Investmentweek

Freedom Fries verlieren ihre Freiheit – wie Zölle Amerikas Lieblingsbeilage gefährden

19. April 2025, 14:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Neue US-Strafzölle könnten Canola-Öl aus Kanada drastisch verteuern. Das Problem: Ohne das Öl aus dem Nachbarland werden Pommes zur Preisfalle – für Restaurants, Verbraucher und Investoren.

Zollpolitik auf Kosten des Kartoffelherzens

Sie gehören in den USA zu fast jeder Mahlzeit: Pommes frites. Doch Trumps jüngste Zollpläne könnten selbst die goldenen Stäbchen politisieren. Geplant ist ein Importzoll von mindestens 10 % auf Waren aus Kanada – darunter fällt auch Canola-Öl, das in 96 % aller US-Fritteusen zum Einsatz kommt.

Die Mehrheit davon stammt aus Kanada – der Weltmarktführer. Sollte der Zoll kommen, drohen massive Preissteigerungen entlang der gesamten Lieferkette.

Das klingt nach einem Nischenthema – ist aber ein strukturelles Risiko. Denn ohne günstiges Canola-Öl ist der Preis für Frittierwaren kaum zu halten. Schon jetzt kaufen US-Restaurants jährlich für Milliarden Dollar Öl – allein die Gastronomiekette Knead Hospitality + Design verbraucht über 57.000 Liter pro Monat.

Die Margen bei Burgern sind schmal, bei Pommes hingegen hoch. Steigt der Ölpreis, kippt das Modell.

Das Öl, das keiner sieht – und jeder bezahlt

Pommes sind kein Hightechprodukt. Und genau das macht sie so systemrelevant in der Gastronomie. Sie sind billig, beliebt, profitabel. Während ein Burger oft 30 % seiner Marge für Zutaten verbraucht, liegen die Herstellungskosten für Pommes unter 20 %. Doch das funktioniert nur, solange das Frittieröl bezahlbar bleibt.

Seit 2020 ist der Preis für Pflanzenöl bereits um rund 50 % gestiegen. Ein 35-Liter-Kanister Canola kostet inzwischen teils doppelt so viel wie noch vor fünf Jahren. Die Gastronomiebranche reagiert mit Notlösungen: Ölfilteranlagen, längere Nutzung, Mischöle. Doch das hat Grenzen – geschmacklich wie hygienisch.

Eine Beilage wird zum Politikum

Pommes sind längst Teil der amerikanischen Identität. In früheren Jahren versuchte man sie gar in „Freedom Fries“ umzubenennen, um Frankreich für seine Anti-Irak-Kriegspolitik abzustrafen.

Die USA importieren rund 69 % ihres Canola-Öls – 96 % davon aus Kanada. Ein 10 %-Zoll träfe direkt die Gastronomie.

Nun droht ein umgekehrtes Symbol: Der Preis für Freiheit könnte tatsächlich bei den Freedom Fries landen – in Form höherer Preise oder schlechterer Qualität.

Die meisten US-Restaurants verwenden Öl nicht aus Überzeugung, sondern aus Kalkulation. Und sie sind auf das Mischverhältnis aus Haltbarkeit, Hitzeverträglichkeit und Preis angewiesen. Alternativen wie Talg, Entenfett oder Zuckerrohröl sind entweder nicht verfügbar oder unerschwinglich. Zuckerrohröl etwa kostet das Doppelte – wird aber nur in Spezialanlagen effizient verwertet.

Kleiner Zoll, große Wirkung

Ein 10 % Zollaufschlag auf Canola mag überschaubar klingen. Doch er trifft ein System, das auf Kante genäht ist. Viele Restaurants arbeiten mit Ölverträgen, die bis Ende 2025 fixiert sind. Danach jedoch drohen massive Anpassungen. Schon jetzt suchen Gastronomen nach neuen Lieferketten – vergeblich.

Noch dramatischer: Die USA importieren auch gefrorene Pommes. 1,7 Milliarden Dollar jährlich, ein Großteil davon aus Kanada. Die Handelsbilanz ist lückenlos auf Nordamerika zugeschnitten – durch das NAFTA- und später das USMCA-Abkommen. Sollte Trump auch hier Zölle durchsetzen, stehen Produktions- und Kühlketten vor dem Kollaps.

Lamb Weston, einer der größten US-Pommeshersteller, hat bereits ein Werk geschlossen – eine Reaktion auf sinkende Nachfrage und steigende Kosten. Weitere Kürzungen seien nicht ausgeschlossen, heißt es aus dem Umfeld.

Drei schlechte Optionen für Gastronomen

Die Branche steht vor drei Möglichkeiten:

  1. Kosten selbst tragen – was die Marge weiter senkt.
  2. Preise anheben – was Gäste abschreckt.
  3. Zutaten austauschen – was die Qualität gefährdet.

Keine dieser Varianten ist nachhaltig. Schon jetzt beobachten Branchenverbände eine Abkehr von Beilagen. Was einst als Selbstläufer galt, wird zunehmend hinterfragt. Wenn Pommes fünf Dollar kosten, dann fällt die Entscheidung öfter gegen sie – selbst in Fast-Food-Ketten.

Besonders betroffen sind kleine Betriebe. Während große Ketten mit Volumenverträgen arbeiten und Alternativen testen, fehlt kleineren Restaurants die Infrastruktur. Die Folge: mehr Betriebsschließungen, weniger Vielfalt – und Druck auf Beschäftigte.

Investoren sollten genau hinschauen

Für börsennotierte Ketten wie McDonald's, Wendy’s oder Shake Shack ist die Ölfrage mehr als ein operatives Detail. Sie beeinflusst Umsatz, Kundenzufriedenheit und das Pricing ganzer Menüstrukturen.

In den vergangenen Jahren ist der Preis für eine Standardportion bei McDonald’s von $1,79 auf $4,19 gestiegen – ein Plus von 134 %. Teilweise durch Inflation, teilweise durch höhere Inputkosten.

Wird Öl zum Engpass, könnte die Beilage zum Geschäftsrisiko werden. Und das trifft auch Zulieferer, Logistikunternehmen und Agrarproduzenten. Investoren, die den Lebensmittelsektor als defensive Anlage betrachten, sollten ihre Modelle überdenken.

Das Problem hat keine einfache Lösung

Wirtschaftlich ist das Problem klar – politisch ist es toxisch. Trumps Zölle sollen inländische Produktion schützen. Doch in der Praxis treffen sie jene, die keine Alternative haben: Restaurants, Importeure, Landwirte. Und am Ende: Konsumenten. Die Ökonomie eines Landes lässt sich nicht über die Fritteuse steuern. Aber sie lässt sich dort beschädigen.

Henry An, Agrarökonom an der University of Alberta, bringt es auf den Punkt: „Beide Länder werden Schmerzen spüren, wenn diese Zölle bestehen bleiben.“ Kanada hat keine kurzfristigen Ausweichmärkte, die USA keine Ersatzproduzenten. Das Ergebnis: ein klassischer Lose-Lose-Konflikt.

Finanzen / Märkte
[InvestmentWeek] · 19.04.2025 · 14:00 Uhr
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