noch zu mindestens 30 Prozent gefüllt sind. Lediglich bei einem extrem kalten Winter droht eine vorzeitige Entleerung bereits Mitte Januar.
Ein Sprecher der Bundesnetzagentur nahm die Situation gelassen und verwies auf die erweiterten Importmöglichkeiten dank neuer LNG-Terminals. "Wir schätzen die Gefahr einer angespannten Gasversorgung derzeit als gering ein", betonte er. Reiche kommentierte entspannt, die Speicher seien mit 75 Prozent ausreichend gefüllt und der Füllstand steige täglich. Sie hob hervor, dass die meisten Speicher zu über 90 Prozent gefüllt seien.
Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann hingegen kritisierte die Politik und deren ungenutzte Chancen, höhere Füllstände zu sichern. Er rief die Bundesregierung auf, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, Maßnahmen für eine sichere und kostengünstige Füllung der Speicher zu ergreifen. Sollte im Februar 2026 der Mindestfüllstand von 30 Prozent nicht erreicht werden, könnten das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur wie im Winter 2022/23 eine schnelle Aufstockung der Bestände vom Weltmarkt veranlassen, was jedoch eine kostspielige Lösung wäre.

