Güterkorridor in Transformation: Ausbau am Niederrhein als logistische Herausforderung
Die Bahnfahrer zwischen Oberhausen und Emmerich müssen sich erneut auf Verzögerungen einstellen, denn die aktuell größten Bauarbeiten der Bahn in Deutschland schreiten voran. Ab Freitagabend wird das strategisch bedeutende Streckenstück am Niederrhein neun Wochen lang gesperrt, was nicht nur Pendler, sondern auch den Fernverkehr und die industrielle Versorgung trifft. Diese Bauarbeiten stehen im Kontext eines weitreichenden Projekts für den europäischen Güterverkehr.
Der Niederrhein-Abschnitt ist Teil eines Güterkorridors von Rotterdam bis Genua, der seit den 1990er Jahren durch Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Italien modernisiert wird. Während die Niederlande ihren Abschnitt bereits 2007 fertigstellten, hinkt Deutschland hinterher. Die derzeit zweigleisige Strecke stieß längst an ihre Kapazitätsgrenzen, was eine umfassende Modernisierung dringend erforderlich macht.
Seit dem Beginn eines großangelegten Bauvorhabens Ende 2024 sind die Fortschritte in vollem Gange. Auf der Strecke ist ein durchgängiges drittes Gleis geplant, wobei allein am Niederrhein 47 alte Brücken erneuert und 38 neue errichtet werden. Auch wenn die umfangreichen Bauarbeiten 2026 abgeschlossen sein sollen, werden sie den Niederrhein noch lange Zeit prägen. Speziell die Brücke über den Wesel-Datteln-Kanal stellt Techniker vor anspruchsvolle Herausforderungen, da sie sowohl verbreitert als auch angehoben werden muss.
Für die Anwohner bedeutet dies in den kommenden Wochen erhebliche Reiseeinschränkungen. Die ICE-Verbindungen aus dem Rheinland Richtung Niederlande werden umgeleitet, während Pendler auf verschiedenen Regionalexpress-Linien mit Bussen Vorlieb nehmen müssen. Die Wiederaufnahme eines eingleisigen Betriebs ist für Ende August geplant.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen betreffen insbesondere die lokale Industrie, die während der Bauphase auf alternative Transportmittel ausweichen muss. Langfristig jedoch wird die verbesserte Anbindung als ein erheblicher Vorteil für die regionale Wirtschaft angesehen.
Parallel zu den aktuellen Bauarbeiten ist die Bahn bis 2035 bundesweit mit einer Generalsanierung des Schienennetzes beschäftigt, was sich bereits in ambitionierten Plänen für Nordrhein-Westfalen zeigt. Im nächsten Jahr wird die aufwendige Instandsetzung der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln erwartet, während in den Folgejahren weitere Projekte in der Region anstehen.

