Fünf Jahre EU-Türkei-Abkommen: Kurs gegenüber Ankara gesucht

18. März 2021, 18:16 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel (dpa) - Fünf Jahre nach Abschluss des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei ringt die Europäische Union um ihren Kurs gegenüber Ankara.

Zum Jahrestag des Abkommens hagelte es von Hilfsorganisationen Kritik an dem Deal, der die Migration über die Türkei nach Griechenland eindämmen soll. Die Bundesregierung sieht den Flüchtlingspakt hingegen als Erfolg. An diesem Freitag wollen EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, EU-Ratschef Charles Michel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan per Videoschalte Bilanz der komplexen Beziehung ziehen.

Nächste Woche schon landet das Thema dann beim EU-Gipfel auf dem Tisch von Kanzlerin Angela Merkel und der anderen Staats- und Regierungschefs. Vor allem in der Migrationspolitik ist die Türkei ein wichtiger Partner der EU. Erdogan ging im vergangenen Jahr jedoch mehrfach auf Konfrontationskurs und provozierte den Staatenblock.

Beide Seiten hatten sich vor fünf Jahren, am 18. März 2016, unter dem Eindruck großer Flüchtlingsbewegungen auf die EU-Türkei-Erklärung geeinigt. Diese sieht vor, dass die Türkei gegen unerlaubte Migration in die EU vorgeht und Griechenland illegal auf die Ägäis-Inseln gelangte Migranten zurück in die Türkei schicken kann. Im Gegenzug übernimmt die EU für jeden zurückgeschickten Syrer einen syrischen Flüchtling aus der Türkei und unterstützt das Land finanziell bei der Versorgung der Flüchtlinge. Der Türkei wurden unter anderem eine vertiefte Zollunion sowie Visafreiheit in Aussicht gestellt. Zur gleichen Zeit entstanden auf den Ägäis-Inseln Lager, in denen die Migranten bis heute unter teils unwürdigen Bedingungen leben.

Tatsächlich ist die Zahl der Migranten, die auf den griechischen Inseln ankommen, deutlich zurückgegangen. Kamen 2015 noch rund 857.000 Menschen, waren es 2019 dem UNHCR zufolge knapp 60.000. Allerdings schickte Griechenland bis März 2021 nur rund 2740 Migranten zurück in die Türkei, wo rund 3,6 Millionen syrische Flüchtlinge leben. Die EU-Staaten nahmen 28.621 Menschen auf. Das ist deutlich weniger als im Abkommen in Aussicht gestellt. In der Corona-Krise rückten zeitweise dann beide Seiten vom Abkommen ab. Die Türkei setzte die Rückübernahme von Migranten aus; die EU stoppte die Umsiedlung. Seit August nimmt die EU wieder Syrer auf.

Doch nutzt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Situation auch, um Druck auf die EU auszuüben. So erklärte er im vergangenen Frühjahr die Grenze zu Griechenland für Migranten zeitweise für offen. Auch in anderen Politikfeldern war die Stimmung angespannt: So heizte Erdogan mehrfach den Erdgas-Streit mit Zypern und Griechenland an und beleidigte Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron. Auch die Menschenrechtslage in der Türkei sowie jüngst das Vorgehen gegen die prokurdische Oppositionspartei HDP bereitet vielen EU-Staaten Sorgen.

Erdogan hingegen fordert immer wieder weitere Hilfszahlungen für die Versorgung der Flüchtlinge in seinem Land. Der EU-Gipfel im Dezember hielt fest, dass man zu weiteren Zahlungen bereit sei. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte kürzlich, es müsse eine neue Vereinbarung dieser Art geben. Wie genau diese aussehen könnte, ist völlig unklar. Erdogan könnte in diesem Zusammenhang fordern, dass die EU der Türkei bei Zollunion und Visafreiheit entgegenkommt.

Acht Hilfsorganisationen forderten am Donnerstag in einem offenen Brief einen grundlegenden Kurswechsel der EU-Flüchtlingspolitik. Die Folgen des Pakts seien katastrophale Lebensbedingungen in den Aufnahmelagern, illegale Zurückweisungen an den EU-Außengrenzen und schleppende Asylverfahren, kritisierte die Organisation Oxfam. «Für diese dramatische humanitäre Krise ist die EU verantwortlich», sagte Raphael Shilhav von Oxfam.

Der Politikwissenschaftler Maximilian Pichl sieht in den überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln das Ergebnis einer Migrationspolitik, die seit 30 Jahren Verantwortung weiterreicht. «Das Narrativ, es handele sich bei den Zuständen auf Moria um eine «humanitäre Katastrophe», verdeckt, dass der «Moria-Komplex» Ergebnis politischer Entscheidungen und Kalküls ist», heißt es in einer Zusammenfassung seiner Analyse im Auftrag von Medico International. Die Politik der Auslagerung reiche zurück zu den Ursprüngen des EU-Asylsystems um die Jahrtausendwende, schreibt der Rechts- und Politikwissenschaftler von der Frankfurter Goethe-Universität.

Die deutsche Bundesregierung wertet das Abkommen hingegen als Erfolg. Beide Seiten hielten an der Vereinbarung fest und setzten sie gemeinsam um, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer jüngst. Es sei gelungen, das «tödliche Geschäftsmodell» der Schleuser in der Ägäis wirkungsvoll zu bekämpfen. Die Zahl der illegal Einreisenden nach Griechenland sei erheblich zurückgegangen, ebenso die Zahl der Todesfälle in der Ägäis.

