Gesundheitssystem unter Druck: Facharzttermine sorgen für Unmut
Die Wartezeiten auf Facharzttermine rücken erneut in den Fokus der gesundheitspolitischen Diskussion in Deutschland. Jüngste Erhebungen zeigen, dass Patientinnen und Patienten im Durchschnitt inzwischen sechs Wochen auf eine Facharztkonsultation warten müssen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verspricht nun Abhilfe: Bei medizinisch dringendem Bedarf sollen Termine schneller vergeben werden. Dies könnte jedoch umfangreiche Reformen im Gesundheitssystem nach sich ziehen.
Eine Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linken zeigt, dass gesetzlich Versicherte im Jahr 2024 im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin warteten. 2019 waren es noch 33 Tage. Die gestiegenen Kassen-Mehrausgaben für offene Sprechstunden ohne vorherige Terminvereinbarung bestätigen zudem das Ausmaß des Problems: von 291 Millionen Euro im Jahr 2020 auf mittlerweile 814 Millionen Euro in 2023.
Für Warken sind die bisherigen Maßnahmen unzureichend. Künftige Strukturveränderungen könnten mehr Navigation und Steuerung innerhalb des Systems bringen. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die verstärkte Rolle des Hausarztes als Gatekeeper, der die Überweisung an Fachärzte mit festgelegtem Terminrahmen steuern soll. Die Reform soll ab 2028 greifen, konkrete Details bleiben jedoch abzuwarten.
Innerhalb des Gesundheitssystems wird heftig über Sinn und Zukunft der geplanten Änderungen diskutiert. Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitswesens werfen der Politik vor, trotz guter Absichten bislang nur an den Symptomen herumgedoktert zu haben. Zudem wird gefordert, die bisherigen Vermittlungsgebühren für Facharzttermine zu überdenken, da diese nach Ansicht der Kritiker nicht den erhofften Effekt erzielen.
Der KBV-Vorsitzende Andreas Gassen hingegen relativiert die Debatte und beleuchtet das Thema aus einem anderen Blickwinkel. Er betont, dass die meisten Patiententermine innerhalb von drei Tagen zustande kommen und es sich um eine 'Luxusdiskussion' handele, wenn man den internationalen Vergleich betrachtet. Wartezeiten seien in vielen anderen Ländern deutlich länger.
Die Diskussion über die Zukunft der Facharztversorgung ist damit in vollem Gange. Während die einen auf künftige Reformen hoffen, bleibt abzuwarten, wie nachhaltig und effektiv die geplanten Änderungen wirklich sein werden.

