Geopolitische Spannungen und neue Zölle erschüttern die Schifffahrt
Die Schifffahrtsbranche sieht sich derzeit erheblicher Volatilität ausgesetzt – zurückzuführen auf steigende geopolitische Spannungen und Störungen durch eine Welle neuer Zölle, wie aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht der UN-Handels- und Entwicklungsorganisation hervorgeht. Diese Herausforderungen führen zu einem komplexeren und unsicheren globalen Handelsumfeld, in dem gedämpfte industrielle Aktivitäten in großen Volkswirtschaften und schwache chinesische Nachfrage nach Schüttgütern die maritime Handelsprognose für 2025 nach unten revidieren ließen.
Der Bericht prognostiziert nun ein jährliches Wachstum des gesamten maritimen Handelsvolumens von 0,5 %, wobei der containerisierte Handel mit 1,4 % etwas schneller wächst. Insbesondere Veränderungen in der Handelspolitik und neue Zölle stören die globalen Lieferketten erheblich. Die Navigation im Schwarzen Meer wurde durch den Krieg in der Ukraine erschwert, während Konflikte im Nahen Osten zu erhöhten Versandkosten führten, da Schiffe wegen Störungen im Roten Meer den Umweg um das Kap der Guten Hoffnung nehmen mussten.
Auch die Straße von Hormus, durch die 34 % der weltweiten seegebundenen Öltransporte verlaufen, war in den letzten Monaten von Störungsrisiken betroffen, da die Spannungen zwischen Iran und Israel eskalierten. Seit der Schließung des Suezkanals im Jahr 1967 seien die Handelspfade der Weltwirtschaft nicht mehr so nachhaltig gestört gewesen, wie Rebeca Grynspan, Generalsekretärin der UNCTAD, in ihren einleitenden Bemerkungen zum Bericht erläuterte. Sie wies darauf hin, dass der maritime Transport seine Betriebsabläufe grundlegend überdenken muss, um fragile Lieferketten und zunehmende geopolitische Unsicherheiten zu bewältigen.
Zudem sind die Seefahrten zunehmend länger geworden – von einer durchschnittlichen Länge von 4.831 Meilen im Jahr 2018 auf 5.245 Meilen im Jahr 2024 – was Veränderungen in Handelsrouten und der Geopolitik widerspiegelt. „Entfernung ist keine Geografie mehr; es ist Geoökonomie“, sagte Grynspan. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 erwartet UNCTAD, dass der gesamte Seeverkehr mit einer jährlichen durchschnittlichen Rate von 2 % und der containerisierte Handel um 2,3 % zunehmen werden.

