G7 in Kanada: Annalena Baerbock kämpft um Konsens und ein politisches Vermächtnis
Die G7-Konferenz der größten westlichen Demokratien, die aktuell ihr 50. Jubiläum feiert, zeigt sich erneut als wichtige Plattform für geopolitische Diskussionen. Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock betonte im kanadischen Charlevoix die Rolle der Gruppe bei der Bewältigung internationaler Herausforderungen. Besonders im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine gilt der G7-Kreis seit dem russischen Angriff als symbolstark und zentral für die europäische Friedenssicherung. Baerbock unterstrich die Notwendigkeit eines geschlossenen Auftretens, da dieses Treffen wohl ihre letzte internationale Reise als Außenministerin sein dürfte.
Starke Worte fand Baerbock im Vorfeld auf mögliche Spannungen mit US-Außenminister Marco Rubio hin. Während eines kühlen Empfangs in Kanada stellte sie fest, dass die Gesprächsatmosphäre mittlerweile weitaus wärmer sei als die winterliche Außentemperatur, obwohl Rubio selbst nicht anwesend war. Rubio war zuvor in Saudi-Arabien, um mit der Ukraine über Verhandlungsoptionen mit Russland zu sprechen, und reiste von dort nach Kanada.
Lobende Worte fand Baerbock für die kanadische Reaktion auf frühere Drohungen von Ex-US-Präsident Donald Trump. Der Zusammenhalt und Patriotismus der Kanadier sei inspirierend und könne als Lehrstück für viele dienen. Ihre kanadische Amtskollegin Mélanie Joly nannte sie gar eine Freundin und hob hervor, wie Kanada - auch in angespannten Themen mit den USA - Stärke und Selbstbewusstsein demonstriere. Publikumswirksam posierte Baerbock gemeinsam mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, beide in den kanadischen Landesfarben gekleidet.
Kanadas Außenministerin Joly unterstrich die G7-Forderung nach einem stabilen und gerechten Frieden in der Ukraine und verwies auf Errungenschaften wie die Corona-Eindämmung und den kompromisslosen Einsatz für die ukrainische Souveränität. Zudem nannte Baerbock weitere Kernthemen der Beratungen: Chinas Agieren im Indopazifik und die humanitäre Lage im Nahen Osten. Aufgrund des brisanten Themas im Gazastreifen sei es essenziell, die Grundversorgung der dortigen Bevölkerung sicherzustellen.
In den kommenden Tagen wird mit Spannung erwartet, ob die G7-Mitglieder eine gemeinsame Abschlusserklärung verabschieden konnen. Einheit scheint jedoch ungewiss.