EU / Flüchtlinge / Migration / Abkommen / Kritik / Griechenland / Türkei / Europa
18.03.2021 · 18:16 Uhr
[2 Kommentare]
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu
Tel Aviv (dpa) - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Einladung von US-Präsident Donald Trump zur Teilnahme am sogenannten «Friedensrat» für den Gazastreifen angenommen. Das gab sein Büro auf der Plattform X bekannt. Der «Friedensrat» ist Teil der zweiten Phase von Trumps Friedensplan für das vom Krieg zwischen Israel und der […] (00)
vor 5 Minuten
Dita Von Teese performte mit George Michael bei seiner '25 Live Tour' 2008
(BANG) - Dita Von Teese hat enthüllt, dass George Michael großes Interesse daran hatte, musikalisch mit Amy Winehouse zusammenzuarbeiten – ein Projekt, das aus ihrer Sicht „ein absoluter Traum“ gewesen wäre, aber nie zustande kam. Die 53-jährige Burlesque-Künstlerin war mit beiden Musikikonen befreundet und erinnert sich noch genau an Gespräche mit […] (00)
vor 15 Stunden
Kaulitz-Zwillinge übernehmen Moderation von «Wetten, dass..?»
Mainz (dpa) - Die Musiker und Podcaster Bill und Tom Kaulitz moderieren die nächste Ausgabe von «Wetten, dass..?» im ZDF. Wie der Sender im ZDF-«Morgenmagazin» bestätigte, kehrt die beliebte Show zurück - und «das mit den Kaulitz-Brüdern», sagte Pinar Tanrikolu im Rahmen der Nachrichtensendung «heute express» im Frühprogramm. Weitere Details wie ein Sendetermin wurden […] (00)
vor 14 Minuten
MIO: Memories in Orbit – Release des Metroidvania-Adventure auf PC & Konsole
MIO: Memories in Orbit  von Focus Entertainment und Douze Dixièmes ist ab sofort weltweit für PC und Konsolen erhältlich. Das Spiel kann auf PlayStation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch 1 & 2 sowie auf dem PC über Steam, den Epic Games Store und den Microsoft Store gespielt werden. Außerdem ist das Metroidvania-Adventure direkt zum Release im […] (00)
vor 11 Stunden
Netflix verstärkt «The Hunting Wives»: Angel Reese kommt
WNBA-Star und Social-Media-Ikone Angel Reese übernimmt in Staffel zwei eine Co-Hauptrolle. Angel Reese erweitert den Cast von The Hunting Wives und übernimmt in der zweiten Staffel die Co-Starring-Rolle der Figur Trainer Barbie. Die Verpflichtung markiert einen weiteren Schritt für Netflix, Sportstars gezielt auch im fiktionalen Serienbereich zu positionieren. Die neue Staffel befindet […] (00)
vor 2 Stunden
FK Bodö/Glimt - Manchester City
Bodö (dpa) - Nach der peinlichen Niederlage bei Außenseiter FK Bodö/Glimt in seinem Heimatland suchte Erling Haaland erst gar nicht lange nach Ausreden. «Ich übernehme die volle Verantwortung dafür, dass ich keine Tore geschossen habe. Es ist peinlich», sagte der norwegische Stürmerstar von Manchester City. Das englische Starensemble von Trainer […] (00)
vor 1 Stunde
bitcoin, crypto, finance, coins, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup, bitcoin, crypto, crypto, crypto, crypto, crypto
Paradex hat bestätigt, dass alle Nutzerfonds während einer kurzzeitigen Plattformstörung zu Beginn dieser Woche vollständig gesichert blieben. Die Unterbrechung, die mehrere Stunden andauerte, trat während interner Wartungsarbeiten auf und wurde inzwischen vollständig behoben. Die Plattform ist nun wieder im Normalbetrieb. Das Team von Paradex […] (00)
vor 27 Minuten
Nexus Uranium stärkt US-Präsenz: 100%-Erwerb des “RC-Projekts” in South Dakota
Lüdenscheid, 20.01.2026 (PresseBox) - Nexus Uranium Corp. (ISIN: CA65345P2008 | WKN: A41PJQ), Nexus oder das Unternehmen, gibt den Erwerb des Uranprojekts “RC” in South Dakota und damit die zweite strategische Absteckung des Unternehmens im Uranbezirk “Fall River County” innerhalb von zwei Wochen […] (00)
vor 12 Stunden
 
Alkoholkonsum
Köln (dpa) - In Deutschland trinken immer weniger Menschen Alkohol. Laut einer […] (00)
Stadtansicht Berlin - Leipziger Straße
München/Berlin (dpa) - In keiner anderen großen Stadt bremsten Staus den Verkehr im […] (00)
Schwimmendes LNG-Terminal in Wilhelmshaven (Archiv)
Berlin - Die Grünen-Politikerin Sara Nanni hat sich für Sanktionen auf US- […] (00)
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump ist auf seiner Reise zum […] (04)
coin, currency, ethereum, ether, bitcoin, crypto currency, block chain, finance, dice, digital, virtual, ethereum, ethereum, ethereum, ethereum, ethereum
Der Ethereum-Kurs hat einen erneuten Rückgang von der Widerstandsmarke bei 3.200 […] (00)
Marc-André ter Stegen
Barcelona (dpa) - Fußball-Nationaltorwart Marc-André ter Stegen verlässt den FC […] (00)
Amazon-Chef Andy Jassy
Davos (dpa) - Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trumps lässt Amazon-Chef Andy […] (00)
Amazon Prime Video bestellt «Lore Olympus»
Die gefeierte Webtoon-Serie wird zur Animationsserie: Amazon Prime Video hat eine […] (00)
 
 
Suchbegriff