Gentechnik: Europa lockert Kennzeichnungspflicht

Die EU-Staaten stehen kurz davor, Regeln zu lockern, die gentechnisch veränderte Lebensmittel im Supermarkt betreffen. Eine Mehrheit der Mitgliedsländer hat im Ausschuss der Ständigen Vertreter signalisiert, dass sie den Vorschlag unterstützen, auf spezielle Kennzeichnungen zu verzichten. Deutschland enthielt sich dabei der Stimme. Laut der dänischen EU-Ratspräsidentschaft wird mit dieser Entscheidung die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft gestärkt. Sie betont, dass Landwirte dadurch neue Werkzeuge für den globalen Markt erhalten und die Landwirtschaft zugleich resilienter gegenüber dem Klimawandel werde. Bis Jahresende behält Dänemark weiterhin den Vorsitz im EU-Rat.
Der Kompromiss sieht vor, zwei Kategorien von Gentechnik einzuführen: Bei weniger gravierenden Eingriffen entfällt die Kennzeichnungspflicht, bei größeren Eingriffen bleiben die strengen Regeln. Der Verbraucherzentrale Bundesverband und Foodwatch äußerten Bedenken; ersterer nennt es eine „herbe Enttäuschung“, während Foodwatch ein „Geschenk an die Agrar-Lobby“ sieht.
Für Konsumenten, die Gentechnik vermeiden wollen, bleibt das Label „Ohne Gentechnik“ ein führender Indikator. Biolandwirtschaft soll generell gentechnikfrei bleiben, wobei „technisch unvermeidbare“ Präsenz ausdrücklich kein Verstoß ist.
Die formelle Annahme der neuen Regelungen steht noch aus, doch das EU-Parlament soll im Januar darüber abstimmen. Läuft alles nach Plan, treten die Änderungen nach einer zweijährigen Übergangsfrist in Kraft.
Die Sicherheitsprüfung bleibt ein zentraler Punkt: Neue Pflanzen, auch genetisch veränderte, müssen sich einer gesetzlich festgelegten Prüfung unterziehen. Risiken bestehen nach wie vor, unabhängig von der Züchtungsmethode, wie das Beispiel der Lenape-Kartoffel zeigt. Befürworter sehen ein enormes Potenzial, besonders im Hinblick auf Klimakrise und Ernährungssicherheit, während Kritiker vor möglichen ökologischen Risiken warnen.

