Glass Lewis warnt vor Goldman-Boni: 80-Millionen-Dollar-Aktienzuteilungen ohne Leistungskriterien stoßen auf Widerstand
Die umstrittenen Bonuspakete von Goldman Sachs für Vorstandschef David Solomon und Präsident John Waldron geraten unter zunehmenden Druck. Der einflussreiche Stimmrechtsberater Glass Lewis rät den Aktionären, die Zuteilung von je 80 Millionen US-Dollar in Aktien an die beiden Führungskräfte abzulehnen. In einem am Freitag veröffentlichten Bericht heißt es, die Prämien „geben erheblichen Anlass zur Sorge“ und seien „nicht durch Leistungskennzahlen gedeckt“.
Die vollständig aktienbasierten Zuwendungen wurden im Januar angekündigt und sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren zur Bindung der Top-Führungskräfte dienen. Im Gegensatz zur üblichen Praxis bei Goldman Sachs seien die Zuteilungen nicht an Performance-Bedingungen geknüpft, so Glass Lewis. Diese Abweichung vom bisherigen Vergütungsmodell sei nicht ausreichend transparent gemacht worden. „Das Fehlen jeglicher Erläuterungen zu den Bedingungen dieses außergewöhnlich hohen Bonuspakets ist eklatant“, heißt es in dem Bericht. Allein aus diesem Grund sei eine Ablehnung gerechtfertigt.
Die Entscheidung trifft auf ein ohnehin angespanntes Umfeld. Bereits im Vorfeld der Hauptversammlung am 23. April in Dallas war innerhalb des Instituts befürchtet worden, dass der sogenannte „Say on Pay“-Beschluss – eine unverbindliche Abstimmung über die Vorstandsvergütung – scheitern könnte. Zu den größten Investoren von Goldman Sachs zählen Vanguard, BlackRock und State Street.
Der Verwaltungsrat verteidigt die Maßnahme mit dem Argument, dass der Wettbewerb um Führungspersonal „intensiv“ sei. Man wolle mit der Maßnahme sowohl Kontinuität als auch einen geordneten Führungswechsel sicherstellen. Zudem betont die Bank, dass die Vergütung in Form von Aktien zu 100 Prozent an die langfristige Wertentwicklung des Unternehmens gekoppelt sei.
Tatsächlich hatte Waldrons Bonus an den Märkten die Spekulationen verstärkt, dass er als natürlicher Nachfolger Solomons gilt. Die Spezialboni kommen zusätzlich zur regulären Jahresvergütung – diese lag 2023 bei 39 Millionen Dollar für Solomon und 38 Millionen Dollar für Waldron – und übertreffen damit deutlich die Zuteilungen bei Wettbewerbern wie JPMorgan oder Morgan Stanley.
Bereits im vergangenen Jahr war die Zustimmung der Aktionäre zur Vorstandsvergütung bei Goldman Sachs auf 86 Prozent gefallen, nach 94 Prozent im Jahr zuvor. Glass Lewis kritisiert zudem ein neues Vergütungsmodell auf Basis sogenannter Carried Interest-Zahlungen, das durch seine Komplexität schwer zu bewerten sei und potenziell zu Intransparenz führe.
Die US-Bankenbranche gilt traditionell als zurückhaltend bei öffentlichen Abstimmungsniederlagen über Vergütung. Doch der Druck wächst: Bei JPMorgan Chase löste ein Sonderbonus für CEO Jamie Dimon im Jahr 2022 Unmut aus, woraufhin die Bank versprach, auf derartige Zuteilungen künftig zu verzichten.

