Großbritannien: KI-Unternehmen im Fokus – Urheberrechtsdebatte entfacht neue Kontroversen
Im Vereinigten Königreich geraten Technologieunternehmen unter Druck, ihre Modelle zur Künstlichen Intelligenz offener zu gestalten, um den kreativen Sektoren die Möglichkeit zu geben, ihre Werke vor unrechtmäßiger Nutzung oder Reproduktion zu schützen. Eine neu angekündigte Konsultationsrunde der britischen Regierung will eine Ausnahme im Urheberrecht schaffen: Tech-Unternehmen sollen Materialien wie Musik, Bücher, Medien und Fotos nutzen dürfen, um ihre KI-Modelle zu trainieren – vorausgesetzt, der Rechteinhaber widerspricht nicht via „Rights Reservation“-System.
Diese geplante Öffnung könnte jedoch bei vielen Vertretern der Kreativindustrie auf Widerstand stoßen. Die Befürchtung ist, dass Großbritannien eine seiner bedeutendsten Wachstumsquellen gefährdet. Künstler und Kreative weisen darauf hin, dass es kostspielig, schwer zu überwachen und zeitaufwendig werden könnte, sich von der Nutzung ihrer Werke in KI-Modellen abzumelden.
Auch die Technologiebranche zeigt sich alarmiert. Die geplanten Maßnahmen verlangen eine größere Transparenz darüber, welche Daten von KI-Unternehmen zum Modelltraining verwendet werden und wie die daraus generierten Inhalte gekennzeichnet sind. Die Regierung betonte, dass Tech-Firmen möglicherweise gezwungen sein werden, detaillierte Informationen bereitzustellen, damit Rechteinhaber nachvollziehen können, wie ihre Inhalte beim Training von KI genutzt wurden.
Kulturminister Sir Chris Bryant erklärte in einem Interview mit der Financial Times, dass sowohl über die Eingabe als auch die Ausgabe von KI-Modellen Transparenz geschaffen werden solle. Dies sei notwendig, um rechtliche Klarheit und Sicherheit zu schaffen – ein Faktor, der den Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten bieten könnte, sofern ein funktionierendes „Rights Reservation“-System etabliert werde.
Die Konsultation will sich zudem mit der Durchsetzung dieser Regelungen beschäftigen, was möglicherweise gesetzgeberische Maßnahmen oder die Einrichtung einer Aufsichtsbehörde erforderlich machen könnte. Es gibt Bedenken, insbesondere was die Nutzung von Werken durch ausländische KI-Unternehmen betrifft, die diese eventuell nicht deklarieren und Rechteinhaber nicht entschädigen.
Obwohl ein früherer Versuch, einen freiwilligen KI-Urheberrechtskodex zu etablieren, gescheitert ist, zeigte sich Bryant optimistisch, dass die Regierung einen Ausgleich zwischen den Bedürfnissen beider Sektoren finden kann. Es bedarf weiterer Zusammenarbeit, um sicherzustellen, dass Standards und Anforderungen an Rechtevorbehalte und Transparenz effektiv, zugänglich und weitreichend anwendbar sind.
„Diese Maßnahmen sind grundlegend für die Wirksamkeit jeder Ausnahme“, betonte die Regierung und fügte hinzu, dass ohne Einhalt dieser Voraussetzungen keine Ausnahme eingeführt werde.

