Gehaltsgefälle im Vorstand: Weibliche Führungskräfte verdienen 2024 weniger
Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EY werfen ein neues Licht auf die Einkommensentwicklung von Top-Managerinnen in den größten deutschen Börsenkonzernen: Erstmals seit 2014 verdienen Frauen in Dax, MDax und SDax weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Gehälter weiblicher Vorstandsmitglieder sind 2024 markant gesunken, während die ihrer männlichen Pendants leicht gestiegen sind. Dies kehrt den bisherigen Trend um, bei dem Frauen aufgrund ihrer zuvor seltenen Präsenz in Vorstandsetagen teils höhere Gehälter erzielten.
Nach Angaben von EY-Partner Jens Massmann sei die Phase hoher Gehälter für Frauen aufgrund ihrer Seltenheit im Vorstand heute Geschichte. Das Gehaltsauftreten neu einsteigender Top-Managerinnen mit niedrigeren Einstiegsgehältern wirkt sich nun auf das gesamte Vergütungsgefüge aus. 2024 sank die durchschnittliche Vergütung weiblicher Vorstandsmitglieder, ohne Berücksichtigung von Chefpositionen, auf 2,15 Millionen Euro, was einen starken Rückgang von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Ihre männlichen Kollegen erhielten hingegen ein Gehaltsplus von 0,4 Prozent und kommen nun auf 2,27 Millionen Euro.
Eine ausführliche Analyse von EY, die 368 Vorstandsgehälter untersuchte, verdeutlicht diese Entwicklung. Mit einem bemerkenswerten Anteil von fast einem Viertel weiblicher Vorstandsmitglieder zeigt sich dennoch ein historisches Hoch bei der Beteiligung von Frauen in den Spitzenpositionen. In den letzten zehn Jahren hat sich ihr Anteil von 6,4 Prozent auf 23,9 Prozent erhöht. Die Studie ermittelte die Gesamtvergütung, bestehend aus Fixgehalt und kurz- sowie langfristigen Boni.
Ein besonderer Blick liegt auf dem Dax, wo die Gehaltslücke besonders ausgeprägt ist. Männliche Vorstandsmitglieder verdienten hier 2024 durchschnittlich 3,38 Millionen Euro, während ihre weiblichen Kolleginnen 2,92 Millionen Euro erhielten. Im MDax und SDax zeigt sich die Kluft dagegen geringer. Abschließend führt Massmann die allgemeine Abnahme der Vorstandsgehälter auch auf wirtschaftliche Herausforderungen und Geschäftsrückgänge zurück, die höhere Gehaltszuwächse unangebracht erscheinen lassen.

