HBO-Boss Casey Bloys deutet an: The Last of Us endet höchstwahrscheinlich mit Season 3
Die Zukunft von HBOs prestigeträchtigster Video-Game-Adaption scheint besiegelt: Casey Bloys, CEO von HBO und HBO Max, hat in einem Interview mit Deadline die bisher klarste Andeutung gemacht, dass The Last of Us nach Season 3 abgeschlossen sein wird. Auf die direkte Frage, ob die kommenden Staffeln von Hacks und The Last of Us die finalen sein werden, antwortete Bloys: „Es sieht ganz danach aus, aber bei solchen Entscheidungen überlassen wir das den Showrunnern. Du kannst sie also fragen.“ Eine 100-prozentige Bestätigung ist das zwar nicht, doch so nah an einer offiziellen Ankündigung war HBO bisher nie. Diese Aussage überrascht umso mehr, als Showrunner Craig Mazin erst im Mai letzten Jahres erklärte, es gäbe „keine Möglichkeit, diese Erzählung in einer dritten Staffel abzuschließen“ und eine vierte Staffel „das wahrscheinlichste Ergebnis“ sei. Trotz gemischter Reaktionen auf Season 2 und Neil Druckmanns Abgang als Co-Showrunner scheint HBO nun auf eine komprimierte, dreiteilige Serienadaptation der beiden Naughty Dog-Spiele zu setzen.
Von vier Staffeln auf drei: Mazins Vision wird beschnitten
Die Diskrepanz zwischen Mazins ursprünglichen Plänen und Bloys‘ aktuellen Andeutungen könnte nicht deutlicher sein. Im Gespräch mit Collider im Mai 2025 argumentierte Mazin ausführlich, dass Season 3 „ewig dauern würde“, wenn man versuchen würde, die gesamte verbleibende Geschichte von The Last of Us Part 2 darin zu pressen. Er räumte ein, dass Season 3 wahrscheinlich länger als Season 2 werden würde – die mit sieben Episoden bereits kürzer ausfiel als die neun Episoden der ersten Staffel – aber betonte, dass eine vierte Staffel essentiell sei für einen angemessenen narrativen Abschluss. „Hoffentlich verdienen wir uns genug Vertrauen, um zurückzukehren und es in einer vierten zu beenden. Das ist das wahrscheinlichste Ergebnis“, so Mazin damals. Doch HBO scheint andere Pläne zu haben. Die gemischten Reaktionen auf Season 2 – insbesondere die kontroversen Entscheidungen bezüglich Joels Tod und der Fokus-Verschiebung zu Abby – könnten HBO dazu bewogen haben, die Serie straffer zu halten und früher zu beenden als künstlerisch ideal.
Joels Tod, Druckmanns Abgang und die Abby-Ära in Season 3
Season 2 endete mit dem schockierenden, wenn auch von Videospiel-Veteranen erwarteten Tod von Joel Miller, gespielt von Pedro Pascal. Das Finale deutete an, dass Season 3 – wie das Spiel – den Fokus dramatisch zu Abby verschieben wird, dargestellt von Kaitlyn Dever. Wie genau Mazin die Seattle-Abschnitte von The Last of Us Part 2 aus Abbys Perspektive nacherzählen wird, bleibt unklar, besonders da er nun möglicherweise die gesamte verbleibende Handlung in eine einzige Staffel komprimieren muss. Die Kontroverse um Joels Tod war massiv: Mazin berichtete von verwirrten Fans, die fragten: „Warum habt ihr Pedro Pascal getötet?“ Seine Antwort: „Wir haben ihn nicht getötet! Er ist ein Mann, er lebt. Es geht ihm gut. Und er ist buchstäblich in allem anderen. Ich weiß also nicht, was das Problem ist!“ Erschwerend kommt hinzu, dass Neil Druckmann, Schöpfer des Franchise und Co-Showrunner der ersten beiden Staffeln, die Serie verlassen hat – ein Verlust an kreativer Vision, der die Unsicherheit um Season 3 verstärkt.
Bella Ramseys scharfe Botschaft an Season 2-Kritiker
Die Kritik an Season 2 war teilweise heftig, besonders von lautstarken Fraktionen der Fanbase, die mit den narrativen Entscheidungen unzufrieden waren. Bella Ramsey, die Ellie spielt, reagierte im August mit einer bemerkenswert direkten Botschaft: „Ich würde sagen, Du musst es nicht schauen. Wenn Du es so sehr hasst, existiert das Spiel. Du kannst einfach das Spiel nochmal spielen. Du musst es nicht schauen, aber wenn Du es schauen willst, dann hoffe ich, dass Du es genießt.“ Ramsey betonte, dass die Online-Kritik die Show nicht beeinflusst: „Die Show ist draußen. Es gibt nichts, das geändert oder verändert werden kann. Also gibt es eigentlich keinen Grund, irgendetwas zu lesen oder anzuschauen.“ Diese Haltung reflektiert möglicherweise die kreative Erschöpfung nach einer kontroversen Staffel und die Entschlossenheit, Season 3 trotz Backlash zu produzieren – auch wenn es die letzte sein wird.
Compressed Storytelling und die Herausforderung, Part 2 in einer Staffel abzuschließen
Falls HBO tatsächlich bei Season 3 als Finale bleibt, steht Mazin vor einer monumentalen Herausforderung: Die gesamte verbleibende Handlung von The Last of Us Part 2 – Seattle aus Ellies Perspektive, Seattle aus Abbys Perspektive, die Konfrontation, die Santa Barbara-Epilog – in wahrscheinlich 8-10 Episoden zu pressen. Das Spiel selbst dauert 20-30 Stunden und ist bewusst langsam erzählt mit ausgedehnten Charakter-Momenten. Eine komprimierte Version könnte die emotionale Wirkung schwächen, die das Spiel so kraftvoll macht. Andererseits könnte eine fokussiertere, straffere Erzählung die Schwächen von Part 2 adressieren – viele Kritiker fanden das Spiel zu lang und repetitiv. Mazin hat bereits bewiesen, dass er bereit ist, vom Quellmaterial abzuweichen, wenn es dem Medium Fernsehen dient. Season 3, falls sie tatsächlich die letzte wird, könnte die ultimative Test werden, ob The Last of Us als TV-Serie ihre eigene Identität finden kann, unabhängig von den Spielen.


