Gesetzliche Krankenkassen vor finanziellen Herausforderungen: Lichtblick in Sicht?
Die finanziellen Turbulenzen der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, die über 74 Millionen Versicherte betreuen, bleiben weiterhin in zentralem Fokus. Trotz roter Zahlen im Jahr 2024 zeichnet sich eine deutliche Anspannung der Finanzsituation ab.
Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Spitzenverbands der Krankenkassen, gab im brandenburgischen Kremmen bekannt, dass sechs Kassen für Anfang Juli eine Erhöhung der Zusatzbeiträge beantragt haben. Bereits seit Jahresbeginn hatten acht Kassen ähnliche Schritte eingeleitet. Für die Pflegeversicherung droht in diesem Jahr ein weiteres kleines Defizit. Im Kontext explodierender Ausgaben für medizinische Leistungen und Medikamente sowie stark geschrumpften Finanzreserven bezeichnete Pfeiffer die derzeitige Lage als "dramatisch". Die Notwendigkeit, die "Beitragsspirale" zu durchbrechen, sei dringend.
Ende 2024 lagen die Finanzreserven der Kassen lediglich bei sieben Prozent einer Monatsausgabe, anstelle der vorgeschriebenen 20 Prozent. Während die 94 gesetzlichen Krankenkassen für 2024 ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro verzeichneten, verspricht das Jahr 2025 Aussicht auf Besserung. Durch die Beitragsanhebungen zeichnet sich für 2025 zumindest eine Stabilisierung ab, obwohl Pfeiffer betont, dass Überschüsse nicht aufgrund einer soliden Kassenlage entstehen.
Vielmehr seien die Beitragserhöhungen "Reparaturkosten" für den politisch verursachten Rückgang ehemals hoher Reserven. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist zu Jahresbeginn auf 2,9 Prozent gestiegen, während die erwartete Steigerung lediglich um 0,8 Punkte auf 2,5 Prozent ausgemacht hatte. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat sich bereits dahingehend geäußert, dass weitere Beitragsanhebungen vermieden werden sollen. Zusätzliche finanzielle Mittel aus dem Bundeshaushalt könnten helfen, die Belastung zu mindern.
Eine zentrale Forderung der Kassen ist, dass der Bund die Versorgungskosten für Bürgergeldempfänger vollständig übernimmt, was jährlich zehn Milliarden Euro ausmachen könnte. Mit Blick auf die Pflegeversicherung, die Anfang 2025 ebenfalls eine Beitragsanhebung erfuhr, wird in diesem Jahr ein kleines Minus von 166 Millionen Euro erwartet – ein Rückgang im Vergleich zu einem Verlust von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Die ersten drei Monate im Jahr 2025 wiesen ein Defizit von 90 Millionen Euro auf.
Pfeiffer betonte, ohne zusätzliche Mittel könnten weitere Pflegekassen unter Liquiditätsdruck geraten. Es brauche dringend eine "finanzielle Atempause", um Reformen anzugehen. Der Verband fordert weiterhin, dass der Bund die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige übernimmt und Kosten aus der Corona-Krise erstattet. Die schwarz-rote Koalition plant die Einrichtung von Kommissionen, um Reformvorschläge zur Stabilisierung der Pflege- und Krankenversicherung zu entwickeln.

