Konflikt in Nahost

Hamas lässt US-israelische Geisel frei

12. Mai 2025, 19:57 Uhr · Quelle: dpa
Die Hamas hat als Geste gegenüber den USA einen amerikanisch-israelischen Doppelstaatler freigelassen. Israel bereitet dennoch eine Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen vor.

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Die islamistische Hamas hat im Gazastreifen eine US-israelische Geisel freigelassen. Der 21-jährige Edan Alexander wurde am Abend in der Stadt Chan Junis im Süden des Gebiets zunächst an Vertreter des Roten Kreuzes übergeben. Inzwischen ist er zurück in Israel. Der Soldat kam aufgrund einer Vereinbarung der Hamas mit den USA frei, ohne israelische Beteiligung. 

Israelischen Medien zufolge ist er den Umständen entsprechend in gutem Zustand. Ihm gehe es gut, zitierte die Nachrichtenseite «ynet» seine Großmutter Varda Ben Baruch. Israelische Medien veröffentlichten ein erstes Foto seiner Freilassung. Darauf ist er neben vermummten und bewaffneten Hamas-Mitgliedern und einer Frau vom Roten Kreuz zu sehen. Das Bild zeigt, wie er ohne Hilfe steht. Seine Großeltern dementierten laut «ynet» Berichte, wonach der junge Mann Hilfe beim Gehen gebraucht habe.

Die Islamisten ließen Alexander ohne Zeremonie frei. Bei früheren Geisel-Freilassungen sowie bei der Übergabe von Leichen hatten sie oftmals entwürdigende Spektakel inszeniert. Die Geiseln wurden etwa auf einer Bühne vor Schaulustigen vorgeführt. Ein Entführter musste im Februar zwei vermummten Hamas-Männern auf die Stirn küssen. Die Islamisten wollten die USA nun offenbar nicht mit einer solchen Zeremonie verärgern.

Jubel in Tel Aviv und den USA

In der Küstenmetropole Tel Aviv verfolgten Hunderte Menschen Alexanders Freilassung. Im Zentrum der Stadt brach großer Jubel aus, als erste Berichte über seine Übergabe an Vertreter des Roten Kreuzes veröffentlicht wurden. Auch in seinem US-amerikanischen Heimatort Tenafly feierten Medien zufolge Hunderte die Freilassung des 21-Jährigen.

Alexanders Vater Adi sagte dem israelischen Sender Channel 12, die Familie habe in der vergangenen Nacht nicht geschlafen. Sein Sohn sehe ein wenig blass und dünn aus, stehe aber aufrecht. Die Familie wolle nach seiner Freilassung dafür kämpfen, dass auch die verbliebenen Geiseln nach Hause zurückkehren können.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach nach Alexanders Freilassung von einem «sehr emotionalen Moment». Israel umarme ihn und seine Familie, sagte Netanjahu in einer Ansprache. Die Freilassung des Soldaten sei durch militärischen Druck im Gazastreifen sowie politischen Druck des US-Präsidenten Donald Trumps erreicht worden.

Freilassung als Geste gegenüber den USA

Die islamistische Hamas hatte die Freilassung des Soldaten am Sonntag angekündigt. Die Freilassung sei Teil der Bemühungen der Islamisten, ein Gaza-Abkommen zu erreichen, hieß es. 

Trump sprach von einer «monumentalen Neuigkeit» und Geste des Entgegenkommens gegenüber den USA und den anderen beiden Vermittlern Katar und Ägypten. Der US-Präsident ist am Montag zu einer mehrtägigen Nahost-Reise aufgebrochen. Nach Israel kommt er aber nicht. 

