Großbritanniens bahnbrechende Entscheidung: Kostenlose "Pille danach" in Apotheken
Eine neue Ära der reproduktiven Gesundheitsversorgung bricht in England an, da die "Pille danach" nun in nahezu 10.000 Apotheken landesweit kostenfrei erhältlich ist. Diese Hormontablette, die im Notfall zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt wird, steht den Bürgern damit ohne vorherigen Arztbesuch zur Verfügung. Bisher war es notwendig, entweder einen Hausarzt oder spezielle Einrichtungen für sexuelle Gesundheit aufzusuchen, um das Medikament kostenfrei zu erhalten, auch wenn vereinzelt lokal die Kosten übernommen wurden.
Der entscheidende Schritt wurde von der britischen Labour-Regierung bereits im März angekündigt und gilt als bedeutender Hebel zur Entlastung der Hausärzte. Diese sollen sich nun verstärkt anderen medizinischen Belangen widmen können.
Als "Game-Changer" für die reproduktive Gesundheitsversorgung wird diese Entwicklung von Sue Mann, der nationalen klinischen Direktorin für Frauengesundheit beim NHS England, gefeiert. Der National Health Service vollzieht mit dieser Maßnahme laut ihrer Aussage eine der tiefgreifendsten Veränderungen in den sexuellen Gesundheitsdiensten seit den 1960er Jahren.
In Deutschland hingegen bleibt die "Pille danach" kostenpflichtig in Apotheken, doch entfällt die Rezeptpflicht. Die Preise variieren hier zwischen 16 und 35 Euro, es sei denn, man besitzt ein ärztliches Rezept. Unter-22-Jährige sind bei Vorlage eines Rezepts von den Kosten befreit, während 18- bis 21-Jährige eine Zuzahlung leisten müssen. Im deutschen System wurde zu Beginn des Jahres ebenfalls ein Fortschritt verzeichnet: Die Kostenübernahme auf Rezept entfällt seitdem bei Hinweisen auf sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung auch für Ältere.

