Handelsstreit entfacht Run auf Staatsanleihen und zeigt Auswirkungen auf die Eurozone
Die jüngste Ankündigung umfassender US-Zölle hat die ohnehin wachsenden Konjunktursorgen angeheizt und die Nachfrage nach als sicher geltenden Staatsanleihen der Industriestaaten kräftig beflügelt. In Deutschland verzeichnete der Euro-Bund-Future am Morgen einen deutlichen Kursanstieg um 0,65 Prozent auf 129,87 Euro.
US-Präsident Donald Trump hat ein Mega-Zollpaket vorgestellt, dessen Auswirkungen jedoch je nach Handelsbeziehung unterschiedlich sind. Während einer allgemeinen Abgabe von zehn Prozent auf alle Importe steht, sollen zusätzliche Strafzölle jene Länder treffen, die aus US-Sicht hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte aufweisen.
Die europäischen Institutionen reagieren mit Gegenmaßnahmen, bleiben aber gesprächsbereit. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Rande eines Gipfeltreffens in Usbekistan, dass die EU bereits an einem Maßnahmenpaket arbeite, um die Stahlzölle zu begegnen, und sich weitere Schritte vorbreite, um europäische Unternehmen zu schützen, falls Verhandlungen scheitern sollten.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank, passte daraufhin seine Wachstumsprognosen für die Eurozone nach unten an. Die Auswirkungen auf die Inflation hängen von der EU-Reaktion ab. Sollten Gegenmaßnahmen umgesetzt werden, könnte die Teuerungsrate vorübergehend steigen. Gleichzeitig könnten hohe Lagerbestände und geringere Produktionsauslastungen durch die US-Zölle die Inflationsrate drücken.
Zusätzlich könnten Länder wie China verstärkt nach Europa exportieren, möglicherweise auch zu niedrigeren Preisen. Somit könnte ein globaler Handelskrieg theoretisch zu einer sinkenden Inflationsrate in Europa führen.

