Gefahr der virtuellen Hochstapler: Social Engineering als neue Bedrohung
Hacker, die sich als Führungskräfte ausgeben, verursachen in Unternehmen zunehmend schwerwiegende Schäden. Der Kreditversicherer Allianz Trade hat herausgefunden, dass die Täter zunehmend auf "Social Engineering" setzen, da der technische Schutz gegen Cyberangriffe verstärkt wurde. Dabei geben sie sich als Top-Manager aus und bewegen Mitarbeiter dazu, erhebliche Geldsummen zu überweisen.
Die Schadensumme soll 2025 um 80 Prozent gestiegen sein, wobei bereits 2024 eine Verdreifachung verzeichnet wurde, so Marie-Christine Kragh, die Leitung der Vertrauensschadenversicherung bei Allianz Trade in Hamburg. Der durchschnittliche Schaden liegt im einstelligen Millionenbereich, konkrete Zahlen bleiben jedoch aus.
Künstliche Intelligenz (KI) spielt den Tätern in die Hände, indem sie ihre Glaubwürdigkeit als falsche Chefs erhöht. Fehlerfreie E-Mails und täuschend echte Stimmen bei Telefonaten zählen zu den Hilfsmitteln. Dirk Koch, IT-Sicherheitsexperte bei ByteLaw, erklärt, dass bereits kurze Tonaufnahmen ausreichen, um Stimmen nahezu perfekt nachzuahmen. Besonders in englischsprachigen Unternehmen haben Angreifer leichtes Spiel, während im Deutschen die Technik hinterherhinkt.
Trotz verbesserter IT-Sicherheitsmaßnahmen bleibt der Mensch das schwächste Glied. Laut Allianz Trade reagieren Angreifer strategisch mit einer Mischung aus Dringlichkeit, Druck und emotionaler Manipulation. Kragh warnt davor, dass Vorsicht geboten ist, sobald Zeitdruck, emotionale Anreize und ungewöhnliche Anweisungen zusammentreffen.
Allianz Trade, eine Tochter des Dax-notierten Unternehmens, ist neben der Kreditversicherung auch gegen Betrug und politische Risiken abgesichert. Das Unternehmen erzielte 2024 mit seinen rund 5.800 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro.