Netanjahus Büro teilte mit, die USA hätten Israel gesagt, dass die Freilassung voraussichtlich zu Verhandlungen über einen früheren Vorschlag des US-Sondergesandten Steve Witkoff führen werde, den Israel schon akzeptiert habe. Witkoffs Vorschlag sieht die Freilassung aller im Gazastreifen verbliebenen Entführten und Leichen von Geiseln in zwei Etappen vor, mit einer längeren Waffenruhe dazwischen. Die Hamas besteht jedoch auf einer Verpflichtung Israels zu einem vollständigen Ende des Krieges.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten kündigte auch an, am Dienstag Unterhändler zu Verhandlungen nach Katar zu schicken.

Geisel könnte zu Trump nach Katar reisen

Terroristen hatten Edan Alexander am 7. Oktober 2023 an einem israelischen Wachposten in der Nähe des Gazastreifens entführt. Er ist der erste männliche Soldat, der seitdem lebend aus der Geiselhaft der Hamas entlassen wurde. 

Im Laufe der Woche könnte Alexander zu einem Treffen mit Trump nach Katar reisen. Dies berichteten mehrere israelische Medien unter Berufung auf Alexanders Familie. Dies gilt aber offenbar nur, sofern sein Gesundheitszustand dies erlaubt. 

Israel: Verhandlungen mit Hamas werden unter Feuer fortgesetzt

Israel plant auch nach der Freilassung des jungen Mannes eine Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen. «Die Verhandlungen werden unter Feuer weitergehen, während Vorbereitungen für eine Intensivierung der Kämpfe laufen», hieß es in einer Mitteilung Netanjahus. Alexanders Freilassung sei möglich geworden «durch die energische Politik, die wir mit Unterstützung von Präsident Trump angeführt haben, und dank des militärischen Drucks der israelischen Soldaten im Gazastreifen». Israel sei zu keinerlei Waffenruhe oder zur Entlassung von Häftlingen verpflichtet.

Angehörige anderer Geiseln ohne ausländische Staatsbürgerschaft äußerten ihren Ärger darüber, dass ihre Liebsten nicht freikommen, und warfen der Regierung Netanjahus Gleichgültigkeit vor. Schimon Or, dessen Neffe im Gazastreifen festgehalten wird, sagte «ynet»: «Die Hamas hat gemerkt, dass US-Präsident Donald Trump genug hat von Netanjahus Entscheidungsschwäche, also haben sie ihm einen Knochen hingeworfen und Israel außen vor gelassen.» 

Der Verband der Geiselfamilien betonte, man dürfe niemanden im Gazastreifen zurücklassen. «Edans Rückkehr muss der Anfang einer umfassenden Vereinbarung sein, die alle Geiseln heimbringt.»

Junger Soldat soll gefoltert worden sein

Alexander sei in der Geiselhaft auch gefoltert worden, meldeten israelische Medien unter Berufung auf Berichte zuvor freigelassener Geiseln. Demnach wurde er mehr als 500 Tage in einem Tunnel festgehalten und auch eine Zeit lang angekettet. Der junge Soldat soll erheblich an Gewicht verloren haben. Die islamistische Hamas veröffentlichte im November 2024 ein Video des jungen Soldaten, das ihn hemmungslos weinend zeigt. 

Alexanders Eltern waren kurz nach seiner Geburt in die USA ausgewandert. Ihr ältester Sohn kam später alleine nach Israel, um dort in der Armee zu dienen.

Noch 58 Verschleppte im Gazastreifen

Israelischen Angaben zufolge werden nun noch 20 lebende Geiseln festgehalten, bei drei weiteren Verschleppten sei der Status unklar. Dazu kommen die Leichen von 35 Entführten. Alexander war Medienberichten zufolge die letzte lebende Geisel mit US-Staatsbürgerschaft, die noch im Gazastreifen festgehalten wurde. Unter den Toten sind noch mehrere Personen mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Die Hamas und andere islamistische Terroristen töteten bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 als Geiseln in den Gazastreifen. Das Massaker war Auslöser des Gaza-Kriegs. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bislang mehr als 52.800 Palästinenser getötet.

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12.05.2025 · 19:57 Uhr
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